Immobilien

Deutsche Wohnen kauft in Düsseldorf

Die Düsseldorfer Mieter der „Akelius“ wissen es noch nicht: Ihre mehr als 1000 Wohnungen sollen an den umstrittenen Berliner Immobilienkonzern „Deutsche Wohnen“ verkauft werden.

Die Düsseldorfer Mieter der „Akelius“ wissen es noch nicht: Ihre mehr als 1000 Wohnungen sollen an den umstrittenen Berliner Immobilienkonzern „Deutsche Wohnen“ verkauft werden.

Foto: Foto: Boris Roessler / dpa

Düsseldorf.   Der umstrittene Berliner Immobilienkonzern will mehr als 1000 Wohnungen von der schwedischen Akelius übernehmen. Mieter noch nicht informiert.

Der schwedische Immobilienkonzern Akelius zieht sich aus dem Düsseldorfer Wohnungsmarkt zurück. Das Unternehmen verkauft seinen gesamten Bestand an die Deutsche Wohnen – einen börsennotierten Immobilienkonzern aus Berlin, der immer wieder scharf für seine renditeorientierte Politik kritisiert wird. Akelius bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass 1101 Wohnungen in Düsseldorf an die Deutsche Wohnen verkauft werden. Auch in anderen Städten verkauft Akelius an die Deutsche Wohnen, insgesamt wechseln 2839 Wohneinheiten den Besitzer.

Transaktion bestätigt

Auch die Deutsche Wohnen bestätigte die Transaktion. Eine Sprecherin teilte jedoch mit, der Verkauf sei noch nicht vollständig vollzogen. Als Zeitraum nannte sie das dritte Quartal 2019. Bis dahin soll die Tinte unter den Verträgen also vollständig trocken sein. „Bestimmte vertragliche Dinge müssen noch geregelt werden“, sagte Ralf Spann, Geschäftsführer und Head of Europe von Akelius. Da der Verkauf nicht vollzogen sei, habe man auch die Mieter noch nicht informiert, teilten beide Unternehmen übereinstimmend mit.

Wohnungen in zentralen Lagen

Welche Wohnungen genau betroffen sind, wollten die Unternehmenssprecher nicht genau sagen. Laut Spann sind die Stadtbezirke 1, 2 und 3 betroffen, unter anderem die Stadtteile Derendorf, Friedrichstadt, Pempelfort, Stadtmitte, Bilk, Unterbilk, Oberbilk und Flingern. Da Akelius sich dem Vernehmen nach vollständig aus Düsseldorf zurückzieht, folgt daraus, dass alle aktuellen Akelius-Mieter betroffen sind. Die Deutsche Wohnen teilte mit, es handele sich um Wohnungen „in vornehmlich Alt- und Nachkriegsbauten in zentraler Lage Düsseldorfs. Die Wohnungsgrößen sind vergleichbar mit unserer durchschnittlichen Wohnungsgröße von rund 60 Quadratmetern.“ Fast alle seien aktuell vermietet.

Akelius ist nach eigenen Angaben die größte börsennotierte Immobiliengesellschaft Schwedens. Man besitze 47.000 Apartments in Schweden, Deutschland, Frankreich, Kanada, England und den Vereinigten Staaten, heißt es auf der Unternehmenswebsite. In Zukunft will sich Akelius noch mehr als zuvor auf Weltmetropolen wie Berlin, London, Paris und New York konzentrieren. In Düsseldorf verkauft das Unternehmen nach eigenen Angaben seine Immobilien, um seine wirtschaftliche Stabilität zu sichern. „Wir wollen ein besseres Rating durch geringere Verschuldungsraten erreichen“, so Spann. Mit einem besseren Rating können Unternehmen günstiger Geld von Banken leihen.

Konzentration auf wirtschaftlich starke Metropolregionen

Die Deutsche Wohnen teilte mit, mit dem Kauf dieses Portfolios folge man der Strategie, sich „auf wirtschaftlich starke Metropolregionen in Deutschland“ zu konzentrieren. In Düsseldorf besitzt die Deutsche Wohnen bislang nach eigenen Angaben 769 Wohnungen, im Rheinland insgesamt 5400.

Die Deutsche Wohnen steht seit längerer Zeit in der Kritik. Ihr wird vorgeworfen, stark renditeorientiert zu arbeiten und beispielsweise das Maximum an Mieterhöhungen durchzusetzen. Dazu zieht die Deutsche Wohnen auch vor Gericht – häufig erfolgreich. Das Unternehmen steckt viel Geld in Modernisierungsmaßnahmen, vor allem die energetische Sanierung von Gebäuden. Die Kosten können zum Großteil auf die Mieter umgelegt werden – wodurch die Mieten weiter steigen.

Besonders in Berlin ist das Unternehmen unbeliebt. Dort starteten Aktivisten die Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. Ziel ist, dass der Senat private Wohnungsgesellschaften mit mehr als 3000 Wohnungen vergesellschaftet.

„Aus Berlin hört man einiges“

„In Düsseldorf haben wir von der Deutsche Wohnen noch nicht so viel gehört“, sagt Hans-Jochem Witzke, erster Vorsitzender des Düsseldorfer Mietervereins. „Aber aus Berlin hört man einiges. Wer sich so asozial in einer sozialen Marktwirtschaft verhält, bei dem müsste man eigentlich wirklich mal über eine Enteignung nachdenken.“ Witzke sagte weiter, Unternehmen wie die Deutsche Wohnen brächten die ganze Branche in Misskredit. „Es gibt ja auch viele seriöse Vermieter, die sehr sozial agieren.“ Der Mieterverein werde ein Auge darauf haben, wie die Deutsche Wohnen sich in Düsseldorf verhalten werde. Ehemalige Akelius-Mieter müssten in keinem Fall einen neuen Mietvertrag eingehen, sagte Witzke. „Kaufvertrag bricht nicht Mietvertrag.“ Anders gesagt: Das Mietverhältnis, das Mieter mit Akelius eingegangen seien, habe auch mit dem neuen Eigentümer weiter Bestand. Er empfehle weiter, erst dann Miete zu überweisen, wenn der alte Vermieter den Verkauf bestätigt habe. Sollte Akelius eine Betriebskostenabrechnung schicken, sei es ratsam, diese sehr genau zu überprüfen, auch auf Auffälligkeiten gegenüber den Vorjahren. Und sofern die Deutsche Wohnen Mieterhöhungen durchsetzen wolle, empfehle er, nicht sofort zuzustimmen, sondern sie zunächst prüfen zu lassen – durch einen Anwalt oder die Juristen des Mietervereins.

Ob Modernisierungs- oder Sanierungsmaßnahmen für die neu aquirierten Düsseldorfer Wohnungen anstehen, sagt die Deutsche Wohnen nicht. Auch zur Frage, ob Mieterhöhungen geplant sind, schweigt das Unternehmen. Diese Fragen werde man erst nach vollzogenem Kauf beantworten, hieß es.

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