Gewässerverschmutzung

Suche nach Ursache für Öl auf dem Rhein in Voerde dauert an

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Voerde.  Taucher waren auf dem Rhein im Bereich des alten Kraftwerks Voerde im Einsatz, wo mehrfach Öl gesichtet worden war. Einleitstelle verschlossen.

Die Ursache für das mehrfach in Höhe des stillgelegten Kraftwerks Voerde gemeldete Öl auf dem Rhein ist nach wie vor ungeklärt. Insgesamt vier Mal waren dort vom 5. bis 12. Juni Verunreinigungen beobachtet worden. Zu den Proben, die aus dem Fluss und der Abwasservorsorgeanlage, die auf dem ausgedienten Industriegelände steht und von der ein Einleitungsrohr zum Rhein führt, entnommen wurden, lägen bisher nur die Zwischenergebnisse vor, teilt die Bezirksregierung Düsseldorf auf NRZ-Anfrage mit.

Endergebnisse der Wasserproben stehen noch aus

Nach Angaben des Landesumweltamtes (Lanuv) handele es sich bei allen Proben um „mittel-schwerflüchtige Substanzen“. Deren endgültige Charakterisierung und somit der Vergleich der Proben dauere aufgrund eines personellen Engpasses beim Lanuv noch an, erklärt Dagmar Groß, Sprecherin der Bezirksregierung Düsseldorf. Die Steag – neben RWE Eigentümerin des 2017 vom Netz genommenen Voerder Kraftwerksstandorts und in dem Fall aufgrund der ihr erteilten wasserrechtlichen Genehmigung zuständig – hatte den Schieber zum Becken der Abwasservorsorgeanlage in der Nacht vom 9. auf den 10. Juni vorsorgehalber verschlossen – und nach der erfolgten Reinigung der Anlage am 13. Juni wieder geöffnet.

Weitere mögliche Quelle ist in den Blick gerückt

Die Vermutung, dass das Öl auf dem Rhein möglicherweise von der früheren Industriefläche ausgegangen sein könnte, hat dort neben der Abwasservorsorgeanlage noch eine zweite potenzielle Quelle in den Blick rücken lassen. So hat die Steag eine Tauchfirma beauftragt, den Einlauf in den Rhein, der von der sogenannten Siebbandabspritzanlage kommt, zu begutachten und dauerhaft zu verschließen, wie Behörden-Sprecherin Groß ausführt. Als das Kraftwerk noch lief, sei dem Rhein Wasser entnommen worden. Bevor dieses dann in den Produktionsprozess gelangte, wurde das Flusswasser mechanisch von „kleinen Holzteilen“, anderen Schwimmstoffen oder Fischen mit einem Sieb gereinigt. Das Sieb setzte sich zu und musste gereinigt werden, erklärt Steag-Pressesprecher Florian Adamek, die Funktion der Anlage. Das Wasser konnte darüber wieder zurück in den Rhein gelangen.

Laut Bezirksregierung wurde die Einleitstelle der Siebbandabspritzanlage am 13. Juni mit einem „provisorischen Verschluss“ abgedichtet, bis die beauftragte Firma diese mit einer Stahlplatte versiegele. Zuletzt hat es nach Angaben von Steag-Pressesprecher Florian Adamek am 21. Juni einen Einsatz von Tauchern an der Stelle gegeben. Es sei ein weiterer zwecks Überprüfung geplant.

Dass Anlage Ursache der Verschmutzungen war, ist laut Behörde bisher nicht nachgewiesen

Bisher habe nicht nachgewiesen werden können, dass die Siebbandabspritzanlage und die davon abgehende Leitung die Ursache der Verschmutzungen auf dem Rhein gewesen seien, erklärt Bezirksregierungssprecherin Groß. Der Zulauf sei mit der Stilllegung des Kraftwerks außer Betrieb genommen worden, die Steag habe die Leitung vorsorglich vollständig verschlossen. Das Vorgehen erklärt der Pressesprecher des Essener Unternehmens so: „Das, was wir tun können, tun wir, um im Ausschlussverfahren die Behörden zu unterstützen.“

