Umfrage

Düsseldorfer finden Arbeit ihres OB nur „durchschnittlich“

Geisel hat die Tour de France an den Rhein geholt und setzte sich immer wieder für Sportereignisse in der Stadt ein (auch beim Race am Rhein im September 2016 ist er gestartet). Das brachte ihm den Beinamen „Sport-OB“ ein.

Geisel hat die Tour de France an den Rhein geholt und setzte sich immer wieder für Sportereignisse in der Stadt ein (auch beim Race am Rhein im September 2016 ist er gestartet). Das brachte ihm den Beinamen „Sport-OB“ ein.

Foto: Ralf Rottmann

Düsseldorf.  Düsseldorfer bewerten Amtszeit von Thomas Geisel weder gut noch schlecht. Auch die Tour scheint nichts an der Popularität geändert zu haben.

Seit knapp drei Jahren steht Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) nun an der Spitze der Landeshauptstadt. Höchste Zeit einer Zwischenbilanz seiner Arbeit. Unser NRZ-Bürgerbarometer wollte wissen, wie die Düsseldorfer über seine Arbeit denken.

Für knapp 30 Prozent der Düsseldorfer macht Geisel eine gute Arbeit. Mehr als ein Drittel der Düsseldorfer ist hingegen geteilt in dieser Frage. Aber auch 27 Prozent gaben ihm schlechte Noten. Der Schwabe erhält somit eine Durchschnittswert von 3,0. Sein Vorgänger, Dirk Elbers (CDU), war um zwei 0,2 Prozentpunkte besser im Jahre 2011 als Thomas Geisel heute. Geisel beerbte Elbers am 2. September 2014 als OB der Stadt.

Das Bürgerbarometer macht deutlich, dass der 53-Jährige am kritischsten von den Menschen im Linksrheinischen beäugt wird. Am besten wird seine Arbeit im Süden, in der Mitte und im Osten bewertet.

Unter den Düsseldorfern, die jünger als 50 Jahre sind, schneidet der passionierte Läufer besser ab als die Düsseldorfer jenseits der 50 Jahre. Besonders beliebt ist der OB bei den 30 bis 39-Jährigen. Hier erhält der „Sport-OB“, wie ihn einige nennen, mit 2,83 die besten Werte. Geisel hat die Tour de France an den Rhein geholt und setzte sich immer wieder für Sportereignisse in der Stadt ein. Das brachte ihn bei einigen diesen Beinamen ein.

Die Bilanz Geisels lässt sich natürlich nur schwer an Umfragewerten messen, aber auch diese Umfragewerte sind nicht gut. Aber auch nicht schlecht. Im Vergleich zu 2014, wo die NRZ nach der Beliebtheit des OBs fragte, antworten sogar heute mehr Menschen, dass sie Geisels Arbeit weder gut noch schlecht finden. Es gibt aber auch immer weniger Düsseldorfer, die mit dem SPD-Politiker und seiner Arbeit sehr zufrieden sind.

Wie sehen aber eigentlich die politischen Mitbewerber die Arbeit des fünffachen Familienvaters? „Ich finde die sehr starke Machtfülle, die sich aber durch die Landesgemeindeordnung ergibt, schwierig und undemokratisch. Das liegt in den Ämtern begründet“, sagt der Grüne Norbert Czerwinski. Konkret findet der Sprecher der Grünen im Stadtrat aber die Arbeit Geisels, der mit Hilfe der FDP und den Grünen an der Macht ist, gut. „Er vertritt Düsseldorf gut, müsste aber besser kommunizieren.“

Versprechen nicht gehalten

Deutlich kritischer sieht es CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk: „Geisel hat nicht gehalten, was er versprochen hat. Es gibt keine Wende in der Verkehrspolitik. Zudem gibt es große Lücken in der Stadtplanung. Es wird allgemein zu viel gefeiert, wie bei der Aquazoo-Eröffnung.“ Der OB sei aber sehr fleißig, das müsse man ihm lassen. Dennoch werde nichts zu Ende gemacht, moniert Hartnigk.

Kritik auch von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende der Düsseldorfer FDP und Fraktionschefin im Rat. Sie betont die gute Arbeit der Ampel im Stadrat (SPD, Grüne, FDP), kritisiert aber immer wieder den OB. Ihre Reaktion aufs Bürgerbarometer: „OB zu sein ist mehr als sich überall fünf Minuten aufzuhalten und den Menschen das ,Du’ anzubieten. Ein OB muss sich in Themen einarbeiten und Akten lesen. Darauf basierend kann er Entscheidungen für die Stadt treffen. Eine Großstadt ist zu komplex, als dass man nach Gutsherrenart entscheidet...“

Die Stadt reagierte ebenfalls auf die Resultate des Bürgerbarometers. „Wir sind natürlich nicht zufrieden. Viele Projekte befinden sich schon in der Umsetzung wie das Bäderkonzept oder der Schulbau. Es dauert immer bis Resultate sichtbar werden“ sagt OB-Sprecherin Kerstin Jäckel- Engstfeld.

>>> Stimmen der vom Bürgerbarometer Befragten zum OB

  • „Der Bürgermeister sollte sich mehr um Stadt Verwaltung kümmern als ständig auf irgendwelchen Festivitäten präsent zu sein.“

  • „Ich bin von der Arbeit von Thomas Geisel sehr enttäuscht, weil er noch mehr Stellen im Schulbereich streichen möchten. Die Schulen stehen vor immer größeren Herausforderungen, auch für Flüchtlinge.“

  • „Die Stadt sollte kein Geld ausgegeben, das sie nicht hat, zum Beispiel bei Veranstaltungen wie der Tour de France.“

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