ADIPOSITAS

Dinslakener Klinik informiert: Das hilft gegen Übergewicht

Das St.Vinzenz-Hospital in Dinslaken wendete sich am 2. Dinslakener Adipositas-Tag gegen „Gewichtsdiskriminierung“ und informierte über Lösungsmöglichkeiten.

Das St.Vinzenz-Hospital in Dinslaken wendete sich am 2. Dinslakener Adipositas-Tag gegen „Gewichtsdiskriminierung“ und informierte über Lösungsmöglichkeiten.

Foto: Jochen Emde/Funke Foto Services

Dinslaken.   Dicke Menschen haben keine Lobby, sagt Dr. Peitgen, Chefarzt am Vinzenz-Hospital Dinslaken, am Infotag gegen „Gewichtsdiskriminierung“.

Immer mehr Menschen leiden an Übergewicht und Adipositas. Statistiken zeigen, dass bundesweit NRW bei adipösen Menschen heraussticht, will heißen, in NRW gibt es die meisten an Adipositas erkrankten Menschen. Die Stadt mit dem größten Anteil ist Duisburg. Adipositas verbreite sich wie eine Epidemie, so Dr. Klaus Peitgen, Chefarzt der Allgemein- Viszeralchirurgie im St. Vinzenz-Hospital. Dass krankhaftes Übergewicht kein Schicksal sein muss, das man etwas dagegen tun kann – darauf wiesen Dr. Klaus Peitgen und sein Team am Samstag beim 2. Adipositas-Tag im katholischen Krankenhaus hin.

Peitgen: Dicke Menschen werden benachteiligt

Der Informationstag, der im Rahmen des Europäischen Adipositas-Tages stattfand, stand ganz im Zeichen des Motto „Gewichtsdiskriminierung – nein danke“. Denn noch immer würden dicke Menschen massiv benachteiligt werden, hätten keine Lobby, so Dr. Klaus Peitgen bei seinem Einführungsvortrag am Nachmittag. Er prangerte auch Schikanen im Verlauf der Beantragung einer Operation durch die Krankenkassen an. „Gesundheitspolitisch ein Skandal“, sprach er harte Worte Richtung Politik aus.

337.000 Todesfälle durch Adipositas

Bis 2030, so die Forschung, würden europaweit 50 Prozent der Menschen übergewichtig sein. Schon heute koste die Bekämpfung der durch Übergewicht ausgelösten Krankheiten europaweit rund 70 Milliarden Euro jährlich. 337.000 Todesfälle seien jährlich zu verzeichnen, von denen viele verhindert werden könnten.

Diät gegen Mageroperation

„Die Wahrscheinlichkeit mit einer Diät nachhaltig sein Normalgewicht zu halten liegt bei einem BMI von mehr als 35 bei fünf Prozent“, erklärt Peitgen. Einen 85 prozentigen Erfolg gäbe es jedoch bei einer Magenoperation, warb er. Nahezu alle Operationen würden in minimal invasiver Technik in neuen High-Tech-Operationssälen mit speziell auf die Adipositas ausgerichteten Instrumenten durchgeführt.

Normale OP-Tische beispielsweise seien bis maximal 150 Kilogramm belastbar, die Tische für Adipositas-Patienten bis zu 300 Kilo. In den eigens für Adipositas-Kranke eingerichteten Zimmer seien die Betten, Stühle und die Badausstattung speziell angefertigt.

Schlüsselloch-Chirurgie

Bevorzugte Operations-Methoden, die Dr. Peitgen anwendet, sind der Magenschlauch und der Magen-Bypass. Bei der laparoskopischen Chirurgie wird auf große Schnitte verzichtet sondern lediglich kleine, drei bis vier Zentimeter große Einschnitte vorgenommen. Das sei weniger belastend für den Patienten. Natürlich könne es auch bei Adipositas-Operationen zu Komplikationen führen, sie seien jedoch relativ selten.

Und was ist mit der überschüssigen Haut?

