OB-Stichwahl

Düsseldorf: Geisel macht den Grünen ein verlockendes Angebot

Thomas Geisel (SPD), Oberbürgermeister von Düsseldorf, gibt nach den ersten Hochrechnungen ein Interview.

Thomas Geisel (SPD), Oberbürgermeister von Düsseldorf, gibt nach den ersten Hochrechnungen ein Interview.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Düsseldorf.  Vor der OB-Stichwahl am 27. September lockt der Düsseldorfer Amtsinhaber mit dem Verkehrsdezernat. Mit Keller weiter Streit ums Thema Mobilität.

Am Donnerstag steigt die Grünen-Mitgliederversammlung, in der die Partei darüber entscheiden will, ob sie eine Empfehlung für die OB-Stichwahl am 27. September abgibt. Einen Tag zuvor meldete sich nun Amtsinhaber Thomas Geisel (SPD) zu Wort und machte den Grünen ein Angebot. Er verwies dabei auf die Ausschreibung für einen Beigeordneten für Verkehr. „Die Aufgabe, moderne Mobilität für die nächsten Jahrzehnte zu organisieren, ist eine der zentralen Herausforderungen. An dieser Stelle kann ich mir auch sehr gut eine grüne Verkehrsdezernentin vorstellen“, warb Geisel. Die Grünen haben nach ihrem starken Abschneiden bei der Kommunalwahl aktuell alle Trümpfe in der Hand und können entscheiden, welche politische Mehrheit es künftig im Rat gibt.

Die Grünen-Antwort kommt prompt

Die Grünen antworteten am Mittwoch prompt. „Für uns wäre bei der Besetzung des Verkehrsdezernats nicht ein grünes Parteibuch ausschlaggebend, sondern die Frage nach Kompetenz und Gestaltungswillen für eine grüne Verkehrspolitik“, so Düsseldorfs Grünen-Chefin Paula Elsholz

Nur zwei Tage nach der Kommunalwahl haben sich indes beiden verbliebenen OB-Kandidaten zum ersten Duell vor Publikum getroffen. Im Maxhaus diskutierten Amtsinhaber Geisel und Herausforderer Stephan Keller (CDU) über die wichtigsten Themen im Wahlkampf. Beim Thema Mobilität gibt es nach wie vor den größten Dissens.

Geisel: Auto ist das „ineffizienteste Verkehrsmittel“

Geisel ist der Ansicht, dass das Auto das „ineffizienteste Verkehrsmittel“ ist. Man müsse die Alternativen fördern. Er nannte die Verlängerung der 701, die Weiterplanung der U81 und Investitionen in die Rheinbahn als Erfolge seiner Amtszeit. Die umstrittenen Umweltspuren verteidigte er als Erfolg gegen ein gerichtliches Fahrverbot. Auch Keller will für eine Verkehrswende antreten, warf Geisel aber etliche Missschläge vor. Es gehe „weniger um eine politische Frage als eine Frage des Managements“.

Keller will zwar in den ÖPNV investieren und Bahnstrecken planen, die Umweltspuren will er aber abschaffen. Stattdessen will er „vernünftige Ampelschaltungen“, die eine grüne Welle erzeugen und den Verkehr „im Fluss“ halten – was weniger Abgase erzeuge als Stau. Geisel widersprach: Eine grüne Welle fürs Auto benachteilige andere Verkehrsteilnehmer und funktioniere nicht.

Vorbilder sind andere Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Helsinki

Geisel legte am Mittwoch in einer Mitteilung seines Wahlkampf-Teams noch einmal nach: Eine Verkehrspolitik, die das Auto weiterhin zum Maß aller Dinge mache, sei von gestern. Eine Aussage wie ‚Der Verkehr muss fließen‘ klinge banal, meine aber tatsächlich Vorrang für das Auto und bringe nur noch mehr Autos, Lärm und Abgase in die Stadt. „Die anderen Verkehrsteilnehmer, also Radfahrer, Fußgänger und insbesondere die vielen Nutzer von Bus und Bahn ziehen den Kürzeren. Das ist der falsche Weg“, so Geisel. „Wir müssen auf effiziente Verkehrsträger wie Bus, Bahn und Fahrrad setzen.“ Man sollte auch zur Kenntnis nehmen, „dass viele Menschen in der Stadt das schon längst machen. Die Zahl der Radfahrer hat zum Beispiel deutlich zugelegt. Wir brauchen eine moderne, zukunftsfähige Verkehrspolitik, die gleichzeitig auch dem Klimaschutz dient und sich am Vorbild anderer Städte, wie Kopenhagen, Amsterdam oder Helsinki orientiert“

Am Sonntag hatte Keller 34,2 Prozent der Stimmen geholt – und war damit fast acht Prozentpunkte vor Geisel (26,3 Prozent) gelandet. Die Entscheidung fällt am 27. September in einer Stichwahl.

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