Insektenkoch

So schmecken Insekten beim Street-Food-Festival in Dinslaken

Insektenkoch Frank Ochmann in seinem Element. Seit Jahren stehen diverse Insekten auf seiner Speisekarte, unter anderem auch die auf dem Foto zu sehenden Schwarzkäferlarven.

Insektenkoch Frank Ochmann in seinem Element. Seit Jahren stehen diverse Insekten auf seiner Speisekarte, unter anderem auch die auf dem Foto zu sehenden Schwarzkäferlarven.

Foto: Markus Joosten

Dinslaken.   Beim Street-Food-Festival in Dinslaken war ein Insektenkoch dabei. Heuschrecken, Mehlwürmer &Co. brachte er mit – wir haben zwei Snacks probiert.

Entschuldigen Sie bitte meine Ausdrucksweise, aber: In was für eine Sch**** habe ich mich da schon wieder reingeritten?! Als ich die Ankündigung las, dass beim zweiten Street-Food-Festival auf dem Neutorplatz auch ein Insektenkoch dabei sein wird, war mir sofort klar: Sein Essen müssen wir ausprobieren. Burger, Hot Dog &Co., das kennt – und probiert – doch jeder.

Doch jetzt stehe ich hier vor Frank Ochmanns Stand und mir wird ganz schön flau im Magen. Wüstenheuschrecken, Mehlwürmer, Schwarzkäferlarven, Mittelmeergrillen und Krabbel-Allerlei hat er auf seiner Karte gelistet; mit Chili-Öl und Knoblauch, mit Ingwer und Chili, mit Meersalz und Limette. . .

Insekten sind äußerst proteinhaltig, sagt der Koch

Vier der, wie er erklärt, äußerst proteinreichen Insekten-Snacks serviert er mir in kleinen Pappschachteln. Doch zu viel des Guten muss es dann ja doch nicht sein: Zwei der Snacks will ich austesten, unsere NRZ-Follower auf Facebook und Instagram dürfen entscheiden welche. Und weil ich ihnen dafür ein bisschen Zeit einräumen möchte, kehre ich erstmal zurück in der Redaktion.

Es ist früher Nachmittag, noch scheint die Sonne auf die City. Viele der 20 Stände sind gut besucht, die Leute sitzen zusammen und genießen das seit längerer Zeit endlich mal wieder warm-frühlingshafte Wetter. Auch die Händler auf der Neustraße haben gut zu tun.

Heuschrecken liegen bei Abstimmung klar vorne

Aber, ich bin ganz ehrlich: Das nehme ich kaum wahr. Ich bin viel zu sehr damit beschäftigt, die Abstimmung mal um mal erneut aufzurufen. Was ich schlussendlich wohl probieren muss, äh darf?

Überspringen wir den Teil, wo ich in der Redaktion sitze, die heutige NRZ-Ausgabe vervollständige, und dabei dauerhaft aufgeregt und unkonzentriert bin: Gut zwei Stunden später halten meine Kollegin und ich ein Ergebnis fest. Die Wahl auf die Heuschrecken fällt mit 61 Prozent recht eindeutig aus, bei den Schwarzkäferlarven und Mehlwürmern steht es 50:50. „Du darfst dir also eines aussuchen“, sagt meine Kollegin. Oh, wie großzügig!

Die Mehlwürmer gelten als „Einsteiger-Snack“

Ich entscheide mich für die Mehlwürmer. Die, hat Frank Ochmann gesagt, seien auch so der „Einsteiger-Snack“. „Deshalb empfehle ich sie auch den Kindern gerne.“ Die Würmer riechen geröstet, das versprochene Meersalz und die Limette nehme ich hingegen über die Nase nicht wahr. Als ich mich schlussendlich dann aber überwinde und einen Finger voll Würmer skeptisch zerkaue und dann auch noch hinunterschlucke, schmecke ich auch das Salz und eine leichte Säure. Kross ist das ganze zudem – und gar nicht mal so schlimm, wie ich es mir die ganze Zeit ausgemalt habe.

Besser allerdings, und das hätte ich vorher niemals gedacht, sind dann noch die Wüstenheuschrecken. „Sie schmecken kross, ein bisschen so wie Hähnchenhaut“, hat Frank Ochmann anderen neugierigen Besuchern zuvor erklärt. Ich finde, er hat recht. Ob ich Insekten nochmal essen würde? Ich weiß nicht. Gründe dafür gebe es, findet Ochmann (siehe unten). Meine Lieblingsspeise werden sie jedenfalls nicht. Aber sie schmecken eben auch nicht so schlecht wie ich es erwartet hätte.

>> ERNSTER HINTERGRUND

  • Insektenkoch Frank Ochmann geht es nicht um Effekthascherei. Der 53-Jährige gelernte Koch ist zwar durch Fernsehsendungen – wie etwa das „Dschungelcamp“ – bekannt geworden. Aber er arbeitet auch mit der Humboldt-Uni Berlin und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit an. Insekten seien nicht nur wegen der vielen Proteine gesund. Sie haben auch eine deutlich bessere CO2-Bilanz als Fleisch. Seine Insekten werden in Berlin gezüchtet, Transportwege entfallen. Für die Produktion von einem Kilo Rind würden 15.000 Liter Wasser verbraucht. Die Insektenzucht sei ressourcenschonender. Es handele sich um ein sauberes Nahrungsmittel. Insekten werden von der UNO als eine Maßnahme gegen den Welthunger betrachtet. (aha)

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