Statement

Nach Hinterhalt: Dortmunder Lehrer bricht sein Schweigen

An diesem schwer einsehbaren Garagenhof sollen die Jugendlichen den Lehrer in einen Hinterhalt gelockt haben.

An diesem schwer einsehbaren Garagenhof sollen die Jugendlichen den Lehrer in einen Hinterhalt gelockt haben.

Foto: Bernd Thissen

Dortmund.   Nach dem Versuch dreier Schüler, einen Lehrer in einen Hinterhalt zu locken und zu erschlagen, meldet sich der Pädagoge bei Facebook zu Wort.

Seit kurzem laufen die Ermittlungen gegen drei Schüler aus Dortmund, die einen Lehrer der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dorstfeld in einen Hinterhalt gelockt haben sollen. Dort wollten sie ihn mutmaßlich mit Hammerschlägen töten. Der Hauptbeschuldigte ist erst 16 Jahre alt, seine Komplizen sind 17 und 18 Jahre alt.

Der betroffene Lehrer, Wolfgang W., brach am Dienstag sein Schweigen. Auf Facebook veröffentlichte der 51-Jährige einen langen Text, in dem er sich zur aktuellen Situation äußert. Wie die Schulleitung am Mittwoch auf Nachfrage bestätigte, handelt es sich um ein authentisches Statement des Lehrers.

Lehrer sagt, er habe keine Angst, zur Arbeit zu gehen

Das Wichtigste vorab: Dem Lehrer geht es gut. Auch wenn er sich weder zum juristischen Vorgang noch zur Situation an der Schule äußern könne und wolle, betont er: „Ich werde gerade getragen von einer Welle der Zuneigung und Anerkennung, die jeder Mensch einmal in seinem Leben erfahren sollte.“ Er erklärt, dass niemand Sorge haben müsse, dass er ängstlich zur Arbeit gehe oder seinen Schülern gegenüber misstrauisch sei.

Besonders wichtig ist es Wolfgang W., seinem Umfeld zu danken, allen voran seiner Frau, Freunden und auch der Schulleitung: „Meine Schule, ganz besonders die Schulleitung, hat mich immer und jederzeit unterstützt. Meine Kollegen sind ein Traum.“ Auch der Polizei spricht der 51-Jährige ein großes Lob aus und zeigt sich dankbar dafür, dass die Beamten ihn im Auge behalten hätten.

„Ich möchte nicht instrumentalisiert werden“

Doch abseits des Danks nutzt der Lehrer sein Statement zum größten Teil dazu, um einige Dinge klarzustellen. Deutlich distanziert er sich von rechter Hetze: „Ich möchte nicht vom rechten Rand der Gesellschaft instrumentalisiert werden.“ Das was ihm geschehen sei, sei eine Charakterfrage. Besonders getroffen habe ihn aber einer der Mittäter, den er nie kennengelernt habe. Trotzdem sei der Schüler bereit gewesen, einen ihn Unbekannten zu erschlagen.

Er bekäme viel Zuspruch von Menschen jedweder Nation und Herkunft, von Persern, Arabern, Polen und Kurden. Und freue sich sehr darüber. „Was ich den Rechten vorwerfe, ist besonders die Vorstellung, dass es einen Wert an sich habe, Deutscher zu sein. Das sieht meine Schule nicht so und das sehe ich nicht so“, schreibt er. Über 100 Mal wurde der Beitrag bisher geteilt, dutzende Kommentare und Reaktionen sind darunter zu finden.

Wolfgang W. derzeit „außer Dienst“

Der 16-jährige Hauptbeschuldigte schweigt zu den Anschuldigungen, lässt sich aber mittlerweile von einer Anwältin vertreten. Alle drei Jugendlichen sind bisher nicht polizeibekannt und wieder auf freiem Fuß. Die Schüler sind vom Unterricht suspendiert, auch Wolfgang W. sei derzeit „außer Dienst.“

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