Wohnungslosigkeit

Wohlfahrtsverbände können Wohnungslosenhilfe intensivieren

Erläuterten am Montag ihre Teilnahme an der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ (v.l.): Claudia Kohler (Caritasverband Moers-Xanten), Guido Busch (Caritasverband Dinslaken-Wesel), Michael van Meerbeck (Direktor des Caritasverbandes Dinslaken-Wesel), Landrat Dr. Ansgar Müller, Brunhild Demmer (Vorsitzende des Caritasverbandes Moers-Xanten), Dr. Bernd Riekemann, Vorstand für Fachpolitik des Awo-Kreisverbandes Wesel.

Erläuterten am Montag ihre Teilnahme an der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ (v.l.): Claudia Kohler (Caritasverband Moers-Xanten), Guido Busch (Caritasverband Dinslaken-Wesel), Michael van Meerbeck (Direktor des Caritasverbandes Dinslaken-Wesel), Landrat Dr. Ansgar Müller, Brunhild Demmer (Vorsitzende des Caritasverbandes Moers-Xanten), Dr. Bernd Riekemann, Vorstand für Fachpolitik des Awo-Kreisverbandes Wesel.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Die Caritas Dinslaken-Wesel und Moers-Xanten sowie der Awo-Kreisverband werden im Rahmen der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ unterstützt.

Die beiden im Kreis Wesel tätigen Caritasverbände Dinslaken-Wesel und Moers-Xanten sowie der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) können schon bald ihre seit Jahrzehnten geleistete Arbeit in der Wohnungslosenhilfe intensivieren: Möglich ist ihnen dies durch eine Förderung im Rahmen der Initiative „Endlich ein Zuhause“, die vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales aufgelegt wurde. Unterstützt wurden die drei Wohlfahrtsverbände bei der Bewerbung durch den Kreis Wesel. Wohnungslosigkeit sei nach Hunger „die schlimmste Form von Armut“, zitierte Landrat Dr. Ansgar Müller aus der Projektbeschreibung, als Vertreter der drei beteiligten Verbände am Montag am Sitz der Caritas Dinslaken-Wesel auf dem früheren Gelände der Parkschule in Friedrichsfeld die geplante Erweiterung ihrer Arbeit im Bereich der Wohnungslosenhilfe vorstellten.

Drei Stellen mehr werden gefördert

Durch die Unterstützung des Landes können die drei Wohlfahrtsverbände, die im Kreis Wesel dazu an unterschiedlichen Orten Beratungsstellen vorhalten, die „aufsuchende Arbeit“ deutlich verstärken. Diese sei aufgrund der Personalsituation derzeit nur „sehr bedingt“ leistbar, erläuterte Guido Busch vom Caritasverband Dinslaken-Wesel. Die Projektbeteiligten können nun auf mehr Kräfte bauen: Die sechs ohnehin vom Land geförderten Stellen wurden um drei, also um die Hälfte aufgestockt: 1,5 Stellen mehr werden im Kreis Wesel linksrheinisch angesiedelt, je 0,75 Stellen rechtsrheinisch – und zwar in Dinslaken und Wesel. „Das ist eine spürbare Entlastung“, betonte die Vorstandsvorsitzende des Caritasverbandes Moers-Xanten, Brunhild Demmer.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass ein großer Bedarf zur Stärkung dieser Hilfe besteht: Nach Angaben des Landrates lag die Zahl der Wohnungslosen im Kreis Wesel im vergangenen Jahr bei 853, davor waren es noch 372 – was auch damit zu tun habe, dass nun Flüchtlinge in der Statistik mit aufgeführt würden. Die Wohnungssituation habe sich für all diese Menschen verschärft, weil viele Wohnungen aus der Sozialbindung herausgefallen seien, erläuterte Brunhild Demmer – sprich, für diese ehedem staatlich bezuschussten Wohnungen entfällt die Mietpreisbindung.