Letzte Meldung über Öl auf dem Rhein in Kraftwerksnähe gab es am 12. Juni

Seit der letzten Meldung am 12. Juni über Öl auf dem Rhein in Höhe des Kraftwerks Voerde hat es der Bezirksregierung zufolge keine weitere mehr gegeben. Ein Passant berichtete, am 18. Juni von dem öffentlichen Weg aus, der von der Ahrstraße am Strandhaus Ahr und wenige hundert Meter weiter am eingezäunten ehemaligen Industrieareal vorbei führt, ein auf dem Gelände liegendes Rohr gesehen zu haben, das kurz vor dem Zaun mit der nach oben gerichteten Öffnung endete. Einige Meter weiter seien von diesem Weg aus beim Blick in die auf der anderen Seite liegende Böschung mehrere Verlängerungsrohre zu sehen gewesen. Auch habe er Ölgeruch wahrgenommen.

Die Bezirksregierung erklärt zu den Hinweisen, dass zu besagtem Zeitpunkt eine Firma damit beauftragt gewesen sei, Ablagerungen aus dem Revisionsschacht der Rohrleitung zu pumpen, die mit der Siebbandabspritzanlage verbunden ist. Dies sei in dem Zuge geschehen, als die Leitung der Anlage an deren Einleitstelle dauerhaft verschlossen wurde. Da „der Saugwagen den öffentlichen Fußweg nicht befahren konnte, war es notwendig, eine Rohrleitung, abgehend von dem Saugwagen auf dem Steag-Gelände, über den Fußweg hinaus bis in den Böschungsbereich zu legen, in dem sich der Revisionsschacht befindet“, erklärt die Sprecherin der Bezirksregierung.

Bezirksregierung: Kein Hinweis auf Öleintrag in den Rhein über die Emscher

Die Redaktion erreichte der Hinweis eines Lesers, der berichtete, vor einer Woche während eines Spaziergangs gesehen zu haben, wie „eine Menge Öl“ aus Richtung Oberhausen und durch Dinslaken fließend gen Rhein getrieben sei. Dies wiederum ließ ihn vermuten, dass die Verunreinigungen auf dem Fluss nicht vom stillgelegten Kraftwerk Voerde stammen würden. Von einem Ölproblem Mitte vergangener Woche war der Emschergenossenschaft nichts bekannt, wie deren Sprecher Ilias Abawi auf Nachfrage der NRZ erklärte. An der Kläranlage „Emschermündung“ in Barmingholten, in dem die gesamten Abwässer aus dem zentralen Ruhrgebiet gereinigt werden, sei kein Öl angekommen. Die Abwasserreinigung werde permanent kontrolliert, es würden ständig Proben genommen. „Ein Ölfilm würde auf jeden Fall bemerkt“, betonte Sprecher Abawi. Wenn das gereinigte Abwasser die Kläranlage verlässt, könne ein weißer Schleier, ein Schaum zu sehen sein, der sich in der Regel aber sehr schnell auflöse und selten so den Rhein erreiche.

Öl könnte mithin unbemerkt nur auf dem Emscherabschnitt westlich der Kläranlage, die knapp sechs Kilometer vor der Mündung des Flusses in den Rhein liegt, eingetragen worden sein.

Bereich wurde bei einer Begehung am Montag dieser Woche überprüft

Die Information, wonach Öl auf der Emscher gesichtet wurde, sei bei einer Begehung am Montag dieser Woche überprüft worden, teilte die Bezirksregierung mit. Die Emscher verlaufe hinter dem Klärwerk in begradigter Form ohne beruhigte Gewässerzonen. Bei der Begehung des Fallbauwerks der Emschermündung habe man, in den beruhigten Zonen am Bauwerk selbst und etwas oberhalb, keine Verunreinigungen entdecken können, die auf die Beschreibung „Öl“ passen würden. Die Emscher sei auch flussaufwärts inspiziert worden, ohne ölige Ablagerungen entdecken zu können.

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