Umwelt

Düsseldorfs Tierschützer beklagen Vorgehen gegen Kanadagänse

Wurde einst als Zierde eingeführt und fühlt sich in unseren Parks pudelwohl: Die Kanadagans verdoppelte ihren Bestand im Düsseldorfer Stadtgebiet in den vergangenen Jahren.

Wurde einst als Zierde eingeführt und fühlt sich in unseren Parks pudelwohl: Die Kanadagans verdoppelte ihren Bestand im Düsseldorfer Stadtgebiet in den vergangenen Jahren.

Foto: Wilhelm Wunderlich

Düsseldorf.   Die Stadt Düsseldorf will die Zahl der Gänse im Hofgarten verringern - und entnimmt Eier aus den Nestern. Tierschützer klagen über „Zerstörung“.

Viele Bürger beklagen sich über die Exkremente, die vor allem von den großen Kanadagänsen hinterlassen werden. Ihre Zahl hat sich seit 2009 im Stadtgebiet von 700 auf mehr als 1400 verdoppelt. Dagegen geht die Stadt mit dem Gänsemanagement seit knapp einem Jahr vor. Im Rahmen der Aktion wird aus den Nestern der Kanadagänse ein Teil der Eier entnommen. Damit soll die Zahl der Tiere verringert werden.

„Keine Rücksicht auf die Gefühle der Tiere“

Gegen diese Vorgabe habe das Gartenamt jedoch im Hofgarten verstoßen, beklagt aktuell die Ratsfraktion Tierschutz/Freie Wähler. Bis auf ein einziges Nest seien sämtliche Gelege der Kanadagänse zerstört worden. Auf die Gefühle der Gänse sei keine Rücksicht genommen worden, so die Tierschützer. „Die Beschwerden einiger Bürger über die Hinterlassenschaften der Tiere dürfen nicht auf Kosten der Gänse gehen“, heißt es in einer Mitteilung. In acht Parkanlagen in Düsseldorf hatte die Stadt 2018 mit dem Programm des Gänsemanagements begonnen.

„Den Tieren die Eier wegzunehmen, ist kein schonendes Vorgehen, denn so werden sie gestört“, sagt auch Schwanenmutter Margarete Bonmariage. „Man sollte die Eier anpicken und markieren, während die Gans gerade mit Fressen beschäftigt ist. Dadurch wird sie nicht so gestört.“

Entnahme von Eier nur eine von vielen Maßnahmen

Auf die Vorwürfe entgegnete die Stadt, dass die Entnahme der Eier durch eine Biologin vorgenommen werde, nicht durch das Gartenamt selbst. „Davon abgesehen, dass die Jagdbehörde die Entnahme aller Eier gar nicht erlaubt, macht es auch keinen Sinn, alle Eier zu entnehmen“, so die Stadt. „Denn nur wenn die Gänse noch mindestens zwei Eier im Gelege haben, gilt es für sie als Bruterfolg und hält sie davon ab, noch weitere Eier zu legen oder mit einem neuen Gelege zu beginnen.“

Dabei ist der Griff ins Nest nur eine von vielen Maßnahmen, welche die Stadt ergriffen hat, um den Bestand der Kanadagans zu reduzieren. Vor allem sollen den Vögeln weniger einladende Bedingungen geschaffen werden: Rund um Spielplätze sollen Rasenflächen durch Sand ersetzt werden, damit die Gänse sich wenigstens von dort fern halten. Auch sollen an den Teichen, an deren Ufern die Tiere oft ihre Nester bauen und an denen sie ihre Nahrung finden, vermehrt Pflanzen wie die Gundelrebe eingesetzt werden. Wie andere stark riechende Gewächse, das viele ätherische Öle enthält, sehen die Gänse diese Pflanze nicht als Nahrung an. Daher erhofft sich die Stadt, dass die Tiere Gebiete, in denen für sie ungenießbare Pflanzen wachsen, künftig meiden.

Abschuss der Tiere steht nicht zur Debatte

Ein Mittel, zu dem nicht gegriffen werden soll, sei die Jagd, heißt es von Seiten der Stadt. Abschüsse innerhalb der Stadt würden nur eine Gefahr der Bürger darstellen. Auch ist anzunehmen, dass die Jagd wenig erfolgversprechend wäre, da der Großteil der Gänse wohl einfach in den nächsten Park davon fliegen würde.

In Nürnberg etwa erhielt der Bürgermeister Morddrohungen, nachdem er neun Gänse abschießen ließ.

Die Stadt Düsseldorf versucht sich an friedlicheren Maßnahmen und will auch die natürliche Konkurrenz der Kanadagänse stärken. So sollen gezielt Schwäne angesiedelt werden. Die großen, weißen Vögel dulden keine anderen großen Vögel in ihrem Brutgebiet. Im Gegensatz zu den Gänsen tauchen sie allerdings nicht in großer Zahl auf. In einem Schwanen-Territorium lebt meistens nur das Brutpaar mit seinem Nachwuchs.

„Extremer Wachstumstrend wurde gestoppt“

Für die Stadt ist das Gänsemanagement bisher ein klarer Erfolg: „Nach Abschluss der ersten Brutsaison zeigte sich im vergangenen Jahr in den Parks ein deutlicher Rückgang von Jungvögeln sowie eine leicht rückläufige Gesamtzahl der Kanadagänse. Im Ergebnis wurde der extreme Wachstumstrend der Population gestoppt“, hieß es in einer Meldung. „Bedingt durch die hohe Lebenserwartung der Gänse müssen die Bestrebungen weiter fortgesetzt werden, um auf Dauer eine nachhaltige Reduzierung der Bestände zu erreichen.“

Wenn die Gänse dann doch ein paar Hinterlassenschaften verteilt haben, bleibt als letzte Maßnahme dann nur noch die Reinigung. Diese sei unter Einbeziehung der Awista intensiviert worden, hieß es seitens der Stadt.

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