Politik

Düsseldorf: Reaktionen auf OB-Kandidatur von Stephan Keller

Keller war von 2011 bis 2016 Beigeordneter in Düsseldorf und wechselte dann in die Kölner Verwaltung. (Archivbild)

Keller war von 2011 bis 2016 Beigeordneter in Düsseldorf und wechselte dann in die Kölner Verwaltung. (Archivbild)

Foto: Marius Becker / dpa

Düsseldorf.  Die Düsseldorfer CDU schickt Stephan Keller, den Kölner Stadtdirektor ins Rennen um den OB-Posten. So reagiert die Düsseldorfer Politik darauf.

Eigentlich wollte die CDU erst nächste Woche die Katze aus dem Sack lassen. Aber wohl durch eine Indiskretion läuft der Name schon seit Mittwochmorgen über den Ticker. Jetzt also doch: Stephan Keller, der vor einem Jahr noch eifrig abgewunken hatte, wird für die CDU als OB-Kandidat ins Rennen gehen. Der frühere Düsseldorfer Ordnungs- und Verkehrsdezernent, der aktuell als Kölner Stadtdirektor in Amt und Würden ist, „steht zur Verfügung“, wie er nun öffentlich verlauten ließ.

„Düsseldorf scheint für ihn wohl nur die zweite Wahl zu sein“, sagt der Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus. „Vor einem Jahr sagte er ja noch, er wolle nicht kandidieren. Von unserer Seite heißen wir ihn jedenfalls willkommen zurück in Düsseldorf und freuen und auf die Auseinandersetzung“, so Rimkus.

Stephan Keller lebt nach wie vor im Düsseldorfer Süden

Keller lebt nach wie vor im Düsseldorfer Süden im Stadtteil Wersten. Laut eigener Aussage fährt der 49-Jährige immer noch hin und wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit. Das hat er schon in der Landeshauptstadt gemacht, er war von 2011 bis 2016 Dezernent für Verkehr, Recht und Ordnung.

CDU-Parteichef Thomas Jarzombek soll die Kandidatensuche gemeinsam mit Fraktionschef Rüdiger Gutt vorangetrieben haben. Keller war von Beginn an ein möglicher Kandidat für die Kommunalwahl 2020 – neben Hildegard Müller und Olaf Lehne.

Keller war auch am OB-Posten in Köln interessiert, aber die amtierende Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist von einem breiten Bündnis mit CDU-Beteiligung erneut nominiert worden. Der Jurist Keller war damit so gut wie raus. Zudem gibt es Ärger mit den Kollegen vom Kölner Bauaufsichtsamt und dem Amt für Straßen- und Verkehrsentwicklung. Dort wird über Arbeitsüberlastung geklagt. Keller wies die Vorwürfe zurück: „Das hat mit der Realität nichts zu tun.“

Stephan Keller: Für viele CDUler ein Wunschkandidat

In Reihen der Düsseldorfer CDU wird die Personalie mit Wohlwollen aufgenommen. „Keller war von Anfang an mein Wunschkandidat“, sagt etwa Ratsherr Giuseppe Saitta, der in der Fraktion großen Einfluss hat. Keller habe als Dezernent in Düsseldorf immer das Wohl der Bürger im Auge gehabt. „Die Tatsache, dass unter neuer Regierung viele Mitarbeiter das Dezernat verlassen haben, spricht da für sich.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann, OB-Kandidatin der FDP, zeigte sich überrascht von Kellers Kandidatur: „Jetzt flüchtet er wieder nach Düsseldorf, obwohl er dies mehrmals abgelehnt hat.“ Dass er todunglücklich sei in Köln, sei bereits bekannt“, sagt Strack-Zimmermann weiter. „In seiner Zeit in Düsseldorf hat er als Verkehrsdezernent keine Innovationen in Hinsicht auf die Verkehrswende hervorgebracht“, kritisiert sie. „Das Düsseldorfer Kulturgut der Gaslaternen hätte er fast zerstört und als Ordnungsdezernent versuchte er, den Alkoholverzehr auf der Straße zu verbieten. Auch damit kam er nicht durch“, so Strack-Zimmermann weiter. „Dann rettete er sich nach Köln. Und da es dort nun auch nicht läuft, versucht er sich zurück zu retten nach Düsseldorf.“

Ebenso unerwartet kommt Keller für den Düsseldorfer Linken-Chef Udo Bonn: „Ich glaube, dass bei der CDU nach den vielen Absagen die Not nun so groß ist, dass Kellers ablehnende Haltung umgekehrt wurde. Dadurch verbessern sich jedenfalls die Wahlchancen. als hätte man Olaf Lehne aufgestellt“, meint Bonn. „Nach meinem Gefühl ist die CDU in Düsseldorf schlecht aufgestellt. Beide CDU-OB vor Geisel haben nichts für Verkehrswende und Luftqualität unternommen, und jetzt jammert die Partei über die dritte Umweltspur“, sagt der Linken-Chef.

Düsseldorfer Grünen-Chefin Paula Elsholz wollte die Personalie Keller nicht direkt kommentieren, bevor die CDU ihn nicht offiziell als Kandidaten ankündigt: „Natürlich könnte man die lange Suche und den Umstand, dass Düsseldorf eher zweite Wahl, denn Herzblut ist, kommentieren, aber ich möchte damit warten, bis sich die CDU selbst offiziell geäußert hat“, sagt Elsholz. „Aktuell hat sich Stephan Keller selbst ins Spiel gebracht, was nach den zahlreichen Dementi aus dem letzten Jahr vielleicht nicht den besten Eindruck hinterlässt“, so die Grünen-Chefin weiter.

„Bei den bisherigen OB-Kandidaturen ist für Düsseldorf nun alles im Keller“, resümiert Torsten Lemmer, Geschäftsführer der Ratsfraktion Freie Wähler/Tierschutz. „Er ist nicht unser Kandidat, das sind die bisherigen auch nicht. Wir brauchen ein OB-Angebot für Düsseldorf mit Perspektive und Verlässlichkeit.“

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