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Dortmund: „Lage ist ernst“ – Stadt fürchtet 100er-Inzidenz

Laut der Stadt Dortmund sind 200 Mitarbeiter nötig, um die Kontaktverfolgung bei einer Inzidenz von 100 noch durchführen zu können. Das Gesundheitsamt bittet nun die Bundeswehr um Unterstützung: Zu den 40 eingesetzten SoldatInnen soll ein weiterer Zug hinzukommen.

Laut der Stadt Dortmund sind 200 Mitarbeiter nötig, um die Kontaktverfolgung bei einer Inzidenz von 100 noch durchführen zu können. Das Gesundheitsamt bittet nun die Bundeswehr um Unterstützung: Zu den 40 eingesetzten SoldatInnen soll ein weiterer Zug hinzukommen.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  Die Stadt rechnet mit einem Inzidenzwert von 100 im Laufe des Abends. Ordnungsamt will „Kontrolldruck erhöhen“. Der Corona-Überblick.

Update Freitag, 23. Oktober: Der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts Dr. Frank Renken erwartet, dass Dortmund im Laufe des Tages die Inzidenz von 100 übersteigt. „100 ist eine kritische Marke, die auch unser leistungsstarkes Gesundheitsamt an eine Leistungsgrenze führt“, erklärte Krisenstabsleiterin Daniela Schneckenburger bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Leitungen von Ordnungsamt und Gesundheitsamt am Mittag.

„Die Lage ist ernst“, betonte Schneckenburger, „Wir sind endgültig an einem Punkt angekommen, wo die Dortmunder selbst mithelfen müssen.“ Die Bürger sollten „ein hohes Maß an individueller Verantwortung“ zeigen, ihre persönlichen Kontakte der vergangenen fünf Tage selbst dokumentieren und Kontakte reduzieren – um so dem Gesundheitsamt die Arbeit zu erleichtern.

Gesundheitsamt ersucht Bundeswehr um zusätzliche Unterstützung

Die Stadt geht derzeit von einem Inzidenzwert von 97,4 und einem „exponentiellen Zuwachs“ für Dortmund aus. Aufgrund personeller Engpässe bei der Kontaktverfolgung, würden nun Mitarbeiter aus allen Bereichen der Verwaltung hinzugezogen. Laut dem Gesundheitsamtsleiter sind bei einem Inzidenzwert von 100 für die Kontaktverfolgung rund 200 Mitarbeiter von Nöten. Die Mitarbeiterzahl könne das Amt allerdings erst im Laufe der kommenden Woche durch tägliche Schulungen erreichen.

„Wir haben außerdem entschieden, die Bundeswehr zu ersuchen, uns einen weiteren Zug, also zwanzig weitere Personen, zur Verfügung zu stellen“, sagte der Leiter des Gesundheitsamts. Bisher würden 40 SoldatInnen das Gesundheitsamt unterstützen. Zudem würde voraussichtlich ab der kommenden Woche ein externer Dienstleister damit beauftragt, Telefonate mit den Personen zu führen, die sich in Quarantäne befinden.

Ordnungsamt Dortmund soll „Kontrolldruck in die Fläche bringen“

Mit Blick auf die Zahlen drückte Frank Renken insbesondere seine Sorge darüber aus, dass der Anteil der Infizierten über 60 Jahren nach geringeren Infektionszahlen im Sommer nun ansteigt. Dies könnte innerhalb der nächsten Tage zu einem Anstieg schwerer Covid-19-Verläufe in den Krankenhäusern führen.

Das Ordnungsamt will derweil den „Kontrolldruck erhöhen“, erklärte Heike Tasillo, die stellvertretende Leiterin des Ordnungsamts. „Die Einsatzkräfte sind angewiesen, strenge Maßstäbe anzulegen“, sagte Tasillo in der Pressekonferenz. Damit das Ordnungsamt „Kontrolldruck in der Fläche bringen“ kann, würden derzeit „abteilungsübergreifend Kräfte“ dafür abgestellt, die Einhaltung der Corona-Maßnahmen zu überprüfen.

Leiterin Krisenstab Dortmund: „Land NRW: Jetzt bist auch du dran!“

Krisenstabsleiterin Daniela Schneckenburger forderte vom Land, den Inzidenzwert 100 als dritte Grenze zu festzulegen und einen klaren Handlungsrahmen für betroffene Kommunen und Städte zu definieren. „Wir machen hier alles, was wir können, – aber Land NRW: Jetzt bist auch du dran!“, betonte Schneckenburger.

Über weitere Maßnahmen, beispielsweise im Umgang mit dem Amateursport und mit Blick auf Weihnachtsmärkte, will die Stadt frühestens in der kommenden Woche entscheiden. „Es darf keine Tabus geben“, so die Krisenstabsleiterin.