Caritas: Notunterkünfte sind deutlich mehr belegt

Die Notunterkünfte seien „deutlich mehr belegt als in den Vorjahren“, sagte Guido Busch für die Caritas Dinslaken-Wesel, das gleiche stellte Brunhild Demmer für den linksrheinischen Bereich fest. Bei den Betroffenen handele es sich überwiegend um Alleinstehende; zu dem Kreis derer, denen ein Verlust der Wohnung droht, zählten auch Familien. „Seit eineinhalb, zwei Jahren spitzt sich das zu“, beschrieb Claudia Kohler, Fachbereichsleitung Gesundheit und Soziales beim Caritasverband Moers-Xanten, die Situation. Hinzu kommen die Menschen, die gar nicht als wohnungslos registriert sind – etwa die Couch-Hopper, junge Leute, die von Freund zu Freund gehen, um dort einen Schlafplatz zu bekommen. „Viele gehen damit nicht nach außen“, erklärte Brunhild Demmer.

Auch die Wichtigkeit des Einsatzes von Fachpersonal im Bereich der Wohnungslosenhilfe wurde unterstrichen: Die Begleitung psychischer Erkrankungen werde hier immer bedeutender, erläuterte Guido Busch, es gebe multiple Problemlagen. „Wir brauchen einen fachlichen Umgang mit dieser Thematik“, fügte Michael van Meerbeck, Direktor des Caritasverbandes Dinslaken-Wesel, hinzu. Die drei Projektbeteiligten verfügen hier über die entsprechende Erfahrung. Auch sind sie mit anderen Trägern vernetzt, die mit der Problematik befasst sind.

Ansprechpartner auch für Vermieter

Das große Problem der fehlenden Wohnungen werden die Wohlfahrtsverbände nicht lösen können. Guido Busch betonte aber die Notwendigkeit, die Akteure in der Wohnungswirtschaft anzusprechen, Vermieter aufzuklären. Man könne Ansprechpartner für sie sein und eine Schnittstelle zu ihnen bilden, sagte Dr. Bernd Riekemann, Vorstand Fachpolitik im Awo-Kreisverband Wesel.

Die beiden Caritasverbände und die Arbeiterwohlfahrt haben mit Hilfe der Landesmittel Fahrzeuge anschaffen können, mit denen sie zu den Betroffenen fahren. „Die Stellen, wo sich die Menschen in Not versammeln, kennen wir“, sagte Michael van Meerbeck. Diejenigen, die mit ihrer Situation nicht nach außen gehen, hoffen sie über über Mundpropaganda zu erreichen.

Die Laufzeit von „Endlich ein Zuhause“ geht bis zum 31. Dezember 2020, wie es gestern hieß. Die drei Wohlfahrtsverbände gaben sich zuversichtlich, dass die Initiative nachhaltig sein wird: Dem Ministerium werde klar sein, dass das Problem in dieser Zeit nicht zu lösen sei, konstatierte Brunhild Demmer.

>>Info: Beratungsstellen und Fördermittel

Rechtsrheinisch bietet der Caritasverband Dinslaken-Wesel für Wesel, Schermbeck und Hamminkeln Hilfe für Wohnungslose an, die Beratungsstelle hat ihren Sitz in Wesel. Für Dinslaken, Voerde und Hünxe offeriert der Awo-Kreisverband Wesel diesen Dienst. Die Beratungsstelle ist in Dinslaken. Linksrheinisch ist in dem Bereich der Caritasverband Moers-Xanten mit einer Beratungsstelle in Moers und Dependancen in Kamp-Lintfort, Rheinberg und Xanten tätig.Aus der Landesinitiative „Endlich ein Zuhause“ wurden den drei bei dem Projekt kooperierenden Wohlfahrtsverbänden Mittel in Höhe von insgesamt 380.000 Euro zur Verfügung gestellt: 100.000 Euro für die Anschaffung der Fahrzeuge, mit denen die Sozialarbeiter zu den Betroffenen fahren, und 280.000 Euro für laufende Kosten (u.a. Personal), wie Michael van Meerbeck, Direktor des Caritasverbandes Dinslaken-Wesel, erklärte.

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