Doppelausstellung

Stillstand im Bottroper Frauenzentrum Courage

Eine Fotoarbeit von Petra Lamers, die derzeit in der Ausstellung „Stillstand“ im Bottroper Frauenzentrum Courage zu sehen ist.

Eine Fotoarbeit von Petra Lamers, die derzeit in der Ausstellung „Stillstand“ im Bottroper Frauenzentrum Courage zu sehen ist.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  Gemeinschaftsausstellung „Stillstand“ im Courage: Maike Dähn und Petra Lamers zeigen Fotografie, Malerei, Siebdruck und Collagen. Bis 30. August.

„Kunst mit Courage“ - unter dieses Motto stellt das Frauenzentrum in der Innenstadt seine zweite Ausstellung, die am heutigen Freitagabend eröffnet wird.

„Wir wollen künftig regelmäßiger Künstlerinnen die Möglichkeit geben, hier auszustellen“, sagt Mitarbeiterin Silke Kutz. Die Schau zeigt sowohl großformatige Werke mit Malerei, Siebdruck und Collage als auch kleinformatigere Schwarz-weiß-und Farbfotografien. Durch die Kombination der Werke beider Künstlerinnen entstehen vielschichtige Blicke auf das Thema Stillstand und Bewegung. Beide greifen dieses Zusammenspiel in ihren Werken auf unterschiedliche Weise auf und laden die Besucherinnen und Besucher ein, sich auf die Arbeiten wie auf das Thema einzulassen.

Beim Eintreten fallen dem Besucher zunächst die Großformate von Maike Dähn auf. Sie erinnern an Unterrichtskarten, die vor vielen Jahren noch häufiger in Schulen an so genanten Kartenständern hingen und Lerninhalte vermitteln oder Länder und Grenzen vor Augen führen sollten.

Blicke auf das Stillstehen im Alltag

Einen großen Siebdruck mit einer Serie von Ohrmuscheln, der bereits einmal im Museum Quadrat gezeigt wurde, nennt Maike Dähn „Tinnitus aurium“. Die collagenartig bearbeiteten Landkarten des alten Europa - man erkennt noch schwach Österreich-Ungarn oder das Zarenreich - sind überschrieben mit „Atopische endogene Dermatitis“. Dähn richtet mit diesen drei unterschiedlichen Arbeiten den Blick auf drei Lebensalter des Menschen mit typischen Störungen, die für Kindheit, Erwachsenenalter oder das Alter stehen.

In ihrer wie beschädigte Haut wirkenden Landkarten-Collage greift Dähn die Kartierung der Haut auf, wie sie Dermatologen durchführen - und auch so nennen. Die Verletzungen oder Veränderungen der Oberfläche macht sie durch das Aufbringen von Papierteilchen sichtbar, die von weitem betrachtet wie Narben wirken. Durch Kratzen oder Punktieren wirkt die Landkartenoberfläche wie mal durchscheinend, mal empfindlich getroffen.

Petra Lamers’ Fotoarbeiten zeigen hingegen häufig Menschen in unwirklicher oder starrer Situation. Eine Frau im U-Bahnschacht blickt starr auf ein weibliches Gesicht. Zwei Menschen stehen wie verloren in den weiten Betonkuben des Sanaa-Baus auf dem Essener Welterbe Zollverein: Petra Lamers blickt, zuweilen leicht erstaunt, auf das Stillstehen im Alltag.

Gemeinsames Thema - aber keine gemeinsame Arbeit

„Wir haben das Thema der Ausstellung gemeinsam gesucht, aber nicht gemeinsam gearbeitet“, sagt Maike Dähn, die vor einiger Zeit noch eine Ausstellung im „jungen museum“ hatte, das nun nicht mehr existiert. „Als wir mit der Hängung begannen haben wir aber gemerkt, dass meine Großformate und die kleineren, zumeist zweigeteilten Arbeiten von Petra Lamers gut zusammen funktionieren.“ Auf die Resonanz der Besucherinnen und Besucher im Frauenzentrum an der Essener Straße ist sie jedenfalls gespannt.

Eröffnung: Freitag, 12. Juli, 18 Uhr, Frauenzentrum Courage, Essener Straße 13, 46236 Bottrop. Eine Einführung gibt Kunsthistorikerin Sarah Sandfort. Zu sehen sind die Arbeiten dann bis zum 30. August.

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