Kirche und Veränderungen

Voerder Pfarrei: Kirche muss Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

Symbolischer Anschlag des mehrseitigen Briefes an die Kirchentür von St. Paulus (v.l.): Ludger Ochtrop (Vorsitzender Pfarreirat), Pfarrer Heinz-Josef Möller und Bernd Altmeppen (Pfarreirat).

Symbolischer Anschlag des mehrseitigen Briefes an die Kirchentür von St. Paulus (v.l.): Ludger Ochtrop (Vorsitzender Pfarreirat), Pfarrer Heinz-Josef Möller und Bernd Altmeppen (Pfarreirat).

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Voerde  Gremien der Pfarrei St. Peter und Paul Voerde fordern „grundlegende Veränderungen und Reformen, die längst überfällig sind“. Brief an Bischöfe.

. Die Gremien der Pfarrei St. Peter und Paul machen mobil und wenden sich an die Bischöfe. „Das Schreiben ist kein Anti-Kirchen-Papier. Es geht um grundlegende Veränderungen und Reformen, die schon längst überfällig sind. Wir fordern Maßnahmen, die die Glaubwürdigkeit der Kirche zurückgewinnen sollen, die Kirchenaustritte verhindern und dafür sorgen, dass die Lehre von unserem liebenden Herrn Jesus Christus nicht verdunstet. Wir wollen, dass diese Forderungen auch in Münster gehört werden.“ Das sagen Pfarrer Heinz-Josef Möller, Ludger Ochtrop und Bernd Altmeppen vom Pfarreirat im Pressegespräch.

Seit 2018 beraten die Gremien über Veränderungen

Sowohl Pfarreirat und Kirchenvorstand als auch die Gemeindeausschüsse in St. Paulus, St. Peter und St. Elisabeth beraten seit 2018 über Veränderungen, „die für unsere Kirche, unser Bistum und unsere Ortsgemeinden dringend notwendig sind“. Der Bedeutungsverlust von Kirche bereitet ihnen große Sorgen. „Wir nehmen in unseren Gemeinden viel Enttäuschung, Frust, ja sogar Resignation wahr im Blick darauf, ob es in der Kirche überhaupt zu wirklichen und tiefgreifenden Veränderungen kommt. Bereits jetzt haben wir in unseren Gemeinden Personen verloren und enttäuscht, die nichts mehr von uns erwarten.“ Möller nennt 54 Kirchenaustritte in 2018.

Unmut artikulierten diejenigen, „die über Jahre, teils Jahrzehnte das Leben in unserer Gemeinde aktiv und engagiert mitgestaltet haben“. Zu den Enttäuschten und Frustrierten gehörten insbesondere ältere Frauen, „auch Männer und Frauen, die es nicht schaffen, ihren Kindern und Enkeln glaubwürdig diese Kirche als einen Lebensort zu vermitteln“. Sie erlebten durchaus „die Sehnsucht nach einem Gott“, könnten diesen aber immer schwerer mit Kirche in Verbindung bringen.

Schreiben an die Bischöfe in Münster und Xanten

„Die Zeit drängt“, meinen Möller, Ochtrop und Altmeppen. Sie haben das in den Gremien einstimmig verfasste Schreiben an Bischof Dr. Felix Genn (Münster) und Weihbischof Rolf Lohmann (Xanten) geschickt. „Unsere Bischöfe sind mit Blick auf diese Situation besonders gefordert und können unsere Kirche durch ihr Nichtstun und das Festhalten an überholten Formen und Strukturen so schädigen, dass sie für die Menschen bedeutungslos wird. Aber auch wir als haupt- und ehrenamtliche Seelsorger sind hier gefordert.“

Mit Blick auf die Weltkirche kritisieren sie den Pflichtzölibat, die „für viele eine sonderliche Lebensform“ darstelle, die Benachteiligung von Frauen und den faktischen Ausschluss aus den Leitungsämtern. Zudem fordern sie eine Neuschreibung der kirchlichen Ehe- und Sexualmoral, „der Ausschluss bestimmter Lebensformen“ sei inakzeptabel. Auf Bistumsebene dürfe Gemeindeleitung nicht nur an das Priesteramt gebunden sein. Laien müssten für diesen Dienst fortgebildet und bezahlt werden, auch die Vielfalt der Gottesdienste müsse wertgeschätzt und gefördert werden.

Und auf Gemeindeebene: „Gastfreundschaft ist uns ein hoher Wert. Wir laden konfessionsverbindende Paare zur Kommunion ein, gewähren neuen Partnerschaften nach Scheitern der ersten Ehe den Segen Gottes.“ Und mit „mobiler Kirche“ werde auch zu den Menschen an verschiedenen Orten hingegangen.

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