Kinderkrankenschwester

Dinslakener Michelle und Janka: „Für uns der schönste Beruf“

Michelle Scholten (li.) und Janka Rottmann üben in der Kinderpflegeschule des St. Vinzenz-Hospitals unter Aufsicht von Annegret Oberender (re.) das Versorgen von Babys.

Michelle Scholten (li.) und Janka Rottmann üben in der Kinderpflegeschule des St. Vinzenz-Hospitals unter Aufsicht von Annegret Oberender (re.) das Versorgen von Babys.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Michelle Scholten und Janka Rottmann haben sich fit gemacht fürs Examen als Kinderkrankenschwester. Sie möchten am St. Vinzenz-Hospital bleiben.

Morgen werden sie ihre letzte Examensprüfung ablegen, die Zeugnisse gibt es am Donnerstag – dann werden fünf neue Kinderkrankenschwestern das St. Vinzenz-Hospital bereichern. Hervorgegangen aus der eigenen, 1970 gegründeten Kinderkrankenpflegeschule. Chefarzt Dr. Schwalb hatte sich damals dafür stark gemacht. Erst zehn Jahre später wurde die allgemeine Krankenpflegeschule eröffnet, in der sich nun beide Richtungen wiederfinden.

Denn die ersten zwei Jahre der Ausbildung, erklärt Annegret Oberender, Leiterin des Bildungszentrums für Pflege und Gesundheit am St. Vinzenz-Hospital, müssen alle angehenden Schwestern und Pfleger die generalistische Phase durchlaufen, heißt: alle machen und lernen alles, müssen sich auf allen Stationen beweisen. Im letzten Jahr geht es differenzierter zu, dann müssen sich die Schüler entscheiden, in welcher Fachrichtung sie weitermachen wollen. Die Kinderkrankenpflege sei sehr beliebt, so Oberender, daher seien die Stellen immer schnell besetzt. Doch mehr als acht Lernende pro Kurs werden nicht als Kinderkrankenschwester zugelassen.

Beide möchten nach bestandener Prüfung als Kinderkrankenschwester übernommen werden

Michelle Scholten und Janka Rottmann sind zwei von ihnen. Bestehen sie morgen die Prüfungen, steht einer Übernahme als Kinderkrankenschwester nichts mehr im Wege. Beide haben sich bewusst für den Beruf der Kinderkrankenschwester entschieden. „Wir wissen, das ist das Richtige.“ Sie genießen das Vertrauen der Eltern, Ärzte und Schwestern. „Das stärkt uns, und dass man uns bereits jetzt schon einbindet, das macht das Arbeiten an diesem Haus noch schöner“, erzählt Michelle.

In der Schule werden sie von hiesigen Kinderärzten unterrichtet, das sei nicht überall so, sagt Annegret Oberender, „in vielen Pflegeschulen wird der Unterricht durch Ärzte heruntergefahren.“ Dabei bereicherten gerade die Erfahrungen der Ärzte den Kurs, meint Janka Rottmann. Auf der anderen Seite lernten die Ärzte bereits während der Schule ihre zukünftigen Mitarbeiter kennen. „Und wir spüren, wie sehr gerade diese Schwestern ihren Beruf lieben“, sagt Chefarzt Dr. Christian Schmidt. Er wünscht sich, dass die Anerkennung der Pflegeberufe viel deutlicher herausgearbeitet werden müsse, vor allem in der Intensivmedizin. Das müsse sich aber auch im finanziellen Bereich darstellen.

Daran denken die beiden Schülerinnen noch nicht. Beide kommen aus Familien, die in sozialen Bereichen tätig sind, und wissen genau, auf was sie sich einlassen. „Eine Kinderkrankenschwester muss viel und gut beobachten können, denn Kleinkinder und Säuglinge können sich ja nicht verbal äußern“, so Janka Rottmann. „Das unterscheidet uns von den anderen Krankenschwestern.“ Auch gingen Kinder ganz anders mit ihren Krankheiten um, „da müssen wir eng mit den Kindern und Eltern zusammenarbeiten, müssen viel mehr erklären“, fügt Michelle hinzu und erklärt es gleich anhand eines Beispiels.

Den Eltern die Ängste nehmen

„Ein kleines Kind mit Diabetes muss schon früh lernen, eigenständig mit seiner Krankheit umzugehen. Ich muss also auf verschiedenen Ebenen agieren, muss dem Kind spielerisch beibringen, wie es seine Werte errechnen und die Spritzen setzen muss. Der kleine Patient muss selber reagieren können, wenn sein Zucker zu hoch oder zu niedrig ist, muss wissen, wie genau er in der jeweiligen Situation handeln muss. Auf der anderen Seite haben die Eltern viele Ängste, die ich ihnen nehmen muss und viele Fragen, die ich beantworten muss.“

Michelle hat sich bereits jetzt schon für die Intensivpflege entschieden. Das bedeutet aber auch eine zweijährige berufsbegleitende Fachweiterbildung, nachdem sie erst einmal Erfahrungen gesammelt hat. Auch Janka liebäugelt damit. „Auf der Intensivstation ist die Arbeit mit den Eltern noch viel wichtiger. Sie sind oftmals überfordert und wir müssen sie abholen, beraten, anleiten, vorbereiten auf die Zeit nach dem Krankenhaus.“ Bei so viel Engagement – wie wäre es mit dem Medizinstudium? Beide schütteln den Kopf. „Nein, bislang ist die Pflege das Richtige. Wir sind hier viel näher am Kind, das ist uns wichtig!“

Insgesamt 28 Schülerinnen und Schüler besuchten in diesem Kurs die Pflegefachschule.

Acht davon sind Kinderkrankenschwestern, fünf von ihnen werden vom St. Vinzenz-Hospital übernommen.

Die anderen drei werden an anderen Häusern unterkommen, da sie laut Annegret Oberender aus der weiter entfernten Region kommen.

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