Wirtschaft

Deshalb hat Dinslaken noch keinen „Unverpackt Laden“

Ohne Verpackungen können bereits in einigen Geschäften Lebensmittel gekauft werden. Für Dinslaken gab es konkrete Pläne, die aber aufgegeben wurden.

Ohne Verpackungen können bereits in einigen Geschäften Lebensmittel gekauft werden. Für Dinslaken gab es konkrete Pläne, die aber aufgegeben wurden.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Für Dinslakens Innenstadt gab es Überlegungen für ein Lebensmittelgeschäft, das ohne Verpackung auskommt. Aber die Gründerin gab ihre Pläne auf.

Das Müsli oder die Nudeln nach individuellem Bedarf in mitgebrachte Behälter füllen, an der Kasse bezahlen und nach Hause tragen. In einigen Städten gibt es bereits solche „Unverpackt Läden“ als Reaktion auf die Debatte um Plastikmüll und Klimaschutz. Warum gibt es ein solches Geschäft nicht in Dinslaken? Die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellte einen entsprechenden Antrag und die Verwaltung prüfte, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit sich ein solcher „Unverpackt Laden“ auch hier ansiedeln könnte.

Konkrete Pläne wurden wieder aufgegeben

In ihrer Stellungnahme, die die Verwaltung dem Rat vorlegte, berichtet sie von einem konkreten Ansiedlungsvorhaben für die Innenstadt, das durch die Wirtschaftsförderung begleitet wurde. Leider habe sich die Gründerin nach langer und intensiver Vorbereitungszeit gegen eine Umsetzung ihres Vorhabens entschieden. Denn so einfach lasse sich ein Lebensmittelgeschäft, das auf Verpackungen verzichtet, nicht eröffnen. Es seien enorme zusätzliche Maßnahmen und Vorschriften beachten, die nicht nur einen erhöhten finanziellen Aufwand bei der Ausstattung des Geschäftes bedeuten, sondern auch den Zeitaufwand für den Betreiber erhöhen.

Anforderungen sind sehr hoch

Die Inhaber von „Unverpackt Läden“ würden ihre Waren meist in größeren Mengen in umweltfreundlichen Verpackungen einkaufen und dann in geeignete Gefäße umfüllen, berichtet die Verwaltung. Die Hygieneanforderungen seien sehr hoch. „Wenn der Warenumschlag zu niedrig ist und dadurch offene Waren schneller verderben, bedeutet es, einen Verlust einzurechnen. Die Wirtschaftlichkeit für einen ,Unverpackt-Laden’, gerade in kleineren und mittelgroßen Städten, ist meist durch zu niedrigen Umsatz nicht zu erreichen“, heißt es in der Stellungnahme, die der Rat zur Kenntnis genommen hat.

In ihrem Antrag haben die Grünen auf Geschäfte in Bottrop und Geldern verwiesen. Aus Sicht der Verwaltung lassen sich die dort gewählten Gründungskonzepte aber nicht auf Dinslaken übertragen. In Bottrop investierten die Gründer über einen Planungszeitraum von zwei Jahren ein Kapital von rund 130.000 Euro in den Laden und starteten zusätzlich eine Crowdfunding-Aktion, um notwendiges, zusätzliches Kapital zu erzielen.

Kooperation ermöglicht die Finanzierung

In Geldern wurde zum Beispiel die Gründung des „Unverpackt Ladens“ durch einen Aufruf der Stadt und der Niederrheinischen IHK mit dem Projekt „Retail Lab“ ermöglicht. Hierbei können sich Existenzgründer meist mietfrei in einem Ladenlokal/Objekt zeitlich flexibel ausprobieren und erhalten viele weitere Unterstützungen und Hilfestellungen, von Grafikdesignern, Steuerberatern, Handwerkern und weiteren Akteuren. Die Finanzierung des Projektes – für Mietsubventionen und die inhaltliche Begleitung der Gründungskonzepte – wurde durch die Kooperation der Stadt mit der IHK ermöglicht.

Eine Übertragbarkeit dieser Gründungskonzepte auf den Standort Dinslaken hänge demnach von vielen flankierenden Rahmenbedingungen ab. Eigentümer von entsprechenden Leerstandsobjekten müssten von derartigen Konzepten überzeugt werden und bereit sein, günstigere Mietkonditionen anzubieten.

Wirtschaftsförderung führt Gespräche

Die Wirtschaftsförderung hat Gespräche mit der IHK geführt und arbeitet an Kooperations-Projekten wie „Retail Lab“ und „Gründerfreundliches Dinslaken“, um Neuansiedlungen zu erleichtern und Gründern den Weg in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

Dazu gehört auch die weitere Verfolgung einermöglichen Ansiedlung eines „Unverpackt-Ladens“. Neben personellen Ressourcen sind hierfür auch finanzielle Mittel notwendig, die in der Haushaltsplanung 2020 aufgenommen wurden.

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