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Racheaktion? Ärger wegen Zirkus-Plakaten in Düsseldorf

Um die Plakate vom „Circus Paul Busch“, hier am Comenius-Gymnasium in Düsseldorf-Oberkassel, ist ein Streit entbrannt.

Um die Plakate vom „Circus Paul Busch“, hier am Comenius-Gymnasium in Düsseldorf-Oberkassel, ist ein Streit entbrannt.

Foto: oh

Düsseldorf.  Stadt hat bei der Werbung des „Circus Paul Busch“ kein Vergehen festgestellt. Zirkus-Chef Henry Frank glaubt an Racheaktion von Tierschützern.

In Düsseldorf ist es üblich, in anderen Städten auch: Zirkusse machen Werbung und hängen ihrer Plakate an gut sichtbaren Stellen in ihren Gastspielorten auf. Dabei müssen Regeln eingehalten werden. Ob das der derzeit auf dem Staufenplatz gastierende „Circus Paul Busch“ getan hat, ist zumindest fraglich.

Bei unserer Redaktion meldeten sich Leser, die sich wegen wilder Plakatierung beschwert haben. Angeblich, so hieß es, haben die Plakate nicht die kleinen Aufkleber (Siegel), die bei der Stadt gekauft werden und auf die Plakate geklebt werden müssen. Damit will die Stadt ein Überangebot an Plakaten verhindern.

Geregelt sind die Anträge und Genehmigungen zur Plakatierung in der Satzung für Sondernutzung an öffentlichen Straßen. Die Aufkleber werden gleichzeitig mit der Genehmigung herausgegeben.

„Wir haben alle Regeln eingehalten“

Der Zirkus sagt, er habe sich an alle städtische Regeln gehalten. „Wir haben bei der Stadt die Aufkleber gekauft und damit die Plakate gekennzeichnet, die auf städtischen Grundstücken stehen“, sagt Zirkus-Chef Henry Frank (45). Er betont sogar, dass man sich an alle Vorgaben der Stadt gehalten habe, denn nicht überall dürften Plakate hingestellt oder hingehängt werden. „In wenigen Fällen haben wir von der Stadt eine Mail bekommen und unsere Plakate woanders aufgestellt.“

Viele Plakate des „Circus Paul Busch“ wurden aber auch auf Privatgrundstücke aufgehängt. „Da fragen wir dann den Besitzer eines Zaunes, ob wir das dürfen“, sagte Henry Frank. Gegen ein paar Freikarten sei dies normalerweise kein Problem. Dafür werden aber dann keine städtischen Siegel benötigt.

Das bestätigte auch die Stadt Düsseldorf: „Der Circus Busch hat eine Genehmigung bis zum 20. September für 50 Plakate im öffentlichen Raum.“ Dass auf Privatgrundstücken möglicherweise auch wild plakatiert wurde, kann die Stadt nicht ausschließen, zuständig ist sie dafür jedenfalls nicht, erklärt ein Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion.

Doch auch dass mehr Plakate in der Stadt zu sehen sind, als genehmigt wurden, ist der Ordnungsbehörde nicht bekannt. Laut Tarif zahlt der Zirkus 45 Cent pro Plakat pro Tag. Wären die Plakate ohne Erlaubnis aufgehängt oder aufgestellt worden, hätte das Ordnungsamt die doppelte Mindestgebühr erheben können, das wären 480 Euro gewesen. Außerdem wären die nicht genehmigten Plakate vom Straßenbaulastträger entfernt worden.

„Man will uns einen Strick drehen“

Trotzdem hat Zirkus-Chef Frank am Montag erfahren, dass man sein Unternehmen offenbar wegen angeblich wilder Plakatierung belangen will. „Das ist wohl die Rache von den sogenannten Tierschützen“, die uns sowieso nicht in der Stadt haben wollen“, sagte Frank. Denn: Weil er von der Stadt ursprünglich keine Spielgenehmigung wegen des in Düsseldorf geltenden Wildtier-Verbots für Zirkusse bekommen hatte, verklagte er Düsseldorf vor dem Verwaltungsgericht – und bekam Recht. Der Zirkus darf nun auf dem Staufenplatz spielen, obwohl er fünf Kamele dabei hat. „Jetzt versucht man anders, uns einen Strick zu drehen“, ist Henry Frank traurig.

Auch in den sozialen Netzwerken gab es schon zahlreiche Reaktionen auf das Gastspiel. Viele äußern ihr Unverständnis für die Tierhaltung bei einem Zirkus und fragen, wieso es überhaupt Tiere in einer Manege geben muss. Die Zirkusgegner rufen deshalb auch zum Boykott auf.

Zirkus-Plakate sind verschwunden

Frank hat hingegen schon festgestellt, dass in Düsseldorf bereits zahlreiche Plakate seines Zirkusses verschwunden sind. Wer es war, weiß er nicht und kann es nicht nachweisen. Er vermutet aber: „Das waren auch die Zirkus-Gegner.“ Mit der Stadt jedenfalls hat der „Circus Paul Busch“ derzeit keine weiteren Probleme zu befürchten. Das Ordnungsamt hat bisher keine Verstöße festgestellt.

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