Gepflasterte Vorgärten

Voerder CDU will den Trend zu Steingärten bremsen

Steinerne Vorgärten liegen im Trend. Auch in Voerde. Die dortige CDU möchte gegensteuern.

Steinerne Vorgärten liegen im Trend. Auch in Voerde. Die dortige CDU möchte gegensteuern.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Voerde  Voerder CDU fordert, dass die Stadt dem Trend zunehmender Steingärten entgegentritt. Dabei setzen sie nicht auf Verbote, sondern auf Aufklärung.

. Kies oder Schotter – mittendrin vielleicht noch ein Busch oder ein Minibäumchen – statt blühender Blumen: Diese Art der Vorgartengestaltung ist auch im Voerder Stadtgebiet immer häufiger zu sehen, hat die CDU-Fraktion festgestellt und diese Entwicklung nunmehr zum Anlass genommen, einen Antrag an die Verwaltung zu stellen, der zeitnah politisch diskutiert werden soll – und zwar bereits in der nächsten Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am 25. Mai. Das Schreiben haben die Christdemokraten am frühen Dienstagvormittag bei Bürgermeister Dirk Haarmann abgegeben, wie CDU-Pressesprecher Bernd Altmeppen betont – am selben Tag also, als die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Hegering das Blühstreifenprojekt vorstellte, mit dem ein Beitrag zum Insektenschutz und zur Artenvielfalt geleistet werden soll (die NRZ berichtete).

Genau darauf zielt auch der Antrag der CDU-Fraktion ab: „Die zunehmend zu beobachtende Versiegelung von Vorgärten kann und darf uns aus (Stadt-)Klimagesichtspunkten und vor dem Hintergrund der sich offensichtlich mit immensem Tempo reduzierenden Artenvielfalt nicht gleichgültig sein“, schreibt sie. Dabei richten die Christdemokraten ihren Blick nicht nur auf die Bürger als private Eigentümer von Grundstücken, sondern beziehen explizit auch die Kommune mit ein. Das Betonieren und Versiegeln städtischer Grünflächen in der Vergangenheit könne aus heutiger Sicht durchaus kritisch beurteilt und solle „für die Zukunft überdacht“ werden. Die CDU will auch die öffentliche Hand „in die Pflicht“ nehmen – „dort, wo es möglich und sinnvoll ist“.

CDU setzt wie die Stadt nicht auf Verbote

An Verbote denkt sie dabei ausdrücklich nicht, vielmehr setzt sie darauf, dass das Thema durch Aufklärung „noch mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung rückt“, erklärt Altmeppen. „Wir wollen in die Köpfe der Menschen tragen, dass das ein Problem ist.“ Bei der Umgestaltung von immer mehr Vorgärten zu „vermeintlich pflegeleichten ,Schotterflächen’ entstünden häufig triste Bereiche, die „mit Vorgärten wenig gemeinsam“ hätten, stellt die CDU in ihrem Antrag fest. „Ein geschmackvoll gestalteter Vorgarten mit Blumen und Sträuchern wertet die Optik der Immobilie erheblich auf und bietet Bienen und anderen Insekten einen wichtigen Lebensraum. Die Pflanzen nehmen CO2 auf und wandeln es durch Photosynthese in Sauerstoff um, der für Mensch und Tier wichtig ist. Zusätzlich wird ein positiver Beitrag zum (Stadt-) Klima geleistet.“ Darüber hinaus weist die CDU auf die zunehmenden Starkregenereignisse und das sich stellende Problem fehlender Versickerung im Falle versiegelter Flächen hin.

Auch die Stadt setzt, wie sie bereits vor einigen Monaten und zuletzt am noch Dienstag betont hat, nicht auf Verbote. Die hätten „immer einen Gegenreflex“, konstatierte der Erste und Technische Beigeordnete Wilfried Limke bei der Präsentation des Blühstreifenprojekts. Für ihn ist Aufklärung der richtige Weg. Die CDU möchte, dass über „naturnahe Grüngestaltungen und Pflegemöglichkeiten und Anlaufstellen informiert wird, dass kleinere Wettbewerbe („Der schönste Vorgarten“; „Die artenreichste Flachdach(garagen)-Begrünung“) ausgeschrieben und (finanzielle) Anreize geschaffen werden, um „eingefahrenes Handeln zu ändern“.

Überzeugungsarbeit leisten

Die Stadt muss sich nach Meinung der Christdemokraten Gedanken darüber machen, wie städtische Konzepte für einen verbesserten Klimaschutz bei gleichzeitiger Steigerung der Lebensqualität aussehen könnten. Die Frage sei, wie die „berechtigten Interessen der Eigentümer nach mehr ,Pflegeleichtigkeit’ und die Ansprüche an Klimaschutz und Artenvielfalt“ zusammen gebracht werden können. Man erwarte von der Verwaltung nicht nur Konzepte, sondern auch, die Problematiken bereits im Planungs- und Umsetzungsprozess zu beachten, um „spätere ,Reparaturen’ schon im Ansatz“ zu verhindern. Es gelte, Eigentümer und zukünftige Bauherren zu überzeugen, ihre Vorgärten/Grünflächen nicht zu versiegeln, sondern stattdessen (pflegeleichten) Bepflanzungen“ den Vorzug zu geben, „die die klimatischen Anforderungen der Zukunft aus heutiger Sicht gut bewältigen können“. Dies möchte die CDU-Fraktion bereits für die in nächster Zeit geplanten Baumaßnahmen an mehreren Stellen in der Stadt berücksichtigt wissen.

Die Fraktion selbst plant zu dem Thema eine öffentliche Infoveranstaltung, bei der ein Experte erläutert, „wie dramatisch die Situation ist“ und welche Möglichkeiten der Vorgartengestaltung es gibt, die nicht so folgenreich für die Natur“, aber auch pflegeleicht sind, kündigt Bernd Altmeppen an. Der Termin soll möglichst noch vor den Sommerferien stattfinden.

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