Das Robert-Koch-Institut weist für Dortmund am Freitag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 61,4 aus – dabei handelt es sich jedoch wahrscheinlich um einen Rechenfehler, da offenbar am Donnerstag keine Neuinfektionen für Dortmund ans RKI übertragen wurden. Eine LZG-Sprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass durch „ein technisches Problem beim Webservice des RKI“ die Daten mehrerer Kommunen aus NRW nicht an das Robert-Koch-Institut übermittelt werden konnten.

Update Donnerstag, 22. Oktober: 202 Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind am Donnerstag in Dortmund registriert worden. Das teilte die Stadt am Abend mit. 23 dieser positiven Testergebnisse seien elf Familien zuzuordnen. Bei zwei Neuinfizierten handelt es sich um ReiserückkehrerInnen, die übrigen sind Einzelfälle.

Die Stadt geht nach eigenen Berechnungen von einer Sieben-Tage-Inzidenz von 97,4 aus. Der Inzidenzwert ergibt sich laut Stadt anhand der Berechnungsmethode des Robert Koch-Instituts (RKI).

Corona-Kontaktverfolgung: Bearbeitungsstau im Gesundheitsamt

Derweil kommt es bei der Verfolgung der Infektionsketten zu Verzögerungen: Gesundheitsamts-Leiter Frank Renken meldet einen „Bearbeitungsstau“. Positiv getestete Patienten würden zunächst von einer medizinischen Fachkraft befragt. Erst danach übernehmen die „Kontaktpersonenermittler*innen“. Weil es aber zurzeit bei der ersten Kontaktaufnahme stockt, verzögert sich auch die Kontaktverfolgung. Renken rät positiv Getesteten, sich in häusliche Isolation zu begeben und vorsorglich selbst enge Kontaktpersonen zu informieren.

Die Fabido-Kita an der Akazienstraße in Dortmund-Wambel ist wegen eines Infektionsfalls unter den ErzieherInnen geschlossen. Derzeit befinden sich zehn Kinder und drei ErzieherInnen in Quarantäne. Seit dem ersten Auftreten des Coronavirus in Dortmund liegen 3192 positive Tests vor, meldet die Stadt.

Update Dienstag, 20. Oktober: Wie die Stadt am Dienstagnachmittag mitteilt, sind 62 positive Testergebnisse hinzugekommen. Von diesen Fällen sind zehn Stück vier Familien zuzuordnen. Die anderen 52 sind einzeln und voneinander unabhängig. Damit rechnet die Stadt mit einer weiter steigenden Inzidenz (voraussichtlich 72,8). 681 Personen sind derzeit mit Corona infiziert. „Die Ermittlungen durch das Gesundheitsamt in einer Dortmunder Demenz-WG sind seit gestern fortgeschritten“, teilt die Stadt Dortmund zudem mit. 6 Bewohner und 5 Mitarbeiter wurden positiv auf das Coronavirus getestet. 44 Bewohner sind in Quarantäne, für 35 Mitarbeiter wurde Arbeitsquarantäne angeordnet. „Weitere Testergebnisse stehen derzeit noch aus“, so die Stadt.

Das meldet das RKI am Dienstag einen Inzidenzwert von 71,7 für Dortmund (Stand 0 Uhr). Insgesamt hat das RKI seit Beginn der Pandemie 2830 Corona-Fälle gezählt.

Merkel & Ministerpräsidenten: Das sind die neuen Coronaregeln
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Diese Corona-Regeln gelten für die Bürger in Dortmund:

  • Private Feste außerhalb der eigenen Wohnung sind nur noch bis zu 25 Personen erlaubt. Feste mit mehr als 10 Personen müssen drei Werktage zuvor beim Ordnungsamt angemeldet werden.
  • Im öffentlichen Raum als Gruppe dürfen sich nur noch fünf Personen treffen.
  • Die Maskenpflicht auf dem Westen- und Ostenhellweg wurde ausgeweitet auf das Brückstraßenviertel und in den Hauptgeschäftszeiten (9.30 bis 18.30 Uhr) auf die Fußgängerzonen in den Stadtbezirken.
  • Veranstaltungen im Freien sind nur noch bis zu 500 Personen möglich, im geschlossenen Raum sind maximal 250 Personen erlaubt.
  • Auch im Dortmunder Konzerthaus sind maximal nur noch 250 Besucher möglich.
  • In der Gastronomie gibt es eine Sperrstunde ab 23 Uhr bis 6 Uhr und auch ein Alkoholverkaufsverbot ab 23 Uhr.
  • Einschränkungen bei Kontaktsportarten sind zunächst nicht geplant.

Update Montag 19. Oktober, 18 Uhr: 42 neu festgestellte Coronavirus-Infektionen meldet die Stadt Dortmund am Montag. „Von den 42 Neuinfektionen sind zehn Fälle drei Familien zuzuordnen und sieben Reiserückkehrende“, teilte die Stadt mit. Die anderen 25 Fälle seien „einzelnen, voneinander unabhängigen Personen zuzuordnen“. Damit liege die Gesamtzahl der akut an Covid-19 Erkrankten nun bei 648. 40 von ihnen würden zurzeit im Krankenhaus behandelt, so die Stadt, drei davon beatmet.

