Abenteuer

Im Planwagen durch Hiesfelder Wald und Kirchheller Heide

DMit Heinrich Hülsermann und seinem Planwagen geht’s für die 22 Teilnehmer durch die Kirchheller Heide.

DMit Heinrich Hülsermann und seinem Planwagen geht’s für die 22 Teilnehmer durch die Kirchheller Heide.

Foto: Sivani Boxall / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Heinrich Hülsemann aus Oberlohberg organisiert Planwagentouren durch den Hiesfelder Wald und die Kirchheller Heide. Ein Unternehmen mit viel Spaß.

Den Einstieg schaffen alle spielend, auch die Ältesten. Für die Sitze im Planwagen haben sich die meisten der Frauen eigene Kissen mitgebracht – man kann ja nie wissen. Denn es ruckelt und zuckelt ganz schön während der dreistündigen Fahrt mit Heinrich Hülsemann durchs Rotbachtal mit seinen Bachläufen, dem Buchen- und Bruchwald, den kleinen Seen und den holprigen Wegen.

Seit einem Jahr bietet Heinrich Hülsemann, bekannt als Feuerwehrmann und Vorsitzender des Oberlohberger Heimatvereins, die Touren mit seinem vom Oldtimer-Traktor gezogenen Planwagen an. „Sie ist für Menschen gedacht, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, die sich nicht mehr trauen, alleine mit dem Rad durch den Wald zu fahren“, erzählt Hülsemann. Also machte er sich vor einem Jahr auf, eine Runde zu kreieren, die hinaus in Wald und Flur führt, in die herrliche Wildnis des Hiesfelder Waldes und der Kirchheller Heide. Drei Stunden auftanken – das kommt an. Selbst 90-Jährige seien schon mit ihm unterwegs gewesen, erzählt Hülsemann.

Ein paar mal ist er die Route abgefahren, mit dem Rad, dann mit dem Planwagen. Beim Regionalverband Ruhr (RVR) musste Hülsemann für seine Erlebnistour einen Gestattungsvertrag einholen, denn nur in Ausnahmen, darf durch das Gebiet mit motorisiertem Gefährt gefahren werden. Dafür ist sogar jedes Mal eine Gebühr fällig.

Es gibt mehrere Auflagen

Weitere Auflagen für seine Fahrten in die Kirchheller Heide: Er muss sie bereits Anfang des Jahres genehmigen lassen, die Route genau einhalten und vor allem auch die Zeit. Dann aber kann es losgehen, so wie kürzlich mit 21 Damen und einem Herrn. 26 Personen finden in seinem Planwagen Platz, die Höchstgeschwindigkeit 25 km/h. Dabei schafft sein Trecker der Marke Schlüter mit seinen 90 PS sogar 45 km/h. Doch nicht einmal die Höchstgeschwindigkeit des Planwagens kann Hülsemann im Wald ausfahren.

Warum auch? Schließlich wollen die Teilnehmer seiner Planwagentouren die Fahrt und die Umgebung genießen, wollen sich unterhalten und am Heidhof mit seinem Kompetenzzentrum Wald ein wenig Informationen aufnehmen zu Tieren in der Heide, dem Wald selber und den Zusammenhängen von Ökologie, Ökonomie und Forstwirtschaft. Oder einfach die Sonne genießen bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen.

Kleine Geschichten nebenbei

Es ist schon ein Erlebnis der besonderen Art, die harte Sitzbank und das Geschockel stören da nicht lange. Es gestaltet sich zwar ein wenig schwierig, ein Glas Wasser einzuschütten und es vor allem unfallfrei zu trinken, aber nach einigen Versuchen klappt’s recht gut. Die Stimmung unter den Teilnehmern ist ausgezeichnet, man unterhält sich, scherzt und lauscht den Erzählungen von Heinrich Hülsemann.

Die meisten Gäste kommen aus der Umgebung, kennen sich aus, dennoch erfahren auch sie etwas Neues. Zum Beispiel, dass der Rotbachsee eigentlich eine Talsperre ist. Na ja, sie gleicht eher einem Badewannenüberlauf. Denn unter einer Talsperre stellt man sich doch etwas Größeres, Gewaltigeres vor. Dennoch soll der Rotbachsee mit seiner Anlage verhindern, dass das Wasser unkontrolliert über die Ufer tritt. Im Falle eines Falles, wenn wieder einmal Hochwassergefahr besteht, kann das Wasser kontrolliert über eine rund 40 Meter breite Schwelle abgelassen werden. Im vergangenen Sommer und auch in diesem hingegen führte der Rotbach aber eher wenig bis gar kein Wasser. 21,9 Kilometer weit führt der Bach und überwindet dabei einen Höhenunterschied von 45 Metern. Dank eines Pumpwerkes fließt er trotz Bergsenkungen weiterhin Richtung Rhein.

Anekdoten gibt’s auf der Tour auch zu hören

1973 und 1991 sei es zu zwei Beinahe-Katastrophen am Rotbach gekommen, erinnert Hülsemann die Teilnehmer. An Volkstrauertag 1973 war eine Pipeline gebrochen und spülte 60.000 Liter Rohöl in den Rotbach. Feuerwehrmann Hülsemann versuchte mit anderen sein Bestes, um eine Katastrophe zu verhindern. „Wir nutzten Strohballen, um das Öl zu stoppen“, berichtet er. Und lacht. „Ein Bauer dachte, wir wollten klauen und lief mit der Schrotflinte hinter uns her.“ 1991 knackte wieder eine Pipeline, dieses Mal floss Benzin aus. Aber auch über den Heidhofsee, den 34 Hektar großen Heidesee und die anderen Seen weiß Hülsemann auf der Fahrt durch das Waldgebiet und seine seit 1926 unter Naturschutz stehende Moor- und Heidelandschaft zu berichten.

Und er erzählt auch von seinem Traum, eine Reise mit dem Planwagen zur ehemaligen Dinslakener Bürgermeisterin und heutigen Bundestagsabgeordneten Sabine Weiss nach Berlin, zu machen. Das bringt auch einige der Teilnehmer ins Schwärmen. „Wann fahren wir los“, war sofort zu hören. Bis dahin wird’s noch dauern. Schließlich müssen Durchfahrtgenehmigungen für die gesamte Strecke eingeholt werden.

>> WEITERE FAHRTEN

  • Noch zwei Mal geht es mit dem Planwagen durch das Rot- und Schwarzbachtal: am 5. September und am 10. Oktober. Treffpunkt ist jeweils 14 Uhr die Wassermühle in Hiesfeld. Anmelden müssen sich die Teilnehmer in der Stadtinformation am Rittertor (02064/66222). Hier gibt es auch Informationen zu den Planwagentouren zur Stadtentwicklung, durch die Gartenstadt Lohberg und hinauf auf die Halde von Heinrich Hülsemann und Anja Sommer. Die Tickets kosten je 19 Euro.

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