Nahverkehr

Zum Bottroper Stadtfest 2020 kostenlos mit dem Bus

Eine Sonderspur für Busse und Fahrräder - wie hier in Düsseldorf - bringt SPD-Ratsherr Rüdiger Lehr für die Bottroper Innenstadt ins Gespräch

Eine Sonderspur für Busse und Fahrräder - wie hier in Düsseldorf - bringt SPD-Ratsherr Rüdiger Lehr für die Bottroper Innenstadt ins Gespräch

Foto: Kai Kitschenberg / FunkeFotoServices

Bottrop.  Noch sind die kostenlosen Bustouren nur eine Idee in der Bottroper SPD - genauso wie eine Sonderspur für Busse mitten durch den Stadtkern.

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Zu Stadtfesten oder an verkaufsoffenen Sonntagen in Bottrop sollten die Bürger kostenlos mit dem Bus in die Innenstadt fahren können. Diese Idee verfolgt die SPD mit großem Interesse. „Das ist aber eher als Werbeaktion zu verstehen, um den Leuten zu beweisen, dass der Busverkehr eigentlich besser ist, als man denkt“, betont SPD-Ratsherr Rüdiger Lehr. Bleibt die offene Frage nach den Kosten. „Da müssen wir rechnen und mit der Vestischen sprechen“, sagt der Bottroper. Praktisch machbar dürfte das aber sein: Die Busse könnten die City-Besucher von großen Sammelpunkten wie dem Parkhaus am Südring-Center oder dem Parkplatz vor der Zeche Prosper-Haniel in die Innenstadt und zurück bringen.

Forderungen nach einem generell kostenfreien Nahverkehr oder Rufe nach 365-Euro-Jahrestickets sah der Vorsitzende des Verkehrsausschusses bei einem Besuch in der WAZ-Redaktion dagegen skeptisch. Denn die Kosten gingen in die Millionen. Allein in Bottrop würden sie sich mehr als verdoppeln und von derzeit 6,9 Millionen Euro auf 16,3 Millionen Euro in die Höhe schnellen. Auf 8,4 Millionen Fahrgäste im Bottrop kommt der Ratsherr im Jahr. Die Zuschüsse der Stadt würden von 82 Cent auf 1,93 Euro pro Fahrgast ansteigen, rechnet er vor.

Schon an der Stadtgrenze wäre dann Schluss mit lustig

Zuletzt hatte die Linkspartei sich auf mittlere Sicht für einen kostenfreien ÖPNV eingesetzt, auch die ÖDP fordert kostenfreie Busfahrten an Samstagen und Sonntagen in Bottrop. Erst einmal solle es ein 365-Euro-Ticket geben, schlug die Linke vor. „Da sind wir dann auch bei 1,4 Millionen Euro Mehrkosten für die Stadt“, stellt der Verkehrsausschussvorsitzende fest. Den Vorschlag der Linken, dafür Fördergelder aus dem Klimapaket zu gewinnen, hält er für kaum umsetzbar. „Im Moment haben wir da fünf Modellstädte, in denen allesamt die Grenzwerte für Stickoxide überschritten werden“, betont der Bottroper. Zehn Modellstädte sollen es insgesamt werden. In Bottrop werden die Grenzwerte bisher aber noch eingehalten.

Lehr rät ohnehin dazu, beim öffentlichen Nahverkehr nicht zu sehr in den eigenen Stadtgrenzen zu denken. „Wir sollten aufhören mit solchen lokalen Geschichten, wir sind hier in einem Verkehrsverbund“, betont der SPD-Ratsherr. Kostenloser Nahverkehr allein in Bottrop helfe nicht weiter. „An der Stadtgrenze wäre dann Schluss mit lustig und schon in Essen müsste der Kunde wieder bezahlen“, sagt der Bottroper. Solche isolierten Betrachtungsweisen verbieten sich aus seiner Sicht nur nur mit Blick auf die Versorgungsgebiete, sondern generell. „Wir sollten nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen. Wir brauchen da keine Schnellschüsse, sondern durchdachte Lösungen“, meint der SPD-Ratsherr.

Eine Tiefgarage unter dem Gleiwitzer Platz oder dem alten RAG-Parkplatz

Mit einer Abschaffung oder Senkung der Preise sei es ja nicht getan. „Man braucht dann auch mehr Fahrzeuge und mehr Personal, um das Kundenaufkommen überhaupt weg fahren zu können“, erklärt der Bottroper, der auch im Aufsichtsrat der Vestischen vertreten ist. Er ist skeptisch, ob ein 365-Euro-Ticket derzeit nicht ausschließlich zu Ersparnissen der jetzigen Busfahrgäste führt. „Wer kauft das denn sonst noch?“, fragt Lehr bewusst provozierend. „So lange man doch ab 17 Uhr in der Innenstadt kostenlos mit dem Auto parken kann, warum sollte man denn dann mit dem Bus dahin fahren?“

Nötig sei ein Gesamtverkehrskonzept, das Einzelmaßnahmen aufeinander abstimmt. Ideen für Projekte innerhalb eines solchen Konzeptes gebe es selbstverständlich auch in der SPD. „Das sind erst noch Ideen, keine Beschlusslage“, erklärt er ausdrücklich und bringt eine Umweltspur oder Bussonderspur zwischen ZOB und Gleiwitzer Platz mitten durch die Innenstadt ins Gespräch. Dazu müssten die Osterfelder Straße zur Einbahnstraße und deren Flächen neu geordnet werden. Die Parkplätze entlang der Osterfelder Straße seien verzichtbar, wenn stattdessen größere Parkräume am Rand der Innenstadt angesiedelt werden. Tiefgaragen unter dem Gleiwitzer Platz oder dem alten RAG-Parkplatz hält der Ratsherr für denkbar. Lehr: „Dann hätte auch der belastende, ständige Suchverkehr nach freien Parkplätzen im Stadtkern ein Ende.“

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