Arzneimittel

Düsseldorfs Apotheker beklagen Medikamenten-Engpässe

Bei manchen Medikamenten kann es zu Engpässen kommen – etwa bei Ibuprofen in Großpackungen.

Bei manchen Medikamenten kann es zu Engpässen kommen – etwa bei Ibuprofen in Großpackungen.

Foto: Foto: Lutz von Staegmann

Düsseldorf.  Das bedeutet für die einzelnen Apotheker erheblich mehr Aufwand. Patienten müssen aber keinen Grund zur Sorge haben, es gebe Alternativen.

Eigentlich sollten wichtige Medikamente immer verfügbar sein – doch das klappt nicht immer. Immer wieder kommt es zu Lieferengpässen, die für die Apotheker, aber vor allem für die Patienten höchst ärgerlich und unangenehm sind.

Lieferengpässe bedeuten mehr Aufwand

Die Lieferengpässe seien vor allem sehr zeitaufwendig, so Dr. Christina Westhoff, Leiterin der Zentralapotheke in der Uniklinik. Bei 56 Arzneimittel ihres Arzneimittelsortiments kommt es momentan zu Lieferengpässen. „Das macht fünf Prozent unserer Lagerartikel aus“, so Westhoff. Für die Patienten gebe es allerdings keinen Grund zur Besorgnis. „Wir können weiterhin alle versorgen – entweder mit Ersatzprodukten oder durch eigene Herstellung“, so Westhoff weiter. Betroffen von den Engpässen sind alle möglichen Medikamente – vom Betablockern bis zum Hustenlöser. Zytostatika – natürliche oder synthetische Substanzen, die das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung hemmen – müssen teilweise sogar importiert werden.

Als Beispiele für Mittel, die momentan knapp sind, nennt sie etwa „Accu-Check Dextro OGT Saft 300 ml“, einen Test auf Diabetes. Dieser wird aber selbst hergestellt. Auch die Promethazin-Lösung (bei psychischen Erkrankungen) sei rar, Tabletten aber verfügbar.

Vorschlag: Hersteller sollen Lagerbestände aufbauen

Die Herstellerfirmen wiederum sollten die Engpässe – wenn sie absehbar sind – ankündigen. Das passiere manchmal jedoch eher schleppend, so die Leiterin. Doch wie kommt es überhaupt dazu? Aus ihrer Sicht entstehen sie durch verschiedene Ursachen. Zum einen beschränkt sich die Produktion der Wirkstoffe häufig auf wenige Hersteller, zum anderen wird die Produktion ins Ausland verlagert. Wenn es also einen Defekt in einer Produktionsanlage gibt, wirkt sich das auf alle aus. Wenn dann die Qualitätssicherung neue Produktionen nicht freigebe, gebe es aufgrund der just in time-Produktion einen Lieferabriss, so Westhoff. Außerdem müssen Medikamente noch diverse Prüfstellen durchlaufen, ehe sie den Patienten verabreicht werden. „Das muss auch alles gemacht werden, dauert aber eben auch“, so Westhoff. Eine Idee, wie sich die Lage etwas entspannen könnte hat sie jedoch auch: „Als Apotheker ist man dazu verpflichtet, gewisse Lagerbestände zu haben, um die Versorgung zu gewährleisten. Für die Hersteller gilt diese Verpflichtung bisher leider nicht.“

Herpes-Zoster-Impfstoff Shingrix erst ab 2020

Ebenfalls ein Lied von Engpässen singen kann Thomas Vogel, Inhaber der Fürstenwall-Apotheke und Düsseldorfer Apotheken-Sprecher. Der Herpes-Zoster-Impfstoff Shingrix etwa wird voraussichtlich erst 2020 wieder lieferbar sein. „Ich habe bereits zwei Leute bei mir auf der Warteliste stehen, in anderen Apotheken sieht es nicht anders aus“, so Vogel. Auch Blutdruckmittel oder gar Ibuprofen in Großpackungen sind zeitweise schwer zu bekommen. Zwar gibt es immer Alternativen, die Vertragslage mit den Krankenkassen, die welche mit Herstellern haben, macht es den Apothekern jedoch nicht immer einfach. „Das erfordert immer einen großen Dokumentationsaufwand.“ Darüber hinaus beklagt auch er, dass es kaum noch Produktionsstätten in Mitteleuropa gibt, die Arzneien einen weiten Weg zurücklegen müssen und der Preisdruck enorm sei. „Wenn ein anderes Land mehr zahlen kann für das Produkt, wird das Medikament dorthin geliefert. Bei dem Geschäft geht es leider nur noch ums Geld, nicht mehr um die Patienten“, beklagt der Apotheker.

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) spricht man trotz der Engpässe bei manchen Präparaten indes von einer „nicht besorgniserregenden Lage“, so ein Sprecher. Beim Bundesinstitut sind rund 100.000 zugelassene Arzneimittel verzeichnet. Die schiere Anzahl berechnet sich daraus, dass alle Verpackungsgrößen, Dosierungsformen, etc, einzeln gezählt werden, so ein Sprecher. Rund 500 versorgungskritische Arzneimittel stehen auf einer Liste, die gesondert beobachtet wird falls es zu tatsächlichen Engpässen kommt. Momentan gelten rund 200 davon als versorgungskritisch. Es sei aber zu bedenken, dass es oftmals nur einzelne Wirkstoffe sind, die nicht geliefert werden können. Sollte dieser Wirkstoff aber in vielen Medikamenten vorkommen, summiert sich die Zahl, so der Sprecher weiter.

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