Corona in Dortmund: Bundeswehr hilft bei Kontaktverfolgung

Update Montag 19. Oktober, 14 Uhr: Die Stadt Dortmund meldet weiter steigende Corona-Zahlen: Am Sonntag sind nach Angaben der Stadt 28 Coronafälle hinzugekommen. 623 Menschen sind aktuell mit dem Virus infiziert – Höchststand für die größte Stadt im Ruhrgebiet. Zurzeit werden in Dortmund 40 Corona-Patienten stationär behandelt, darunter neun intensivmedizinisch, davon wiederum drei mit Beatmung.

Seit Montagmorgen gilt auch in Dortmund die neue Verordnung des Landes NRW. Viel ändert sich für Dortmunder Bürger dadurch nicht, da die Stadt bereits am Donnerstag mit einer Allgemeinverfügung auf die Situation reagierte. Nach Angaben des RKI liegt der Inzidenzwert am Montag (Stand 0 Uhr) bei 68,2. Dementsprechend gilt Dortmund weiter als Risikogebiet.

Für die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Infizierten bekommt die Stadt jetzt auch Hilfe von der Bundeswehr. Ab Dienstag sind 40 Soldatinnen und Soldaten in Dortmund im Einsatz und unterstützen das Gesundheitsamt

Die neuen Regeln gelten seit dem 16. Oktober und sind in der Allgemeinverfügung der Stadt nachzulesen. „Unser Ziel ist es, rasch unter die 50er-Marke zu kommen. Und dann, auch wieder unter die 35er-Marke zu kommen. Wir wollen einen Lockdown vermeiden“, so Rechtsdezernent Norbert Dahmen bei der Pressekonferenz.

Absage mehrerer Märkte und verkaufsoffener Sonntage am 8. November

Die verschärfte Corona-Situation führt auch dazu, dass mehrere Märkte in den Stadtteilen abgesagt werden. So etwa der Martini- und Bauernmarkt am 8. November. Damit fällt auch der geplante verkaufsoffene Sonntag im Stadtbezirk aus, denn die Sonntagsöffnung muss in direkter Verbindung mit einem Volksfest bzw. einer Traditionsveranstaltung stehen. Gleiches gilt für den Martinstag in Mengede und den Martinsmarkt in Lütgendortmund.

Der Hansemarkt am 8. November steht laut Stadt jedoch nach wie vor auf dem Veranstaltungsplan. eitere Absagen von Veranstaltungen in den kommenden Tagen und Wochen sind nicht auszuschließen.

Was den Dortmunder Weihnachtsmarkt angeht, gibt es noch keine konkreten Aussagen, ob dieser wie geplant stattfinden kann. Das hänge vom weiteren Infektionsgeschehen ab und der dann landesweit gültigen Corona-Schutzverordnung, so die Stadt.

Chef des Gesundheitsamtes geht nicht von schneller Entspannung aus

Sollte die Inzidenzzahl tageweise unter 50 fallen bedeute das nicht, dass die verschärften Corona-Regeln sofort außer Kraft gesetzt würden. Laut Stadt werde dies erst geschehen, wenn der Wert mindestens sieben Tage unterhalb der 50er-Grenze liegt.

Dass dies schnell geschieht, davon geht der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamtes nicht aus: „Die zweite Welle für Dortmund ist da - und sie wird sich weiter ausbilden“, sagte Dr. Frank Renken während der Pressekonferenz am Donnerstag. Hier bedürfe es anderer Maßnahmen als bisher, um die Pandemie zu begrenzen. Denn die Infiziertenzahlen seien mittlerweile viel höher als noch im April. Auch das Durchschnittsalter der Corona-Patienten sei gestiegen - mittlerweile läge es bei durchschnittlich 45 Jahren.

Maskenpflicht in der Fußgängerzone

Schon mehrere Tage bevor Dortmund die kritische 50er-Marke erreicht hatte, hatte die Stadt die Notbremse gezogen und auf dem Osten- und Westenhellweg eine Maskenpflicht erlassen, die die „weitere Ausbreitung des Virus eindämmen“ sollte. Diese wurde mit Erreichen des Risikowertes auch ausgeweitet auf weitere Fußgängerzonen in den Stadtbezirken und das Brückstraßenviertel.

Eine Maskenpflicht gilt auch in Hochschulen, bei außerschulischen Bildungsveranstaltungen, in Bibliotheken und erneut auch auf Märkten – nicht nur an den Marktständen, sondern auch in den Gängen davor und dazwischen.

Immer wieder Probleme mit privaten Feiern

Wie in anderen Städten hatte auch das Dortmunder Ordnungsamt immer wieder Einsätze wegen zu vielen Gästen bei privaten Feiern außerhalb der eigenen Wohnung. (mawo)

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