BVB-Feier

Jubel, Trubel, Langsamkeit - So kroch der Double-Korso des BVB durch Dortmund

Die Fan-Masse als Defensivbollwerk. Am Borsigplatz gab es kaum ein Durchkommen. Foto: Knut Valensieck

Foto: Ralf Rottmann

Die Fan-Masse als Defensivbollwerk. Am Borsigplatz gab es kaum ein Durchkommen. Foto: Knut Valensieck Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Borussia Dortmund und ein neues Kapitel "echte Liebe": Die Meister und Pokalsieger zogen am Sonntag durch die komplett in schwarz-gelb gehüllte Stadt, geschätzte 200.000 BVB-Fans jubelten ihnen euphorisiert zu. Aber für den Double-Korso gab es kaum ein Durchkommen.

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„Werdet unsere Helden!“ hatten die BVB-Fans in Berlin von ihrer Mannschaft auf Spruchbändern gefordert. Einen Tag später, knapp 20 Stunden nach dem 5:2-Pokalsieg gegen Bayern München, sind sie alle Helden. Die Borussen hoch auf einem schwarz-gelben Wagen und die Menschenmassen auf den Straßen der Dortmunder Innenstadt, die ihnen einen unglaublichen, vereinsgeschichtsträchtigen Empfang bereiten. Mannschaft und Fans vereint – in Jubel, Trubel, Langsamkeit.

Enge Laufwege

Vier Stunden sollte der Meister- und Pokalsieger-Korso – kurz: der Double-Korso - durch Dortmund dauern. Nach zwei Stunden haben die Borussen aber gerade erst ein Viertel des Weges geschafft, so dicht gedrängt stehen die Massen, so eng werden die Gassen für die Dortmunder Borrussia, die doch ein Jahr lang durch schnelles Laufspiel und Spritzigkeit aufgefallen war. Es gibt kaum ein Durchkommen. Dortmund verhält sich zu seiner Borussia wie sonst die Borussen-Abwehr zum FC Bayern. 200.000 Fans können das reinste Defensivbollwerk sein.

Ein Held fürs Borusseum

Der erste Held dieses Sonntags dürfte der Flugkapitän der Air-Berlin-Maschine gewesen sein, die Borussia Dortmund und ihren Tross in die Heimat flog. Als der Flieger, live übertragen auf die vielen Großbildleinwände in der Innenstadt auf dem Rollfeld des Dortmunder Flughafens aufsetzt, brandet ohrenbetäubender Jubel auf dem Friedensplatz los. Kagawa, Lewandowski, Hummels und „Kuba“ – alle wohlbehalten daheim. Das ist eine Jubelwelle wert. Als der Flugkapitän dann auch noch locker-lässig mit einem riesigen BVB-Logo aus dem Seitenfenster seines Fliegers winkt, würden sie ihn am liebsten ausstopfen und ins „Borusseum“ stellen.

Herbstmeister-Glühwein

Um 18.09 Uhr startet der MeisterKorso dann zu seiner 4,3 Kilometer langen Fahrt durch die schwarz-gelbe Menge. Der Zeitpunkt war spät gewählt, damit jeder Fan noch sein Kreuzchen zur Landtagswahl machen konnte. Doch schon am Borsigplatz geht es nur noch so stockend voran, dass man fürchten muss, auch bis zur nächsten Bundestagswahl nicht zuhause zu sein.

Noch vor dem Borsigplatz gibt es weitere, nicht zu erwartende Engpässe. Ein Kioskbesitzer muss den gut 50 Wartenden in der Schlange vor seinem Tresen beibiegen, dass es ab jetzt kein Bier mehr bei ihm gibt. Er gesteht das derart mannhaft, dass alle Wartenden ihm verzeihen. „Gut“, schreit einer aus der Menge, „dann nehme ich Lewandowski-Wodka“. Ein anderer entdeckt in der Auslage noch eine Flasche „Wintertraum - Christkindels Glühwein.“ An diesem Tag geht der allerdings nur als Getränk für künftige Herbstmeister durch.

BVB nach Strapazen überraschend fit

Doch das Thema „Schlange stehen“ erledigt sich umgehend, weil am Horizont der gelbe Truck mit den Meistern und Pokalsiegern auftaucht. Bewegung kommt in die Menge, Ordnerketten und berittene Polizei sichern das Terrain. Die Borussen auf dem rechten Flügel des Wagens – Mats Hummels (mit Limonade in der Hand), Roman Weidenfeller, den DFB-Pokal fest im Griff, und Shinji Kagawa, der aus der Masse zugeworfene Trikots signiert und wieder in die Masse zurückwirft, wirken nach den Strapazen einer Feiernacht in der Hauptstadt überraschend fit. Kapitän Sebastian Kehl artikuliert unterwegs sogar noch recht klare Worte in ein Bordmikrofon. Er hoffe, so Kehl, dass Trainer Jürgen Klopp im Amt bleibe, obwohl sich die Borussia gegen Bayern München zwei unentschuldbare Gegentore gefangen habe.

Was für eine schöne Zweiklassengesellschaft so ein Meister-Korso doch ist. Ausnahmsweise gibt’s mal oben Sieger und unten Sieger. Oben die aus Berlin. Unten die treuen Fans. Sven mit der Rückennummer 15, Andy mit der 48. Ben 03, Nick 02, Georg 12 und Klein-Luca mit Trikotgröße 116.

Alles „Dortmunder Jungs“

Oder Jonas mit dem T-Shirt-Aufdruck „Dortmunder Jungs“. Auch er fühlt sich an diesem späten Sonntagnachmittag endlich wie ein vollwertiger Held. Letztes Jahr, bei der Meisterfeier 2011, beichtet Mutter Ulrike, hat Jonas die Schale nicht gesehen. Da stand er an einem Streckenabschnitt, den die Organisatoren aus Sicherheitsgründen kurzerhand strichen. Borussia fuhr vorbei und Jonas war tieftraurig. Man könnte meinen, Kagawa und Co. sind eigens für ihn noch einmal Meister geworden.

Die Stars der Mütter

Der Nachwuchs ist überhaupt stark vertreten. Auf der Fensterbank des Imbiss’ „Pommes Rot Weiß“, der vor 103 Jahren mal Borussia Dortmunds Gründungslokal war, stehen vier Jungs in Schwarz-Gelb, jubeln, tanzen und singen den Hit des Tages: „Ein Schuss, kein Tor - die Bayern!“ Vornehmlich mütterlich-weibliche Fans zücken ihre Handys und filmen die Vier: „Das ist das Süßeste, was ich heute gesehen habe“, haucht eine Dame in Gelb.

Die nächste Party-Idee

Wie soll das alles nur weitergehen? Wie lässt sich das alles noch toppen? Der Korso kriecht durch die Stadt. Und fast unbemerkt am Rand steht Marion, Rückennummer 17. Sie hat die rettende Idee für eine nächste Party. Sie lässt einen Luftballon in Form des Champions-League-Pokals steigen.