Digitale Kunst

Düsseldorfer Festival zeigt digitale Kunst

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Digitale Kunst ist für viele Kulturschaffende elementar. Das Festival „Die Digitale Düsseldorf“ bietet diesem Feld der Kunst daher eine Bühne. 

Digitale Kunst ist für viele Kulturschaffende elementar. Das Festival „Die Digitale Düsseldorf“ bietet diesem Feld der Kunst daher eine Bühne. 

Foto: DIGITALE

Düsseldorf.  Die „Digitale Düsseldorf“ zeigt eine große Ausstellung unter dem Motto „Digital Jokes“.

Am vergangenen Freitag eröffnete im Rahmen des Festivals „Die Digitale Düsseldorf“ die große Kunstausstellung im Weltkunstzimmer. Die Schau ist das Herzstück des Festivals. Die Ausstellung mit künstlerischen Arbeiten aus aller Welt erforscht das Thema „Digital Jokes“ aus unterschiedlichsten Perspektiven und in den verschiedensten Medien. Allein vom Düsseldorfer Maler und Künstler Volker Hermes gibt es 30 seiner „Hidden Portraits“ zu sehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. November. Wir sprachen mit dem künstlerischen Leiter Peter Witt.

Das Festival ist in vollem Gange. Es finden Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen und Talks aus digitalen Sphären statt. Was bietet „die digitale“ den Zuschauern in diesem sechsten Jahr?

Wie jedes Jahr bieten wir wieder einen Potpourri aus allen möglichen Kulturformen und Kulturevents an mit insgesamt 20 Veranstaltungen. Vor ein paar Wochen starteten wir mit zwei Konzertpartys im Golzheim und Salon des Amateurs, es gab in der Berger Kirche Abende mit elektronischer experimenteller Musik, am Freitag begann die große Kunstausstellung mit digitaler Kunst im Weltkunstzimmer. Musikalisch reicht das Spektrum der „digitale“ vom elektronisch angehauchtem Krautrock über digitalem Hip Hop bis zu abgefahrenen Soundexperimenten und live gecodeter Musik, bei der Bildenden Kunst vom alten Fax, das ja auch digital ist, bis zur neuesten Künstlicher Intelligenz-Kunst.

Die Vernissage der großen Kunstausstellung im Weltkunstzimmer war ein voller Erfolg. Was erwartet die Besucher bei der Ausstellung zum Thema „digital jokes“?

Nachdem das vergangen Jahr – gerade für Künstlerinnen und Künstler sowie für die Kulturschaffenden – nicht so lustig war, gibt’s endlich was zu lachen. Im Zentrum des Festivals steht die Ausstellung im Weltkunstzimmer, die – der Titel verrät es schon – eher amüsant ist. Kunst ist sonst nicht so lustig. Und speziell die digitale Kunst hat bei vielen Menschen den Ruf, dass irgendwelche Nerds an unverständlichem Computerzeugs rumbasteln. Klar, das tun die auch. Aber wie wir mit der Ausstellung zeigen, ist der Computer für immer mehr – vor allem jüngere Kunst-, Musik- und sonstige Kulturschaffende – ein elementares Instrument geworden, das alte Werkzeug ersetzt. Und dabei geht es um gar nicht langweilige Themen, sondern um Sachen, die fast alle von uns tagtäglich betreffen. Wie zum Beispiel die brutal-subtile Macht von Social Media und der dahintersteckenden IT-Unternehmen. Oder die chronische Überschätzung von Künstlicher Intelligenz, die man gelegentlich Künstliche Dummheit nennen könnte.

Was unterscheidet die digitale von anderen Festivals?

Wir sind eins der wenigen Festivals in Deutschland, die sich der Kultur der Digitalisierung widmen – das einzige, das dabei fest verankert in der Off-Szene ist und subkulturelle Ansprüche verwirklicht. Das führt dazu, und das unterscheidet uns von den Festivals in Essen und Berlin, dass wir versuchen, die aktuellen digitalen Phänomene so zu präsentieren, dass man nicht ein Informatik-, oder kulturwissenschaftliches Studium braucht, um sie zu verstehen. Wir versuchen populäre und avantgardistische Positionen zu vermitteln, in einen Bezug zueinander setzen und dies für ein breites Publikum verständlich machen. Wir möchten also nicht nur die Elite erreichen, sondern alle, die neugierig sind und ihren Horizont erweitern möchten.

Für Kulturinstitutionen war die Pandemie eine besondere Herausforderung – wie hat das digitale-Team das zurückliegende Jahr erlebt?

Der größte Schock war für uns, dass letztes Jahr die auf drei Wochen angelegte digitale nach drei Tagen zu Ende war. Die ganze Arbeit ziemlich für die Katz. Danach haben wir weiter gemacht, also geplant und organisiert, wie bisher.

Welche Veränderung konntet ihr bei der Planung der diesjährigen „Digitalen“ im gemeinsamen Arbeiten, im Austausch untereinander und mit Künstler feststellen?

Leichter geworden ist die Arbeit für uns nicht. Und manche Hoffnungen, dass wir dieses Mal mehr Musikern aus den USA und UK zu uns holen könnten, zerschlugen sich leider. Einige sagten zwar zu, sprangen dann aber wieder ab. Auch die Transportkosten für Kunstwerke sind exorbitant gestiegen, nicht nur aus den USA, sondern wegen des Brexits auch aus UK.

Welche Unterstützung wünscht ihr euch für Kulturbetriebe und Künstlern seitens der Stadt?

Wie man uns aus der Kulturpolitik bereits andeutete, werden die nächsten Jahre besonders in der Kultur von rigiden Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand gekennzeichnet sein. Da wir bis auf die Unterstützung durch unsere Hauptsponsoren fast ausschließlich Geld von Stadt und Land erhalten und als gemeinnütziges Unternehmen, das keine kommerziellen Veranstaltungen durchführt, weder Gewinne machen noch Rücklagen bilden können, sind wir weiterhin auf die großzügige Unterstützung der Stadt angewiesen. Wir hoffen sehr, dass die Kulturpolitiker Düsseldorfs ein Einsehen haben, weil sie wissen, was für ein außergewöhnliches Festival mit einer großen Zukunftsperspektive die digitale ist.

Gibt es bereits Pläne für das kommende Jahr 2022?

Ja, ein sehr hoffnungsfrohes Motto steht an: „digital utopia“.

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