Wirtschaft

Svenja Krämer wünscht sich einheitliche Öffnungszeiten

Svenja Krämer, Leiterin der Wirtschaftsförderung der Stadt Dinslaken, äußert sich im NRZ-Interview zu den Themen Parkgebühren, verkaufsoffene Sonntag und einheitliche Öffnungszeiten.

Svenja Krämer, Leiterin der Wirtschaftsförderung der Stadt Dinslaken, äußert sich im NRZ-Interview zu den Themen Parkgebühren, verkaufsoffene Sonntag und einheitliche Öffnungszeiten.

Foto: Gerd Hermann / FFS FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Parkgebühren und Öffnungszeiten: Interview mit Wirtschaftsförderin Svenja Krämer über den Einzelhandel in Dinslaken, der sich im Wandel befindet.

Das Angebot in der Innenstadt verändert sich, es gibt leerstehende Ladenlokale wie das ehemalige Bröker-Lokal an der Neustraße, Intertoys an der Duisburger Straße, mehrere Geschäfte in der Neutor-Galerie, gefühlt die halbe Friedrich-Ebert-Straße. Über die Entwicklung im Einzelhandel hat NRZ-Redakteurin Anja Hasenjürgen mit der städtischen Wirtschaftsförderin Svenja Krämer gesprochen. Zum Auftakt ging es um die Ursachen und die Handlungsmöglichkeiten der Stadtverwaltung im Kampf gegen den Leerstand, im zweiten Teil ging es um 1b-Lagen sowie um die Stadtteile Hiesfeld und Lohberg. Im dritten und letzten Teil des Interviews, das wir im Rahmen der Serie „Handel im Wandel“ veröffentlichen, geht es um Parkgebühren, Öffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage.

Welche Rolle spielen Parkplätze und Parkplatzgebühren - gerade in Nachbarschaft des Centro?

Das spielt eine große Rolle und ist für Kunden ein Riesenthema. Wenn man anderswo 20 Cent weniger oder gar nichts bezahlt, ist das ein Argument woanders hinzufahren, auch bis ins Centro. Das ist eine Rechnung, die nicht immer rational zu erklären ist, aber darauf müssen wir reagieren. Die Händler thematisieren das seit Jahren. Ich kann das auch gut nachvollziehen, weil sie eben die Gespräche mit den Kunden führen. Keiner denkt darüber nach, einen Cappuccino für 3,50 Euro zu trinken, aber wenn er seiner Ansicht nach 40 Cent zu viel für einen Parkplatz bezahlt, ist das ein Thema. Darauf muss man reagieren.

Wie kann die Stadt denn darauf reagieren? Die Gebühren stehen ja fest?

Die stehen fest und werden vom Rat der Stadt Dinslaken festgelegt.

Sie würden dem Rat also nahelegen, die Gebühren zu senken?

Aus Einzelhändlersicht, aus Sicht der Innenstadt wäre das mit Sicherheit wünschenswert. Es ist eine Stellschraube, um die Rahmenbedingungen für den Standort zu verbessern. Aber es hat natürlich auch finanzielle Auswirkungen auf den Haushalt der Stadt. Es ist eine Frage der Abwägung.

Wie könnte man Dinslaken außerdem nach vorne bringen?

Ich würde mir mehr mutige Gründer wünschen. Wie Francesco Ratti (Espressobar Barese, A.d.R.) und Nadine Buddemeier (Hervortragend, A.d.R.). Wir sind auch auf solch mutige Gründerpersönlichkeiten angewiesen.

Haben Sie Einfluss auf die weiterhin uneinheitlichen Öffnungszeiten?

Wir hatten verschiedene Initiativen, die Öffnungszeiten zu vereinheitlichen und hatten uns auch einmal auf Kernöffnungszeiten von 10 bis 19 Uhr und 10 bis 16 Uhr an Samstagen geeinigt. Das war ein Mindestkompromiss aber auch da gab es keine große Mehrheit, die das durchgezogen hat. Aber der Kunde erwartet das. Gerade der Samstag gewinnt an Bedeutung. Das würde ich mir auch wünschen. Aber da können wir nur versuchen, zu überzeugen.

Welche Bedeutung hat eine funktionierende Innenstadt für Dinslaken als Wohnstandort?

Die Innenstadt insgesamt ist Aushängeschild einer Stadt. Sie repräsentiert die Gesamtstadt und prägt das Image. Es geht nicht mehr nur um den Handel, sondern auch um die Gastronomie und die Innenstadt insgesamt. Früher war der Handel die Leitfunktion der Innenstadt. Das ist er immer noch, aber die Bedeutung wird geringer. Es ist eher das Gesamtkonzept: Man will in die Innenstadt gehen und etwas erleben. Das ist auch der Gegenentwurf zu dem ganzen Thema Digitalisierung und Onlinehandel. Ich kann 24/7 etwas kaufen, dafür muss ich nirgendwo mehr hingehen. Aber wenn ich etwas erleben will, Menschen treffen, gute Gastronomie genießen möchte, dann gehe ich in die Innenstadt und das wird, glaube ich immer wichtiger in den Städten. Die Innenstadt muss funktionieren, sonst funktioniert die Stadt auch nicht wirklich. Eine funktionierende Innenstadt ist ein wichtiger Image- und Standortfaktor für eine Stadt und hat Einfluss darauf, welche Menschen zu uns ziehen und ihren Wohnort in diese Stadt verlegen.

Wie wichtig sind verkaufsoffene Sonntage?

Sie sind immens wichtig und werden immer bedeutender. Die Leute kommen in die Stadt, um etwas zu erleben. Diese Chance bietet sich an verkaufsoffenen Sonntagen. Deswegen haben wir unsere Strategie auch ein stückweit umgestellt, alte Veranstaltungsformate wie den Fischmarkt auf dem Neutorplatz gestrichen, der keine gute imageprägende Veranstaltung war. Wir hatten statt dessen jetzt den dritten Fahrradfrühling. Dieses Jahr probieren wir das erste mal das Craftbeer-Festival im Oktober aus. Zum verkaufsoffenen Sonntag wird dann ein ganzes Wochenende der Neutorplatz bespielt. Wir haben andere, gute Zielgruppen in der Stadt, wir haben wieder junge Menschen und Familien. Gerade beim Fahrradfrühling hatten wir eine volle Innenstadt mit gutem Publikum und sind da auf einem guten Weg.

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