Live-Musik

Way Back When: Das Dortmunder Festival für Genießer

Musikalisch definitiv stillvoller als modisch: Portugal. The Man-Sänger John Gourley.

Foto: Tamara Reuter

Musikalisch definitiv stillvoller als modisch: Portugal. The Man-Sänger John Gourley. Foto: Tamara Reuter

Dortmund.  Das Alternative-Event in FZW, U und Pauluskirche etabliert sich mit seiner vierten Ausgabe endgültig in den Herzen der Musikliebhaber.

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Musik-Festivals im Ruhrgebiet – irgendwie zwei Begriffe, die häufig nicht so recht zueinander passen wollen. Jedenfalls, wenn man den Blick über den Tellerrand der Superstars scheut. Die Macher des „Way Back When“ in Dortmund gehen einen anderen Weg: Man nehme mit dem FZW, dem „View“ im U und der Pauluskirche drei geschmackvolle, fast nebeneinander liegende Locations, bucht zahlreiche inländische Newcomer, den ein oder anderen Geheimtipp aus dem Ausland, der sich auf deutschen Bühnen beweisen will und einen größeren international bekannten Act pro Festivaltag, der kostendeckende Zuschauerzahlen garantiert.

Spielt dieser dann so auf, wie es Portugal. The Man am Samstagabend in der großen Halle des FZW taten, sind sowieso alle glücklich. Leichtfüßig und mit viel Spaß bei der Sache spielt sich das Quintett um Sänger John Gourley durch die nunmehr schon neun Alben der Bandgeschichte, der ganz große Hit „Feel It Still“, der mittlerweile fast 30 Millionen Klicke auf YouTube generiert hat, reißt dann kurz nach Mitternacht auch die letzten müden Beine im mit knapp 1300 Besuchern bestens gefüllten FZW mit.

Eine Wand aus Schall

Deutlich melancholischer, aber nicht minder hochklassig beendeten Slowdive den Freitagabend. Wie gut, dass die Shoegaze-Truppe rund um Sänger und Gitarrist Neil Halstead und die auf einem Ohr taube Sängerin Rachel Goswell nach knapp 20 Jahren wieder zusammengefunden hat. Warme, verhallte und dadurch brüllend laute Gitarrenwände kombinieren sich mit dezentem, punktgenauen Schlagzeugsspiel und Goswells Engelsstimme zu einem Genuss für die Sinne. Zumindest, solange man Ohrenstöpsel trägt.

Darüber hinaus fällt auf, dass fast jeder anwesende Act irgendwelche Besonderheiten bietet. Wie der Londoner Songwriter Jake Isaac, der seinen Auftritt mitten im Set ins Publikum verlegt und seinem kleinen Sohn ein Stück widmet, welches er nur mit Akustikgitarre und ohne Mikro intoniert. Wie der österreichische Liedermacher Voodoo Jürgens, der seine mit Akkordeon und Kontrabass garnierten Austropop mit ganz viel „Wiener Schmäh“ würzt und das Publikum nach zwei Stücken fragt, ob es denn überhaupt irgendetwas versteht.

Wie die 17-jährigen Teenager von Van Holzen, die einen derart wuchtigen und ausgereiften Mix aus Stoner, Grunge und Blues-Rock spielen, dass man sich fragt, warum man sich in deren Alter nicht mit Musik beschäftigt, sondern mit binomischen Formeln rumgeplagt hat. Wie die Berliner Mädels von Gurr, die ihren 60s-Rock n' Roll mit unfassbar charmanten und witzigen Zwischenansagen garnieren. Wie der herrlich schnöselige Max Gruber, der mit seiner Band Drangsal den klassischen 80er-Postpunk ins Hier und Jetzt rettet. Und das alles bei glasklarem Sound, für welchen man die verantwortlichen Tontechniker eigentlich auf Händen tragen müsste.

Der Termin für nächstes Jahr steht schon

Wie gut, dass im Anschluss an den abschließenden Auftritt des Viersener Disco-Pop-Projekts Roosevelt direkt der Termin für das kommende Jahr bekanntgegeben wurde. Zwischen dem 28. und 30. September finden auch wir dann gerne wieder den „Way Back“ nach Dortmund.

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