Trauer

Düsseldorfer Kö-Händler Hermann Franzen gestorben

Inhaber Hermann Franzen in seinem Geschäft.

Inhaber Hermann Franzen in seinem Geschäft.

Foto: Bußkamp, Thomas / Nein

Düsseldorf.  Franzen auf der Kö – das ist eine Marke, von der man in Düsseldorf sofort wusste wofür sie steht. Nun ist der Kaufmann Hermann Franzen gestorben.

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Franzen auf der Kö – das ist eine Marke, von der man nicht nur in Düsseldorf sofort wusste und immer noch weiß, wofür sie steht. Das Geschäft an der Kö 42, seit 1911 im Familienbesitz, wurde zum Synonym für feine Tischkultur. Unzählige Brautpaare hatten dort ihren Hochzeitstisch stehen und freuten sich nachher über Porzellan, Gläser oder Besteck für den gemeinsamen Haushalt.

Über 51 Jahre war er der Motor und die Seele des Betriebes: Hermann Franzen. Geboren 1940 war schnell klar, dass er einst das Unternehmen vom Vater übernehmen sollte. Ausgebildet im Ausland, stieg er 1966 in die Firma ein, und fortan prägte er sie nach außen und nach innen.

Sein Auftritt war, ganz und gar kö-like, stets absolut perfekt: dunkler Anzug, weißes Hemd, dezente Krawatte, das mit den Jahren grauweiß gewordene Haar kurz und nach hinten gekämmt, ein Herr vom Scheitel bis zur Sohle.

Pferdeskulptur aus Meißner-Porzellan

Leise im Ton, aber eindeutig in der Sache führte er sein Geschäft, und war selbst, sozusagen als Chef-Verkäufer, immer mittendrin. Unvergessen ein Gespräch mit ihm, als er mit durchaus spitzem Humor manches und manchen auf die Schippe nahm, um aber plötzlich aufzustehen, weil draußen ein langjähriger Stammkunde aus China stand und darum bat, den Chef persönlich zu sprechen, bevor er sich eine gewaltige Pferdeskulptur aus Meißner-Porzellan einpacken und an der Kasse die Rechnung über einen sehr hohen fünfstelligen Betrag vorlegen ließ.

Da frohlockte das Kaufmanns-Herz des Chefs, natürlich liebte er solche Käufer aus Ländern wie Russland und den Emiraten, und speziell für sie hatte er immer die richtigen Stücke im ohnehin reichhaltigen Sortiment.

Die Kö und Franzen, das war nur noch vergleichbar mit der Kö und Eickhoff – fest miteinander verbundene Namen, ohne einander kaum vorstellbar. Eickhoff ist nun seit ein paar Jahren weg, aber Franzen ist noch da, und wird auch bleiben, denn inzwischen ist die vierte Generation am Ruder – die Kinder von Hermann Franzen und seinem jüngeren Bruder Claus. An den hat er das Steuer vor einigen Jahren übergeben, nicht zuletzt aufgrund seiner schweren Erkrankung.

IHK-Präsident

In den Zeiten davor war Franzen aber nicht nur als Kaufmann aktiv. 1999 wurde er zum Präsidenten der Industrie- und Handelskammer gewählt, nach einer (nur eine ist möglich) Wiederwahl hatte er dieses Amt bis zum Jahr 2007 inne.

Nach den Stationen Mitglied des Vorstandes des Einzelhandelsverbandes Nordrhein (1977 bis 1990) und Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes Düsseldorf (1983 bis 1990) stand Hermann Franzen als Präsident ab 1990 an der Spitze des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Von 1982 bis 1994 war Franzen als ehrenamtlicher Handelsrichter am Landgericht Düsseldorf tätig.

2016 läutete der dreifache Familienvater den Generationswechsel ein. Seine Kinder Steffi Kluth-Franzen und Peter Franzen wurden geschäftsführende Gesellschafter des Familienunternehmens. Der Senior zog sich ins Privatleben zurück, behielt aber im Hintergrund die Abläufe im Geschäfts stets im Blick.

Porzellanhandel nimmt ab

Dass sich dort im Laufe der Jahre einiges veränderte, hat er noch selbst mit angestoßen. Anders als zu seinen Anfängen steht heutzutage das einmal fürs Leben gekaufte Porzellan eben nicht mehr oben auf der Wunschliste junger Leute. Große Kaufhäuser und Möbelhändler haben neue Trends geprägt, und Franzen musste sich anpassen.

Der Gleichklang Franzen = Porzellan gilt schon lange nicht mehr. Also weitete man das Sortiment aus, setzte auf Mode, Schmuck und andere Wohnaccessoires – aber immer auf hohen Level. Hermann Franzen hatte diese Änderung des Marktes früh erkannt und entsprechend reagiert.

Und dürfte die letzten Jahre mit den Ergebnissen zufrieden gewesen sein – aber nicht so zufrieden, um sich auszuruhen. Ihm, dem das Kaufmännische im Blut lag, war klar, dass künftig der Wandel Normalzustand ist, und für diese Zeiten wollte er die Marke Franzen vorbereitet wissen.

Ob und wie das gelungen ist, wird er nicht mehr erleben – Hermann Franzen, einer der letzten großen Kö-Kaufleute, ist jetzt im Alter von 79 Jahren gestorben.

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