Gentrifizierung

Düsseldorfer Bündnis sagt Immobilienspekulanten den Kampf an

Linken-Geschäftsführer Ben Klar, Streetworkerin Julia von Lindern und Pater Wolfgang Seiffert auf dem Sofa der Oberbilker „Freiluftwohnung“: Häuser werden entmietet, die Gegend gentrifiziert.

Linken-Geschäftsführer Ben Klar, Streetworkerin Julia von Lindern und Pater Wolfgang Seiffert auf dem Sofa der Oberbilker „Freiluftwohnung“: Häuser werden entmietet, die Gegend gentrifiziert.

Foto: FOTO: STEPHAN WAPPNER

Düsseldorf.  Das Düsseldorfer „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ schickt in Kürze ein Positionspapier an die Stadt und lädt zum Netzwerktreffen in die Kirche.

Die Leute vom „Bündnis bezahlbarer Wohnraum“ haben bewusst das Dreiecksplätzchen als Schauplatz für ihre Pressekonferenz ausgesucht. Hier, mitten in Oberbilk, werden gerade nach und nach Häuser von Immobilienspekulanten aufgekauft. im ganzen Stadtteil dürften es mittlerweile mehrere Dutzend Immobilien sein. Die Investoren erhöhen die Mieten und verdrängen so die Menschen aus dem Kiez.

„Wir haben lange recherchieren müssen, um zu ermitteln, wer diese Spekulanten sind“, erklärt Johannes Dörrenbächer, Streetworker von Fiftyfifty, und zeigt auf ein paar hübsche Wohnhäuser aus altem Bestand, in dessen Schatten das Oberbilker Plätzchen liegt. Es sind nur ein paar wenige Investoren, aber die verfahren immer nach dem gleichen Muster. Dörrenbächer nennt ein Beispiel: „Die Kaltmiete wird für die alteingesessenen Mieter zunächst bewusst niedrig gehalten, die Nebenkostenabrechnung sprengt dann aber komplett den finanziellen Rahmen des Mieters. So werden Häuser entmietet, die Gegend gentrifiziert.“

Kritik an Deutsche Wohnen

Der Markt wächst in Düsseldorf allmählich über das Wohnrecht hinaus. Das Bündnis meldet Alarmstufe Rot, in Kürze geht ein Positionspapier an die Stadtspitze. Und: Nächste Woche Mittwoch wird die Stadtgesellschaft zur großen Veranstaltung in die Oberbilker Christuskirche eingeladen (siehe Infokasten).

„Es gibt die Spekulanten, dann gibt es das Unternehmen Deutschen Wohnen, das im Jahr 2018 eine Gewinnmarge von 1,8 Milliarden Euro erzielt hat und nach Berlin und Frankfurt jetzt nach Düsseldorf drängt“, berichtet Julia von Lindern von Fiftyfifty, die auf dem Sofa der „Freiluftwohnung“ am Dreiecksplatz sitzt. Das Bild soll zeigen: Hier werden Menschen vor die Türe gesetzt. Ein weiteres großes Problem seien Kurzzeit-Vermietungen über die Internet-Plattform Airbnb. „In Oberbilk werden so einige Wohnungen auf dem Monat gerechnet für 50 Euro pro Quadratmeter vermietet“, so die Streetworkerin. „Daran sieht man, wie abstrus das alles geworden ist. Laut Schätzungen des Bündnisses werden in Düsseldorf rund 3000 Einheiten über Airbnb vermietet. Wohl nur eine Dunkelziffer.

Satzung zum Schutz von Wohnraum soll verabschiedet werden

Die Stadt Düsseldorf will was tun. Nächste Woche in der Ratssitzung soll eine Satzung zum Schutz von Wohnraum beschlossen werden. Die Ampel-Koalition will Eigentümern künftig untersagen können, ihre Wohnungen aus Spekulationsgründen über einen längeren Zeitraum leerstehen zu lassen. Zudem soll verhindert werden, dass Wohnungen zu Ferienappartements umwidmet und sie dauerhaft über Airbnb angeboten werden.

Für Ben Klar, Geschäftsführer der Linkspartei in Düsseldorf, ist das zu wenig. „Der Markt wird die Wohnungsproblematik nicht lösen“, so Klar, der im Namen des Bündnisses Einzelheiten aus dem Positionspapier vorstellte. „Es muss endlich eine Zweckentfremdungssatzung verabschiedet werden, die die Missstände bekämpft und nicht manifestiert.“ Die Stadt habe viele planerische Möglichkeiten, die sie nicht nutze, so Klar. 13 000 Luxuswohnungen stünden in Düsseldorf leer. Gleichzeitig habe mittlerweile jeder zweite Düsseldorfer Haushalt Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein.

Dominikanerpater schaltet sich ein

Und auch Dominikanerpater Wolfgang Seiffert, der die Veranstaltung in der Christuskirche moderieren wird, appelliert an Stadtgesellschaft und Politik: „Wohnen ist ein Menschenrecht. Das ist kein linker Slogan, sondern im Grundgesetzt verankert. An diesem Recht wird gerade in Düsseldorf massiv genagt.“

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