Volkstrauertag

Gedenken in Dinslaken: Opfer als Mahner für die Gegenwart

Pfarrer Bartholomäus Kalscheur von der Kirchengemeinde St. Vincentius Dinslaken hielt die Gedenkansprache zum Volkstrauertag auf dem Parkfriedhof.

Pfarrer Bartholomäus Kalscheur von der Kirchengemeinde St. Vincentius Dinslaken hielt die Gedenkansprache zum Volkstrauertag auf dem Parkfriedhof.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Am Volkstrauertag hatte die Kyffhäuser-Kameradschaft zur zentralen Gedenkfeier auf dem Parkfriedhof eingeladen. Ansprache von Pfarrer Kalscheur.

Im Namen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Kyffhäuser-Kameradschaft von 1873 Dinslaken-Stadt begrüßte deren Schriftführer Dieter Mohr gestern die Teilnehmer der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Parkfriedhof an der B8, darunter die Vertreter der Stadt und der verschiedenen Vereine und Verbände. Die Ehrenwache übernahm traditionell die Reservisten-Kameradschaft Dinslaken-Feldmark. „Wir gedenken der Kriegstoten und Opfer jeglicher Gewaltherrschaft, von Hass und Terrorismus“, sagte er. „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung unter den Menschen und Völkern.“ Der MGV Concordia sang „Ich bete an die Macht der Liebe“.

Die Gedenkansprache hielt in diesem Jahr Pfarrer Bartholomäus Kalscheur von der Katholischen Kirchengemeinde St. Vincentius Dinslaken. „In ruhigen Zeiten mag ein Gedenken am Volkstrauertag eine ritualisierte Pflichtübung sein. Aber in Zeiten wie diesen, in einem nach meinem Eindruck zunehmend gereizten Klima, bekommt eine Gedenkfeier eine andere Qualität.“ Scheinbar vertriebene Geister seien wieder lebendig geworden, politische Großwetterlagen seien komplexer und unübersichtlicher, der Zusammenhalt zwischen gesellschaftlichen Gruppen und europäischen Nationen erodiere, es gebe Migrationsbewegungen und Abschottungstendenzen.

Gefallene des I. und II. Weltkrieges und Zivilopfer

„Aber wir sind hier nicht zusammen, um verunsichert und spekulierend nach vorne zu schauen“, so Kalscheur. „Wir haben uns versammelt, um die nicht zu vergessen, die auf unterschiedlichste Weise Opfer der Geschichte und dadurch zu Mahnern für die Gegenwart geworden sind.“ Er nannte die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, „an die wir vor einem Jahr mit unseren französischen Freunden gedacht haben. Wir wollen nicht vergessen, wohin uns nationalstaatliche Voreingenommenheit, falscher Stolz, Geltungsdrang, fragwürdige Ehrbegriffe und Hurra-Patriotismus geführt haben.“

Der Pfarrer erinnerte an die Millionen gefallener Soldaten und Zivilopfer des Zweiten Weltkrieges, „die letztlich den pseudo-religiösen Wahnvorstellungen einer Clique zum Opfer gefallen sind, ihrem Rassenwahn und Judenhass, dem Mythos von Blut und Boden“.

Elemente der Ideologien des 20. Jahrhunderts seien auch im 21. Jahrhundert wieder verbreitet. „Die Angst vor Überfremdung, Deutschtümelei, Reichsbürger und Neo-Nazis mit unsäglichen ‘Heil!’-Rufen, die Verfälschung oder Verkürzung von Geschichte – ein wahres Gebräu gibt es da im rechten Spektrum der Gesellschaft“, sagte Kalscheur.

Soldaten, die in Friedensmissionen starben

Gewaltbereitschaft und Terror seien überall dort die letzte Konsequenz, „wo die Freiheit und das Existenzrecht Andersdenkender infrage gestellt werden. So gedenken wir heute auch der Opfer von Rassismus, ideologischer Verblendung und arroganter Selbstüberschätzung“. Der Pfarrer gedachte auch der Soldaten, die in Friedensmissionen ihr Leben ließen. Bei den internationalen Bundeswehreinsätzen seit 1992 seien es 114 gewesen.

Schließlich erinnerte Kalscheur an das Schließen der letzten Zeche Prosper-Haniel im letzten Jahr und die bewegende Geschichte des Bergbaus. „So wollen wir hier auch aller verunfallten Bergleute gedenken, auch auf der Zeche Lohberg. Wir dürfen ihren Einsatz nicht vergessen. Sie haben uns vorgelebt, dass eine Schicksalsgemeinschaft alle Grenzen überwindet, auch die nationalen.“

Anschließend erfolgte die Kranzniederlegung durch den Bürgermeister und die Vertreter von Politik, Vereinen und Verbänden. Der MGV Concordia sang „Heilig, heilig“ und der Pfarrer sprach ein Schlussgebet.

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