Überschüssige Fett- bzw. Hautpartien, die im Anschluss an die Gewichtsabnahme oftmals vorhanden seien, könnten ebenfalls chirurgisch entfernt werden. Andreas Wüst, plastischer Chirurg aus Bonn, gab dazu am Samstagnachmittag einige Tipps und Beispiele.

Doch auch hier spiele oft die Krankenkasse nicht mit, so Wüst. Es müssten schon schwerwiegende Gründe medizinischer Art vorliegen, um eine Genehmigung zur plastischen Operation zu bekommen. Psychische Beschwerden durch die Hautlappen, die durchaus nach einer Gewichtsabnahme von 150 Kilo entstehen könnten, reichten nicht. Über sechs Monate muss das erreichte Normalgewicht angehalten haben, bevor eine Straffungsoperation sinnvoll sei, so Wüst.

Jeder, so mahnt er, müsse sich klar sein, dass es eine langwierige Therapie bedeuten könne. Zwar würden immer noch Ärzte plastische Operationen an mehreren Bereichen des Körpers gleichzeitig vornehmen, anzuraten sei dies jedoch seines Erachtens nicht. Die Heilung erfolge nach einer OP relativ schnell, Schonung sei jedoch rund sechs Wochen angesagt. Denn auch im Bereich der Straffungsoperationen könnten Wundheilungsstörungen oder Infektionen auftreten.

Übergewicht hat großen Einfluss auf Frauengesundheit

Einen großen Einfluss habe das Übergewicht auch auf die Frauengesundheit, erklärte Dr. Sandra Kautt, Ärztin am Vinzenz-Krankenhaus. Mal von den üblichen Nebeneffekten einer Adipositas abgesehen wie Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauferkranken, kann es zu erhöhtem Risiko für Brustkrebs, Eierstockkrebs und Gebärmutterkörperkrebs nach den Wechseljahren führen.

Durch das große Übergewicht seien auch Ultraschalluntersuchungen erschwert, die Tumore rechtzeitig erkennen könnten. Für jüngere Frauen bedeute Übergewicht auch oft Unfruchtbarkeit, sie neigten zu häufigen Fehl- oder Frühgeburten, Schwangerschaftsdiabetes oder Schwangerschaftsbluthochdruck. Entschließt sich eine junge Frau mit Kinderwunsch zur Operation sei ein Schlauchmagen der Bypass-OP vorzuziehen. Nach dem Eingriff sei eine Schwangerschaft erst 12 bis 18 Monate später anzuraten, denn der Körper habe erst einmal genug mit sich selbst zu tun, so Dr. Kautt.

Informationen auf der „Adipositas-Allee“

Mit einer Adipositas-Allee, einer kleinen Messe im Foyer, informierte am Samstagvormittag das St. Vinzenz-Hospital im Foyer Interessierte und Betroffene über die Adipositas auf. Bereits 2017 hatte das Krankenhaus sein neues Adipositas-Zentrum aufgebaut, ein Jahr später den ersten Info für stark Übergewichtige angeboten. Auch in diesem Jahr erschienen wieder zahlreiche Besucher, die sich Tipps zu sportlichen Aktivitäten, Operationsmöglichkeiten und Ernährung holen wollten. Etwa eine junge Mutter, die schon vor der Schwangerschaft übergewichtig war, währenddessen noch einmal zulegte und das Gewicht einfach nicht mehr weichen wollte. Eine Magen-OP sei zumindest überlegenswert, meinte sie.

Neuen Zugang zur Ernährung finden

In der Cafeteria konnten Interessierte dem Koch bei seiner Vorführung der Low-Carb-Küche zuschauen und sich Anregungen für die eigene Küche holen. Das wichtigste bei einer gesunden Ernährung sei, sich wieder bewusst zu machen, dass Nahrung gleich Essen und nicht Lifestyle bedeute, war von der Ernährungsberatung im Foyer zu hören. „Wir müssen wieder einen anderen Zugang zur Ernährung finden, und zwar zur gesunden.“


Die Adipositas-Selbsthilfegruppe trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat um 18 Uhr. Infos: adipositas-shg-dinslaken.de.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben