Urteil

14 Jahre Haft für BVB-Attentäter Sergej W. wegen 29-fachem Mordversuchs

Nach dem Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund ist der Attentäter am Dienstag zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Nach dem Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund ist der Attentäter am Dienstag zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Dortmund.  Nach dem Anschlag auf die Fußballer von Borussia Dortmund wurde der Bombenleger Sergej W. wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt.

29 Menschenleben hatte Sergej W. fast ausgelöscht, durfte auf Milde kaum hoffen. Doch vor dem Landgericht Dortmund fand der 29 Jahre alte Elektrotechniker aus Baden-Württemberg gnädige Richter. Für den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund ersparten sie ihm am Donnerstag die von der Staatsanwaltschaft beantragte lebenslange Haft und verurteilten ihn wegen 29-fachen Mordversuchs zu 14 Jahren Gefängnis.

Auf Kritik, gar Empörung stieß die Kammer mit ihrer Entscheidung nicht. Staatsanwalt Carsten Dombert, der in seinem Plädoyer keine Alternative zu lebenslanger Haft gesehen hatte, will “das jetzt erst einmal sacken lassen”. Ob er Revision einlege, wolle er in Ruhe prüfen. Rechtsanwalt Alfons Becker, der die BVB-Spieler in der Nebenklage vertrat, zeigte sich zufrieden: “Für uns war wichtig, dass es sich um ein Tötungsdelikt handelt, nicht nur um eine gefährliche Körperverletzung.” Auch das Strafmaß sei in Ordnung, meinte er: “Lebenslang dauert meist 15 Jahre, da sind die 14 Jahre kein großer Unterschied.”

Auch Verteidiger Carl W. Heydenreich, der vehement gegen ein Tötungsdelikt argumentiert hatte und nur eine Strafe unter zehn Jahren Haft akzeptieren wollte, hielt sich zurück. Ob Revision eingelegt werde, wisse er noch nicht: “Wenn Sie mit der Erwartung einer lebenslangen Haft zu einem Urteil fahren, sind Sie ganz froh, wenn eine zeitige Strafe herauskommt.”

Richter spricht von narzisstischer Persönlichkeit

Und Sergej W., der seine Geldprobleme mit dem Anschlag lösen wollte? Der saß in fast stoischer Gleichmut auf der Anklagebank, nahm das Urteil nach außen gefasst entgegen.

In seiner einstündigen Urteilsbegründung hatte Richter Peter Windgätter von der narzisstische Persönlichkeit des “eher schüchternen” Mannes gesprochen. Mit einem 40.000 Euro-Kredit der Postbank hatte er “hochriskante” Optionsscheine gekauft, um von einem nach dem Anschlag fallenden Kurs der BVB-Aktie zu profitieren.

Der Richter sprach von einer akribischen Planung, zu der die Umsetzung nicht ganz gepasst habe. Sergej W. hatte sich sogar die Mühe gemacht, am Tatort mehrere in Belgien gekaufte Lebensmittel zu hinterlassen, um den Verdacht auf dort lebende islamische Terroristen zu lenken. Allein: Die Börse zeigte gar keine Reaktion auf den Anschlag. Und auf Sergej W. wäre man laut Gericht schnell gekommen: “Wer sonst kauft denn Optionsscheine in der Menge auf den BVB?”

Sergej W. handelte aus Sicht des Gerichtes mit “bedingtem Tötungsvorsatz"

Knapp beschäftigte das Schwurgericht sich mit der Frage, ob Sergej W. die Spieler nur habe erschrecken wollen, wie er behauptet hatte. Aber da war die schwere Verletzung des Spielers Marc Bartra, dem der Sprengsatz den Arm gebrochen hatte. Ein eskortierender Motorradpolizist hatte zudem ein Knalltrauma erlitten und ist dienstunfähig.

Dass die von den drei Bomben herausgeschleuderten Metallstifte eigentlich über den Bus fliegen sollten, nahm das Gericht dem Angeklagten nicht ab. Windgätter: “Dann hätte er die Richtung wie bei einem Feuerwerkskörper auch nach oben in die Luft bringen können.”

So hat Sergej W. aus Sicht des Gerichtes mit “bedingtem Tötungsvorsatz” gehandelt und den Tod von Menschen “billigend in Kauf genommen”. Windgätter: “Drei Mordmerkmale hat er erfüllt. Einmal Habgier, dann Heimtücke und mit gemeingefährlichen Mitteln.”

Auch das Schwurgericht hatte an eine lebenslange Haft gedacht. Dafür, so Windgätter, spreche die “Planung von langer Hand”, die “nicht unerhebliche Zahl der potenziellen Opfer und die “akribische Vorbereitung”.

Aber das Gericht habe auch strafmildernde Gesichtspunkte gesehen. Da sei das Teilgeständnis, die Anerkennung von Schmerzensgeldansprüchen, die Entschuldigung bei den Opfern und dass er bislang nicht vorbestraft sei. Außerdem sei die U-Haft für ihn “sicher kein Zuckerschlecken”.

So sei die Kammer zu den 14 Jahren gekommen. Der Fall sei sicher ganz außergewöhnlich, hatte Windgätter anfangs bemerkt. Die Kammer habe ihn trotzdem als “ganz normalen Kriminalfall nach den Regeln der StPO behandelt”. Und das, meinte der Richter, “ist uns nach unserer Auffassung ganz gut gelungen”.

Kein Kommentar vom BVB zum Urteil

Borussia Dortmund wollte das Urteil am Dienstag auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel gegen Brügge nicht kommentieren. Sprecher Sascha Fligge: "Ich bitte um Verständnis dafür, dass wir uns heute komplett dem Spiel widmen. Das Thema ist intern ohnehin schon lange besprochen und aufgearbeitet. Wir beschäftigen uns nur mit dem Spiel und schauen nach vorne."

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