Umweltschutz

Große Enttäuschung über Diesel-Gipfel

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Stinkende Luft: Der Dieselgipfel war eine Reaktion auf Skandale. Mit dem Ergebnis ist der Verkehrclub mehr als unzufrieden. Foto:Alexander Rüsche

Stinkende Luft: Der Dieselgipfel war eine Reaktion auf Skandale. Mit dem Ergebnis ist der Verkehrclub mehr als unzufrieden. Foto:Alexander Rüsche

Düsseldorf.   Der Verkehrsclub Deutschland setzt sich dennoch in der NRW-Landeshauptstadt weiter für die Umwelt ein.

Das Ergebnis des Dieselgipfels am Mittwoch in Berlin lässt anscheinend viele Düsseldorfer alleine im Regen – oder aber: am luftverpesteten Straßenrand – stehen. „Alle bisherigen Gerichtsurteile sagen, es müsse jetzt etwas Echtes getan werden. Der Gipfel hat aber nichts Echtes hervorgebracht“, sagte gestern Iko Tönjes, Düsseldorfer und NRW-Vorstand des Verkehrsclubs Deutschlands. Die Politik habe den Club „von der Kumpanei der Bundesbehörden mit der Autoindustrie bis zur Mutlosigkeit der Ratsmehrheit in Düsseldorf“ auf ganzer Linie enttäuscht. Die Software-Updates auf freiwilliger Basis, die Ausweitung bestehender Förderprogramme und der Beschluss des Fonds „Nachhaltige Mobilität für die Stadt“, die 28 stark belastete EU-Städte wie Düsseldorf mit insgesamt 500 Millionen Euro unterstützt, sind dem Verkehrsclub nicht genug.

Autoverkehr um 20 Prozent reduzieren

In Düsseldorf wird bei der Bezirksregierung nun an einem neuem Luftreinhalteplan gearbeitet. Der Verkehrsclub hat dafür zwölf Aktionsthemen ausgearbeitet und vorgestellt. Dazu gehören unter anderem Unterstützungen der öffentlichen Verkehrsmittel und des Fahrradfahrens. „Unsere Maßnahmen würden den Autoverkehr in Düsseldorf um 20 Prozent reduzieren“, sagt Tönjes. Der Verkehrsclub ist mit der Stadt, dem ADAC, der Rheinbahn der Taxi-Innung und vielen anderen Teil der Projektgruppe, die sich um den Plan kümmert. Bis zum Herbst soll „etwas auf dem Tisch liegen“.

Fahrverbote drohen auch in Düsseldorf

Die Mitglieder des Verkehrsclubs befürchten wie viele andere auch, dass es zu Fahrbeschränkungen in der Innenstadt kommen wird. „Dabei will das Gericht nicht, dass ab morgen die Stadt dicht ist, sondern das wir ein brauchbares Konzept haben“, so Iko Tönjes. Die Deutsche Umwelthilfe hatte das Land NRW verklagt. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichts wurde die Bezirksregierung verurteilt, den Luftreinhalteplan für die Rheinmetropole von 2013 zu verschärfen. Dies war nicht die einzige Klage in den letzten Jahren im Bereich Umweltschutz. Der Verkehrsclub Deutschland nimmt die Verantwortung der Menschheit „konkrete politische Vereinbarungen auf Weltebene“ einzuhalten ernst. „Der 12-Punkteplan ist kein Schnellschuss, sondern unsere Überzeugung seit Mitte der 1980er Jahre“, so der Clubvorstand.

Bessere Radwege und öffentliche Verkehrsmittel

Die Mitglieder des Verkehrsclubs wollen die Sorgen der Anwohner wie Angst vor unsicherem Radfahren, beispielsweise durch bessere Radwege vermindern. Auch mangelnde Kommunikation über Alternativen à la „ ich brauche doch das Auto für Wocheneinkäufe“ soll verbessert werden. Das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll angenehmer werden, zum Beispiel durch dichter getaktete Bus- und Bahnfahrten.

Pull- und Push-Faktoren: Politiker überzeugen

Solche attraktive Alternativen zum umweltschädigendem Verkehrsverhalten bezeichnet Tönjes als „Pull-Faktoren“ (englisch für „heranziehen“): Dafür Zustimmung zu gewinnen unter Politikern und damit unter der Bevölkerung sei einfach. Anders sieht es bei den Push-Faktoren (englisch für „drücken, stoßen“), also Maßnahmen wie teueres Parken. Viele Politiker, Firmen und Verbände sind dagegen. „Dabei ergeben Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung dafür ist.“, so Tönjes. „Je länger wir mit den Maßnahmen warten, desto krasser werden die Probleme.“

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