Bürgerbarometer

Einkaufen in den Düsseldorfer Vierteln verliert an Wert

Immer mehr Düsseldorfer gehen lieber in der Innenstadt einkaufen, als im Viertel. Auch der Online-Handel steigt.

Immer mehr Düsseldorfer gehen lieber in der Innenstadt einkaufen, als im Viertel. Auch der Online-Handel steigt.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Eindeutiger Umschwung zu den vergangenen Jahren: Immer weniger Düsseldorfer kaufen in ihren Stadtteilen ein. Die Innenstadt wird hingegen immer beliebter

Dass Düsseldorf eine Shopping-Stadt ist, ist wohl jedem bekannt. Wie das NRZ-Bürgerbarometer jetzt zeigt, gibt es unter den Befragten aber deutliche Verschiebungen und neue Trends. Die Grundstimmung, was das Einkaufen in der Landeshauptstadt anbelangt, wird aber nach wie vor sehr positiv wahrgenommen.

Umfrage zeigt radikale Änderung in sechs Jahren

Wenn vor sechs Jahren noch mehr als 60 Prozent der Düsseldorfer in ihren Vierteln einkaufen gingen (außer Lebensmittel), hat sich das heute radikal geändert. Nur noch 28 Prozent geben an, in ihren Vierteln zu shoppen. Immer beliebter wird demnach die Innenstadt. 58 Prozent aller Befragten gaben an, in der City Schuhe, Weine, Spielzeug oder Kleidung zu kaufen – insbesondere die jungen Befragten (jünger als 30 Jahre) und Menschen jenseits der 60 Jahre. Interessant ist auch in diesem Zusammenhang, dass die 30 bis 39 und die 70 bis 100 Jahre alten Düsseldorfer am ehesten noch in ihren Kiezen einkaufen.

Wenig verwunderlich ist, dass Frauen öfters in ihren Stadtteilen einkaufen als Männer. Die Menschen aus dem Düsseldorfer Norden kaufen laut NRZ-Umfrage am wenigstens vor Ort ein. „Viele Düsseldorfer aus Angermund oder Wittlaer fahren nach Duisburg, um dort einzukaufen“, sagt Klaus Krey von der Werbegemeinschaft Lohausen. Aber wie erklärt sich dieser krasse Umschwung unter den befragten Düsseldorfern innerhalb nur weniger Jahre?

Mehr Kundschaft in Oberzentren wie Innenstadt

Marketing-Professor Peter Kenning von der Universität Düsseldorf erforscht seit Jahren unter anderem genau hierzu: „Das hängt damit zusammen, dass die Kunden oft an Standorte gehen, an denen sie eine große Auswahl haben. Dies führt dann dazu, dass dort wo erst einmal viele attraktive Händler und hohe Kundenfrequenzen sind, sich weitere Händler ansiedeln. Dadurch wird der Standort dann nochmals attraktiver.“ Diesen sogenannten Agglomerationseffekt beobachte man laut Kenning regelmäßig in Oberzentren. Als ein solches Oberzentrum mit differenzierten Angeboten und hochwertigen (Luxus-) Läden gilt auch die Innenstadt, die seit einigen Jahren durch fertige Bauprojekte deutlich aufgewertet wurde.

Es scheint, dass die Viertel – früher die Lebensader für die Düsseldorfer Stadtteile – allmählich ins Hintertreffen geraten. „Das kann man so pauschal nicht sagen. Es hängt vielmehr davon ab, wie gut es den Händlern dort gelingt, einen für den Kunden spezifischen und wahrnehmbaren Nutzen zu stiften“, relativiert Experte Peter Kenning von der Heine-Universität. Wichtig sei auch der Aufbau von persönlichen Beziehungen. Denn dadurch gewinnen die in den lokalen Vierteln angesiedelten Händler an Marktnähe, die vom Kunden geschätzt wird.

Discounter und große Ketten sind Kundenmagnete

Trotz immer mehr Discountern und vielen großen Ketten in den Düsseldorfern Vierteln bestehe für die Händler eine Chance darin, Waren und Services anzubieten, die es woanders nicht gibt – vor allem nicht in den Discountern. Das sieht Jürgen Hagendorn, erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft Eller, genauso. Er hält aber die Discounter für Kundenmagnete und daher relevant. „So gibt es in den Vierteln wenigstens noch viel Frequenz. Das einer zuerst zu Aldi oder Lidl und dann in die Läden im Vierteln geht, ist üblich“ Hagendorn, selber Büroartikel-Verkäufer, nimmt aber auch die Düsseldorfer Geschäftsleute in die Pflicht. „Wir brauchen mehr Engagement, mehr kreative Ideen.“ Insgesamt teilt Hagendorn die Ansicht der Befragten nur teilweise. „Für den täglichen Bedarf sind wir in den Düsseldorfer Vierteln gut aufgestellt. Man findet fast alles in den Stadtteilen. Übrigens gaben viele Befragte auch an, immer öfter online zu shoppen. Einige fahren gar nach Köln oder Hamburg, um außergewöhnliche Dinge zu erwerben.

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