Boom

Gewinner der Corona-Krise: Buchhandel in Düsseldorfer boomt

Der Buchhandel verzeichnet momentan einen Zulauf. Viele greifen in der Krise zum Buch.

Der Buchhandel verzeichnet momentan einen Zulauf. Viele greifen in der Krise zum Buch.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Düsseldorf.  Der Buchhandel in Düsseldorf boomt in Corona-Zeiten. Gerade Kinder und Jugendliche entdecken das Schmökern wieder für sich. Das sagen Händler.

Bis Sonntag läuft noch die Frankfurter Buchmesse – coronabedingt in diesem Jahr ohne Publikum, rein digital. Der Lockdown zu Beginn des Jahres hat es den Geschäften und auch dem Buchhandel schwer gemacht. Doch mittlerweile boomt der Handel mit dem Gedrucktem wieder. Auch in Düsseldorf freuen sich Buchhändler über die gesteigerte Nachfrage.

Bürger zeigen sich solidarisch

„Es wird wieder mehr gelesen und mehr gespielt“, sagt Elke Böttcher von der Buchhandlung Bolland & Böttcher an der Rethelstraße 121. Zwar habe man in der Vergangenheit immer mal wieder gehört, dass es dem Buchhandel nicht mehr ganz so gut gehe, „gerade läuft es aber richtig gut“. Das Geschäft erfahre viel Unterstützung aus dem Zoo-Viertel. „Es gibt eine große Solidarität“, so Böttcher.

Dennoch: Zwar werde gerade wieder mehr gekauft, die Kosten seien aber gleichzeitig gestiegen. „Wir mussten natürlich den Spuckschutz kaufen, wir brauchten mehr Terminals. Wir können auch die Kunden nicht mehr einfach zu uns an den PC holen, um ihnen Bücher zu zeigen“, so die Inhaberin. Vielmehr mussten neue, Monitore gekauft werden, um Abstände zu garantieren. „Von den zusätzlichen Einnahmen, die wir momentan haben, bleibt daher kaum etwas übrig.“

Auch die Vorbereitungen auf das wichtige Weihnachtsgeschäft laufen schon. Da nicht so viele Kunden gleichzeitig im Laden sein können, überlege man die Öffnungszeiten zu verlängern.

Kinder- und Jugendbücher sind sehr gefragt

Den Trend bestätigen kann auch Martina Manns, eine der beiden Inhaberinnen der Buchhandlung Schulz & Schultz an der Geibelstraße 76 in Grafenberg. Gerade Kinder- und Jugendbücher seien sehr gefragt, um „die Kinder zu beschäftigen“. Doch auch Spiele und Puzzle („die waren sogar kurz ausverkauft“) sind gefragter denn je. Die Erwachsenen kaufen unterdessen meist Krimis oder eben Romane, auf keinen Fall jedoch medizinische Sachbücher. „Die Leute brauchen Ablenkung davon“, sagt Manns lachend, die auch noch eine witzige Anekdote aus der Corona-Anfangszeit zu erzählen weiß. An der Einfahrt bei der Buchhandlung befindet sich der Anlieferungsbereich zu Rewe und im Geschäft sei ein vergittertes Fenster da hinaus. „Wir haben dann beim Ordnungsamt nachgefragt, ob wir nicht daraus Bücher verkaufen können – wir durften.“

Positiv aufgefallen ist hingegen Uta Vardar, Inhaberin der Buchhandlung Varia Vardar an der Schwerinstraße 6 in Pempelfort, dass mehr Kinder und Jugendliche lesen. „Sie haben das Buch wieder für sich entdeckt, sie tauchen wieder in die Geschichte ein und das ist sehr toll“, freut sich die Buchhändlerin. Nun appelliert sie auch an die Eltern und Großeltern wieder mehr Bücher für ihre Kinder und Enkelkinder zu kaufen. „Die haben das dann nicht so auf den Schirm und glauben, dass die Kinder mehr vor dem Computer daddeln wollen.

Aber das sehe ich momentan nicht so“, so Vardar. Dennoch kommen auch viele Erwachsene vorbei. Vor allem das Buch „Was würde Frieda tun?“ von Elizabeth Foley sei sehr beliebt. Eine Mitarbeiterin von ihr habe zudem an der Übersetzung mitgearbeitet, sagt Vardar, die ihrerseits viel Kraft und Energie ins Geschäft gesteckt hat. Momentan arbeitet sie auch an einem Online-Shop, hat schon Werbekarten dafür entworfen. Mit dem Shop soll das Weihnachtsgeschäft angekurbelt werden, „weil ja nicht so viele Menschen gleichzeitig bei uns drin sein dürfen“.

Warteschlangen vor den Buchhandlungen

Bei der Regenbogen Buchhandlung an der Lindenstraße 175 in Flingern seien die Kunden sehr geduldig, sagt Inhaberin Brigitte Klasen. Teilweise bilden sich Warteschlangen vor dem Geschäft, in das maximal drei Menschen hineingehen dürfen. Dennoch laufe es gerade gut. „Die Menschen wollen vor allem Romane lesen, viel Belletristik“, so Klasen. Sachbücher seien hingegen nicht so gefragt.

Ein Verkaufsschlager sind in der Buchhandlung Dietsch an der Hauptstraße 47 in Benrath die historischen Romane, Claudia Hoferer, eine der beiden Inhaberinnen verrät. „Die Menschen lesen gerade gerne alte, bekannte Sachen und wollen sich damit von den Sorgen ablenken.“ Sie selbst freut sich über das wachsende Interesse – und auch darüber, den Lockdown so gut gestemmt zu haben. „Wir haben in dieser Zeit die Bücher bei den Kunden zuhause vorbeigebracht. In den gut viereinhalb Wochen haben wir 2500 Kilometer zurückgelegt.“

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