Verkehr

Diskussion über Verkehr: Düsseldorfs City bald ohne Autos?

Autos befahren im morgendlichen Berufsverkehr die Düsseldorfer Straßen. Wenn es nach einigen Politikern geht, wäre Autoverkehr in der Innenstadt bald Vergangenheit.

Autos befahren im morgendlichen Berufsverkehr die Düsseldorfer Straßen. Wenn es nach einigen Politikern geht, wäre Autoverkehr in der Innenstadt bald Vergangenheit.

Foto: Foto: Martin Gerten / dpa

Düsseldorf.  Bremen möchte bis 2030 eine autofreie Innenstadt haben. Auch hier gibt es Befürworter für so einen Vorschlag. Es gibt aber auch Kritik.

Die Grünen in Hamburg wollen sie: eine weitgehend autofreie Innenstadt. Und auch in Bremen möchte man bis 2030 die Fahrzeuge aus dem Innenstadtbereich verbannen. Einige Politiker plädieren auch hier für eine komplett freie Innenstadt.

Andreas Rimkus (SPD) sieht keine Gefahr für Einzelhandel

Einer, der sich das sehr gut vorstellen kann, ist der Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus. Im September, wenn an einem Tag zumindest ein Teil der Innenstadt autofrei bleibt, werden bereits entsprechende Anreize geliefert, so der Sozialdemokrat. Denn der ÖPNV wird an diesem Tag kostenfrei nutzbar sein. Auch für die Zukunft sieht er dort viel Potenzial – und keine Gefahr für den Einzelhandel, wie oft angemerkt wurde. „Wir müssen entsprechende Logistikstrukturen schaffen, damit die Bürger ihre Einkäufe entweder zwischenlagern oder nach Hause geliefert bekommen können“, so Rimkus. Das Hohe Straßen Fest praktiziert bereits die Liefermöglichkeit.

Anders sieht das die Düsseldorfer FDP-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Für sie bedeutet eine autofreie Innenstadt, dass man Menschen aus der Stadt vertreibt, dem Einzelhandel und damit verbundenen Arbeitsplätzen massiv schädigt. Düsseldorf ist „eine tolle Einkaufsstadt“, aber diese Einschränkung wäre eine „kommunale Katastrophe“. „Es ist schwierig mit dem Rad alle Einkäufe zu tätigen. Ein Flachbildschirm passt schlecht in das Fahrradkörbchen“, so Strack-Zimmermann, die befürchtet, dass die Bürger verstärkt zum Internethandel getrieben werden. „Das wäre der Tod des Einzelhandels.“

Strack-Zimmermann (FDP): „Emissionen werden nur anders verteilt“

Auch sieht sie es als problematisch an, wenn die Einkaufsgüter geliefert werden. „Die Ware muss ja dennoch zum Kunden – und das würde dann mit Lastwagen passieren. Das wäre nur eine Verlagerung der Emissionen“, so die FDP-Frau.

Zustimmung erfährt sie vom verkehrspolitischen Sprecher der CDU, Andreas Hartnigk. Auch er hält nichts von einer autofreien Innenstadt. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn bei einer Veranstaltung mal eine Straße gesperrt wird, aber mit einer komplett autofreien Innenstadt würde man „erheblich in das Leben der Menschen eingreifen.“ Mobilität sei zudem ein Grundrecht – und dazu gehöre eben auch die mit dem Auto. Solange also keine „1 zu 1 Alternative“ gefunden wurde, würde eine autofreie Innenstadt zu einem enormen wirtschaftlichen Schaden führen, so Hartnigk.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Norbert Czerwinski, hat eine geteilte Meinung zur autofreien Innenstadt. „Autoverkehr reduzieren, ja. Aber komplett autofrei? Nein.“ Denn nicht jeder würde von Erkrath aus mit dem Fahrrad in die Stadt fahren wollen, so Czerwinski. Zudem soll der Einkauf weiterhin ein Genuss bleiben.

50 Prozent aller Strecken mit Auto unter fünf Kilometer

Ratsfrau Anja Vorspel (Linke) sieht in dem autofreien Sonntag in Teilen der Innenstadt einen Anfang, um zu zeigen „wie man Stadt anders erleben“ kann. Auch an Rosenmontag sei die Innenstadt quasi autofrei. „Da sieht man wie breit die Straßen eigentlich sind.“

Gleichzeitig bedeute dieser Schritt eine verbesserte Lebensqualität. „50 Prozent aller Strecken, die mit dem Auto gefahren werden, sind unter fünf Kilometer lang, 75 Prozent unter zehn“, so Vorspel. Solche Distanzen könne man mit dem Fahrrad fahren. Momentan bei dem Verkehr fühlen sich einige aber noch nicht sicher. Um den Autoverkehr einzudämmen, dazu benötige es aber Mut. „Im Rat sitzen aber zu wenig junge Menschen“ kritisiert sie.

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