Umweltspur

Düsseldorfer Verkehrsclub will Projektgruppe für Umweltspur

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Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft prüft derzeit eine Strafanzeige wegen der dritten Umweltspur, die ein Bürger unter anderem wegen Rückstaus auf der A46 erstattet hat.

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft prüft derzeit eine Strafanzeige wegen der dritten Umweltspur, die ein Bürger unter anderem wegen Rückstaus auf der A46 erstattet hat.

Foto: David Young / dpa

Düsseldorf.  Der Verkehrsclub Deutschland findet die anhaltende Kritik an der Umweltspur nicht zielführend. Forderung nach Beiträgen für Lösungsansätze.

Ist die Umweltspur ein probates Mittel zur Verkehrswende? In einem Brief an die Ratsfraktionen hat jetzt der Düsseldorfer Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) seine Stellungnahme zu dem Thema abgegeben.

Kapazitätsprobleme im Nahverkehr

Der Verkehrsclub schreibt, immer wieder werde darauf hingewiesen, „dass es keine akzeptablen Alternativen gebe für die vielen Menschen, die heute täglich mit dem Auto in Düsseldorf unterwegs sind. Richtig daran ist natürlich, dass es auf vielen Linien des regionalen Schienenverkehrs vor allem im morgendlichen Berufsverkehr erhebliche Kapazitätsprobleme gibt, und richtig ist ebenfalls, dass das Radverkehrsnetz in der Stadt ausgebaut werden muss, damit der Umstieg vom Auto auf das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel attraktiver wird.“

Hintergrund sind bisher zwei Anträge zur Umweltspur, die in der Sitzung des Stadtrats am kommenden Donnerstag auf der Tagesordnung stehen. Sowohl die CDU-Fraktion als auch die FDP-Fraktion fordern die Verwaltung auf, den „Dauerversuch Umweltspur“ sofort zu beenden.

Nicht alle müssen wechseln

Der VCD Kreisverband schreibt hingegen, „um Fortschritte zu erreichen beim Umwelt- und Klimaschutz müssen ja auch nicht alle sofort das Verkehrsmittel wechseln. Aufgrund beruflicher oder persönlicher Umstände ist das für viele kein realistisches Szenario.

Es gibt Menschen, die bereits seit Jahren viele ihrer Wege ohne Auto zurücklegen, während andere das bei vergleichbaren Lebensumständen nicht tun. Diese gilt es zu überzeugen.“ So könnten beispielsweise die vier Buslinien, die auf der Witzelstraße verkehren und mehrere Städte im Süden und Osten an Düsseldorf anbinden, „auf der dort angelegten Umweltspur zügig fahren.“

Die Platzkapazitäten auf diesen Linien könnten vergleichsweise einfach aufgestockt werden. Die Bewohner, in den von diesen vier Linien angefahrenen Gebieten, müssten zusätzlich auf die Möglichkeit der Busfahrt hingewiesen werden.

Straßenraum neu verteilen

„Grundsätzlich ist es notwendig, den Platz im öffentlichen Straßenraum neu zu verteilen, wie dies auch das neu geschaffene bundesweite ‘Bündnis für moderne Mobilität’ fordert, das Bund, Länder und Kommunalverbände gerade gegründet haben.

Die Umweltspuren scheinen uns deshalb eine sinnvolle Maßnahme, wobei über Details natürlich nachgedacht werden muss aufgrund der Erfahrungen, die im Lauf der Zeit damit gesammelt werden“ schreibt der Verkehrsclub Deutschland in seiner Stellungnahme weiter.

Für die Luftreinhaltung in Düsseldorf sei zudem nicht nur die Stadt verantwortlich. „Für den Luftreinhalteplan ist tatsächlich das Land (über die Bezirksregierung) zuständig, der VRR muss mehr für den Bahnverkehr in der Region tun, der Bund muss endlich falsche Anreize reduzieren(Dienstwagen, Entfernungspauschale, Dieselsteuer,..) und sich an der Finanzierung des zusätzlichen ÖPNV-Angebots beteiligen.“

Firmen in Düsseldorf sollten sich zu einem nachhaltigen Mobilitäts- Management verpflichten, zum Beispiel durch mehr Job-Tickets, kostenpflichtige Firmenparkplätze und alternative Dienstwagen. Der VCD fordert demnach: „Einige der Kritiker der Umweltspur sollten also erst einmal eigene Beiträge zur Problemlösung liefern.“

Projektgruppe

Eine Verkehrswende sei nun einmal mehr als ein bisschen neue Technik. Dringend notwendig ist aus Sicht des VCD eine neue Projektgruppe, an der alle Akteure beteiligt sein müssten, und die ein „kurzfristig umzusetzendes Sofortprogramm als Ergänzung zum Luftreinhalteplan erarbeitet.“ Dabei solle es nicht nur um die Luftreinhaltung gehen, sondern auch ganz generell um den Klimaschutz und selbstverständlich auch um die Umweltspuren in Düsseldorf.

Der Verkehrsclub Deutschland wurde 1986 von verschiedenen Umweltverbänden und Umweltinitiativen als Gegenstück zum ADAC ins Leben gerufen. Der Club versteht sich selbst als Umweltverband für nachhaltige Mobilität für alle möglichen Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV-Nutzer aber eben auch Autofahrer. Der Verkehrsclub Deutschland konnte die Deutsche Bahn dazu bewegen, die Bahncard einzuführen.

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