Whisky-Tasting

Biblisches Whisky-Tasting: Genussvoll glauben in Dinslaken

Rolf Wolsink-Malms (li.) mit Ralf Bröcker von der Friedenskirche beim biblischen Whisky-Tasting.

Rolf Wolsink-Malms (li.) mit Ralf Bröcker von der Friedenskirche beim biblischen Whisky-Tasting.

Foto: P.N. / NRZ

Dinslaken.  Die Ev. Friedenskirche Dinslaken lud zum biblischen Whisky-Tasting. Prädikant Rolf Wolsink-Malms kredenzete auch drei Einzel-Fass-Abfüllungen.

Whisky (gälisch: Uisge beatha) heißt übersetzt: Wasser des Lebens. In der Bibel, Offenbarung 21 Vers 6, spricht Gott: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Was liegt da näher, als Bibel und Whisky zusammenzubringen, das Ganze gewürzt mit kulinarischen Zwischentönen, die den Abend auch für Nicht-Whisky-Trinker schmackhaft machen. Die gute Kombination aus Bibeltexten, Whisky und Essen klingt unter dem Begriff „Genuss“ zusammen.

Die Evangelische Friedenskirche Dinslaken wagte jetzt den Versuch eines biblischen Whisky-Tastings. Eingeladen waren sowohl Menschen, die von Whisky oder Bibel oder beidem gar keine Ahnung haben, als auch Kenner der einen und/oder anderen Materie. Durch den genussvollen Abend im Gemeindezentrum führte die rund 20 Teilnehmer Rolf Wolsink-Malms (56), Prädikant aus Lünen, gebürtiger Dinslakener und seit seiner Jugend mit der Friedenskirche verbunden. Gemeindepädagoge und Jugendleiter Ralf Bröcker hatte den Freund und Whiskykenner eingeladen.

Als 13-Jähriger eine Flasche Whisky des Vaters im Keller gefunden

Auf 43 Jahre Whisky-Geschichte könne er zurückblicken. „Ja, mit 13 Jahren wurde ich infiziert“, erklärte der Vater von drei Kindern und Fahrdienstleiter im ÖPNV. Damals habe er im Keller eine Flasche Whisky „Old Keeper, over three years old“ seines Vaters gefunden. „Ich habe sie aufgemacht, probiert und bin beim Whisky geblieben“, sorgte Wolsink-Malms für Erheiterung. Während seiner 15-jährigen Zeit in der Jugendarbeit an der Friedenskirche (1978 bis 1993) habe er 1986 ein halbes Jahr in Taizé gelebt und ein Jugendlager betreut. „Dort habe ich mit Glenfiddich meinen ersten Malt Whisky kennengelernt.“

Die Idee zu einem biblischen Whisky-Tasting sei ihm durch die letztjährige Jahreslosung (dort ist vom „lebendigen Wasser“ die Rede) und durch ein ihm geschenktes Buch gekommen. „Die Bibel und Gott lädt uns ein, die Welt zu genießen“, sagt der dem Niederrhein, Hanns Dieter Hüsch und dem MSV Duisburg verbundene Whisky-Kenner.

Whisky, Oatcakes, Butter, Cheddarkäse und getrocknete Mettwurst

Auf den Tischen stehen viele Flaschen mit stillem Wasser, Schalen mit Oatcakes, Butter, Cheddarkäse und getrockneter Mettwurst, später gibt es noch eine leckere Lauchcremesuppe mit Brot – man braucht schon eine gute Grundlage für ein Whisky-Tasting. Nach einem Bibelzitat erklärt Wolsink-Malms den Teilnehmern zunächst den Unterschied zwischen Blended- (verschiedene Sorten) und Singe-Malt-Whiskys (aus gemälzter Gerste, aus einer Destillerie), reicht die auf einem Servicewagen vorbereiteten typischen „Nosing“-Gläser, einmal mit „Grant’s“, einmal mit Glenfiddich („der erste Malt in Deutschland“). Es wird gerochen und geschmeckt – der Favorit ist schnell gefunden, natürlich der weichere Malt.

Untermalt von Bildern seiner Power-Point-Präsentation erzählt der 56-Jährige von Schottland und seinen unzähligen Besuchen diverser Destillerien. „Ich liebe das Land, seine Menschen, die fremden Orte. Gottes Schöpfung bringt mich immer zum Staunen, dann komme ich mir sehr klein vor.“ Wolsink-Malms erinnert mit Bibeltexten an die Schöpfungsgeschichte (Genesis): „Und Gott sah, dass es gut war.“ Whisky sei zwar eine Schöpfung von uns Menschen, „aber auch zu genießen“.

„Angels Share“: etwa zwei Prozent des Whiskys verdunsten

Dann erklärte er die Entstehung des Whiskys in den Destillerien der verschiedenen Regionen, mit Rohstoffen, Brennverfahren und den unterschiedlichen Fässern – meist aus amerikanischer Eiche, denn Sherry- oder Bourbon-Fässer seien heute schwerer zu bekommen. Etwa zwei Prozent des Whiskys verdunste im Laufe der Zeit durch die Lagerung, man spreche von „Angels Share“ (Ein Teil für die Engel).

Nach der Lauchcremesuppe wurde es hochinteressant. Der Experte kredenzte, begleitet von biblischen Zitaten, drei seiner unverfälschten Einzel-Fass-Abfüllungen, dazu lag für jeden Teilnehmer ein begleitender Flyer auf dem Tisch: Glen Grant, 12 Jahre, Speyside, 55,4 vol. (Bourbon-Fass); Glengoyne, 10 Jahre, Highland, 57,8 vol. (Sherry-Fass); Ledaig, 11 Jahre, Isle of Mull, 59,3 vol. (Bourbon-Fass) – eine grandiose Steigerung für die Geschmacksnerven (fast) aller Teilnehmer.

Geruch und Geschmack feststellen und ankreuzen

Wer wollte, konnte den festgestellten Geruch und Geschmack nach Vorschlägen ankreuzen: frisch, fruchtig, blumig, kräftig, streng, rauchig usw. – Zitrone, Apfel, Banane, Anis, Vanille, Karamell, Schokolade, Nuss, Honig, Tabak, Lakritz, Malz usw. Alle drei fassreinen Whiskys gebe es nicht zu kaufen, sie seien Unikate, so Wolsink-Malms, der biblische Whisky-Tastings als Hobby nur in seiner Heimatgemeinde oder aus Verbundenheit bei Freunden („wie hier in der Friedenskirche“) veranstaltet. „Ich verkaufe auch keine Whiskys, für meine teuerste Flasche habe ich 150 Euro bezahlt.“

Zum Schluss erzählte Rolf Wolsink-Malms, untermalt von einem bunten Bild, über seine Lieblingsgeschichte aus der Bibel: der Hochzeit zu Kana. Die Quintessenz sei: „Jesus sorgt dafür, dass weiter getrunken werden kann.“ Glauben stelle sich nicht gegen Spaß, „dieser Jesus verbietet mir nicht, Freude zu haben. Ein Teil ist für mich Whisky.“ Beeindruckt vom tiefen Fachwissen des Gastes gab es großen Applaus und noch viele gute Gespräche bei einem Absacker („one Whisky for the road“).

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