Mobilitätstraining

Vestische zeigt: So fahren Senioren sicher mit dem Linienbus

Ewelin Reclik, Mitarbeiter der Vestischen, gibt den Bottroper Senioren Tipps zum sicheren Einstieg mit Rollator in den Bus.

Ewelin Reclik, Mitarbeiter der Vestischen, gibt den Bottroper Senioren Tipps zum sicheren Einstieg mit Rollator in den Bus.

Foto: oachim Kleine-Büning / Funke Foto Services GmbH

Bottrop.   Schon der sichere Einstieg mit dem Rollator will gelernt sein. Das Mobilitätstraining der Vestischen macht Bottroper Senioren fit fürs Busfahren.

Sind Ingrid Biermann (80) und Ursula Nathrat (84) unterwegs, dann haben sie ihren Rollator dabei. Sie sind froh, mit dem Bus noch gut mobil sein zu können – aber das Busfahren macht ihnen auch Sorgen. Deshalb sind sie zum Mobilitätstraining von der Vestischen und dem Awo-Seniorenzentrum „Schattige Buche“ gekommen. An der gleichnamigen Haltestelle warten sie mit rund einem Dutzend anderer Senioren auf den Trainingsbus - und der kommt schon einmal pünktlich.

Und ist für diese Übungssituation ungewohnt leer. „Ich habe immer ein bisschen Angst, wenn der Bus voll ist. Dass ich mit dem Rollator hinfalle“, erzählt Ingrid Biermann. Und Ursula Nathrat berichtet: „Ich fahre viel mit dem SB 91, da kann man die Karten nur vorne abstempeln.“ Der Weg vom hinteren, für Rollatoren geeigneten Einstieg nach vorn sei im anfahrenden Bus ziemlich holperig.

Senioren mit Rollator sollten beim Busfahren die Stoßzeiten meiden

Für beide Probleme hat Christoph van Bürk, der Sprecher der Vestischen, kurz darauf Lösungen parat. Er rät: „Versuchen Sie, Stoßzeiten zu vermeiden.“ Wenn z.B. Schüler an der Tür im Weg stehen, könnten sie gebeten werden, Platz zu machen. Grundsätzlich gelte: „Nach dem Einsteigen setzen Sie sich zuerst hin.“ Das Abstempeln des Fahrausweises lasse sich lösen, indem man einen anderen Fahrgast darum bitte. „Und wenn niemand da ist, dann sprechen Sie den Busfahrer an.“

Nicht nur „Goldene Regeln“, sondern auch praktische Tipps wollen Christoph van Bürk und seine Kollegin Ewelin Reclik geben. Deshalb geht’s gemeinsam an den hinteren Einstieg des Niederflurbusses, der in dieser Trainingssituation schön nah an der Kante steht. Das sei im Alltag nicht immer der Fall, merken die Senioren an. Der Rat auch hier: Bescheid sagen, um Hilfe bitten.

Ewelin Reclik zeigt dann den Einstieg mit Rollator. Den sollen die Senioren lieber nicht hochheben, sondern die Hebelwirkung nutzen, indem sie den Fuß auf den kleinen Tritt am hinteren Rad setzen. Steht der Rollator im Bus, wird er per Bremse festgestellt. Mit einer Hand am Rollator und einer am Tür-Haltegriff kann nun sicher eingestiegen werden. Danach heißt es: Sitzplatz suchen, am besten im Mehrzweckbereich, Rollator zu sich drehen, wieder sichern. Sieht einfach aus – jetzt sind die Senioren an der Reihe. Ingrid Biermann hat sofort ein Problem: Ihr Rollator verfügt über keinen Tritt am Hinterrad. „Leider sind nicht alle Rollatoren baugleich“, bedauert Ewelin Reclik.

In die Bustüren kann niemand eingeklemmt werden

Das sichere Aussteigen – immer rückwärts – wird auch noch gemeinsam geübt. Und demonstriert, dass kein Fahrgast in der Tür eingeklemmt werden kann. Diese sind mit Sensoren ausgestattet und gehen bei Berührung sofort wieder auf. Auch die Busfahrt mit Rollstuhl ist ein Thema.

Christoph van Bürk wiederholt im Laufe des Trainings mehrfach den Appell, keine falsche Scham zu haben und bei allen Problemen um Hilfe zu bitten: „Der Busfahrer ist Ihr Dienstleister.“

Thomas Zimmer, der den Trainingsbus auf den Eigen gelenkt hat, sieht das genau so. Zu warten bis jemand sicher sitzt etwa sei kein Problem. „Natürlich soll dann aber der erste Sitzplatz genommen werden – wird erst nach dem schönsten gesucht, geht das in die Zeit“, sagt der Busfahrer, der bei aller Bereitschaft zur Hilfe natürlich auch mögliche Verspätungen im Blick haben muss. Aber: „Es dient auch unserer Sicherheit, wenn die Fahrgäste sicher sitzen.“ Nicht zuletzt: „Wenn 20 Schulkinder einsteigen, dann dauert das auch.“

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