Kirchenaustritte

Kreis Wesel: Immer mehr Menschen verlassen die Kirche

Die Zahl der Kirchenaustritte in der katholischen und evangelischen Kirche ist im Jahr 2017 leicht gestiegen.

Die Zahl der Kirchenaustritte in der katholischen und evangelischen Kirche ist im Jahr 2017 leicht gestiegen.

Foto: Michael Kleinrensing

Dinslaken / Kreis Wesel / Münster.   Die Zahl der Austritte im Bistum Münster, im Kreis Wesel und im Dekanat Dinslaken ist in 2017 leicht gestiegen. Tendenz auch im Ev. Kirchenkreis.

„Kirche können wir nur mit den Menschen sein“, mahnt Bischof Dr. Felix Genn. Denn: Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Bistum Münster im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen. 8696 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 582 (sieben Prozent) mehr als im Vorjahr, aber noch immer deutlich weniger als in den Jahren 2013 bis 2015. 400 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Bistum Münster im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, hinzu kamen 229 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen.

Diese Statistik bezieht auch den Kreis Wesel mit ein. Dort lebten im vergangenen Jahr 209 297 Katholiken. 1119 Menschen haben 2017 ihren Austritt aus der Kirche erklärt, 103 mehr als im Jahr zuvor. 57 Gläubige sind wieder in die Kirche aufgenommen worden – plus 31 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen.

Ähnliche Tendenz fürs erste Halbjahr 2018

Aktuelle Zahlen hält auch das Amtsgericht Dinslaken bereit: Im Dekanat Dinslaken traten im Vorjahr 202 Menschen aus der katholischen Kirche aus, im Evangelischen Kirchenkreis Dinslaken waren es 203 – für beide christlichen Konfessionen ebenfalls ein leichter Anstieg gegenüber 2016.

Für das erste Halbjahr 2018 sieht die Tendenz bei den evangelischen Christen ähnlich aus: Bis Ende Juni gab es bereits 109 Austritte. Bei den Katholiken gibt es hier einen leichten Rückgang: bisher 90 Austritte.

Weniger Menschen nahmen an der sonntäglichen Messe teil

Wie sieht es mit dem sonntäglichen Kirchgang aus? Einen Rückgang gab es in 2017 im Bistum Münster: 166 892 Katholiken (8,9 Prozent) nahmen an der Messe teil, 5690 weniger als im Vorjahr. Im Kreis Wesel waren es 13 110 und damit 830 weniger als in 2016.

Weitere Zahlen für den Kreis Wesel: Deutlich gestiegen ist die Zahl der Taufen – 1479 Mal wurde das Sakrament gespendet, 127 Mal mehr als im Jahr 2016. Zur Erstkommunion gingen 1392 Kinder, das ist ein Minus von 47. Gestiegen ist die Zahl der Firmungen (2017: 1033, 2016: 901), die der Trauungen ist um 24 auf 389 gestiegen. Es gab 2161 Bestattungen, das waren 102 weniger als 2016.

Bischof Dr. Felix Genn erklärt zu den Zahlen: „Vor gut zwei Monaten haben wir in Münster den Deutschen Katholikentag gefeiert. Kirche hat sich hier von ihrer besten Seite gezeigt: Einladend und fröhlich, diskussionsfreudig und zuhörend, mit begeisternden Gottesdiensten und vielfältigen geistlichen Angeboten.“

Kluft zwischen Alltag und Großveranstaltungen

Wie passe das zu den Zahlen, die einen Rückgang des kirchlichen Lebens zeigten und die gerade im Blick auf die hohe Zahl der Kirchenaustritte und die geringe Zahl der sonntäglichen Gottesdienstbesucher schmerzhaft seien?, fragt er. „Offenbar gibt es eine Kluft zwischen dem Alltag und einer Großveranstaltung wie dem Katholikentag. Die Menschen müssen stärker erfahren, dass wir gerne für sie da sind, gerade dann, wenn sie uns brauchen“, so der Bischof.

Und: „Damit das gelingt, sollten wir mutig und experimentierfreudig auf die Menschen, gerade auch auf junge, zugehen. Wir wollen stärker eine Kirche sein, die die Beziehung zu den Menschen sucht und ihnen zeigt, dass die Beziehung zu Jesus Christus das Leben bereichert. Das muss uns besser gelingen als in der Vergangenheit. Aber mit der großartigen Kompetenz und dem tollen Engagement, das wir bei Haupt- und Ehrenamtlichen in unserem Bistum noch immer haben, kann es gelingen.“

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