Konzert

Klangwelten - Schiller zelebriert die leisen Töne

Christopher von Deylen kam mit seinem Projekt Schiller auf seiner Klangwelten - Tour ins Konzerthaus Dortmund.

Foto: Stefan Reinke

Christopher von Deylen kam mit seinem Projekt Schiller auf seiner Klangwelten - Tour ins Konzerthaus Dortmund. Foto: Stefan Reinke

Dortmund  Elektro-Musiker Christopher von Deylen hat seine oftmals opulenten Werke abgespeckt. „Klangwelten“ ist eher etwas zum Lauschen denn zum Tanzen.

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Wenn der Musiker Christopher von Deylen auf Tour geht, füllt er die großen Arenen. Mit aufwändigem Set bietet der Tüftler eine ausgefeilte und mit Bombast ausgestattete Show, die optisch und klanglich keine Wünsche offen lässt. Seine Tourneen unter dem Titel „Klangwelten“ bieten ein Kontrastprogramm: kleinere Bühnen, leisere Töne, weniger Licht.

Zum Auftakt seiner aktuellen Tour kam Schiller ins Dortmunder Konzerthaus und zeigte sich angetan von der Location: „Ich wusste nicht, dass Dortmund ein Konzerthaus hat, das von außen und innen so schön ist“, lobte der Künstler nach seinem Intro.

Wenig Interaktion mit dem Publikum

Ansonsten hält sich sich die Interaktion des Künstlers mit dem Publikum in engen, sehr engen Grenzen. Umzingelt von Synthesizern ist von Deylen vollends damit beschäftigt, Knöpfe zu drücken, Regler zu drehen und Keyboards zu spielen - was Elektroniker auf der Bühne eben so machen. Flankiert wird von Deylen von einem Drummer, der seine akustischen und elektronischen Drums zumeist wohl dosiert einsetzte, und einem Mann an Gitarre und Keyboards.

„Klangwelten“ bedeutet eine stark reduzierte Form elektronischer Musik. Schiller verzichtet auf tanzbare Stücke und auch fette Bests sind weitgehend nicht vorhanden. Sphärenklänge und Sequenzen schweben stattdessen in feinem Surround-Sound durch den Saal und lassen so manchen im Publikum den Kopf leicht zur Seite neigen - zuhören ist angesagt. Oder berieseln lassen.

Die Musik rückt in den Vordergrund

Trotz oder wegen ihrer Reduziertheit rückt die Musik ganz in den Vordergrund. Das Licht ist spärlich, die Musiker verschwinden oftmals ganz im Dunkel der Bühne. Allzu oft nervt ein penetrant und beinahe schon schmerzhaft blendender Spot an von Deylens Synthesizer-Phalanx das Publikum. Das Licht sticht direkt ins Auge, sodass noch weniger von den Musikern zu sehen ist. Das trübt den an sich gelungenen Gesamteindruck der Show und sollte dringend geändert werden.

Mit der einerseits spärlichen, andererseits blendenden Beleuchtung lässt Schiller das Publikum ein wenig im Unklaren darüber, was er da gerade macht. So ähnelt der Auftritt ein bisschen dem Videobeweis im Fußball: Das Publikum sieht, dass etwas passiert, versteht aber nicht, was.

"Die Knöpfe wollen auch angeguckt werden"

Am Ende seines zweistündigen Konzerts findet der Künstler doch noch ein paar Worte - und entschuldigt sich ein wenig schüchtern für seine sparsame Bühnenpräsenz: „Danke, dass ihr hiergewesen seid. Wir haben leider nicht so viel von euch gesehen, weil wir hier die ganze Zeit beschäftigt waren. Das sind doch relativ viele Knöpfe und die wollen auch angeguckt werden.“ Das Publikum wird es ihm verzeihen. Christopher von Deylen ist eher ein musikalischer Nerd und keine Rampensau – und muss es auch nicht sein. Er lässt lieber seine Musik sprechen. Das ist ihm zum Tourauftakt gelungen.

Die von von Deylen so gelobte Lokalität wird am 16. Januar 2018 abermals Schauplatz eines „Klangwelten“-Konzerts – dann kehrt er nach Dortmund zurück.

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