Gentrifizierung

Ganz Düsseldorf kämpft um die Kultkneipe Fortuna-Eck

Kultfrau steht vor Kultkneipe: Monika Frohburg vor dem Fortuna-Eck, das Ende des Jahres schließen soll.

Kultfrau steht vor Kultkneipe: Monika Frohburg vor dem Fortuna-Eck, das Ende des Jahres schließen soll.

Foto: EndermannAndreas (end) / Ja

Düsseldorf.  Lokal im Düsseldorfer Szene-Stadtteil Flingern soll schließen. Online-Petition hat schon mehr als 1500 Unterstützer und auch die Politik erreicht.

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„Die Leute machen mir das Herz immer so schwer!“ Das sagt Monika Frohburg oft, und mit den Leuten meint sie die Gäste vom Fortuna-Eck, eben der Kultkneipe, die Ende des Jahres dicht machen soll. „Die Leute“ empfinden das als Tragödie, und der Grund heißt: Gentrifizierung. Ein Investor mit Sitz in Frankfurt hat das Haus mit Kneipe im Erdgeschoss vor zwei Jahren gekauft und mit Subkultur offensichtlich nichts am Hut. Gegen das Aus von Monis Fortuna-Eck regt sich in der ganzen Stadt heftiger Widerstand.

„Das Drama ums Fortuna-Eck ist exemplarisch dafür, dass in ganz Düsseldorf Kulturräume platt gemacht werden von Investoren, die das alles nicht interessiert“, sagt der Düsseldorfer Künstler Cornelius Völker, der zusammen mit dem Künstler Walter Eul und der Autorin Magdalena Kröner vor gut zwei Wochen eine Online-Petition ins Leben gerufen hat. Diese Bürgerinitiative fand nach 48 Stunden rund 800 Unterstützer im Netz, jetzt sind es bereits mehr als 1500. Und jeder dritte schreibt einen Kommentar in die Petition, wie furchtbar es sei, dass Moni, wie sie halt von allen genannt wird, bald schließen muss.

Vor mehr als 30 Jahren hat Monika Frohburg die Kneipe übernommen. Ein uriges Lokal, das unter ihrer Regie weit über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannt wurde. Bei Moni gibt es Lesungen und Musik, noch in der Halloween-Nacht spielte dort die Düsseldorfer Band Beatlesons mit Sängerin Monique. Der Laden war zum Bersten voll. Bei Moni treffen sich Künstler, Intellektuelle, Handwerker, Feuerwehrleute, Kegelclubs – „alle halt, die hierhin gehören“, sagt Moni. „Diejenigen, die hier nicht reinpassen, merken das ziemlich schnell.“

Ende 2017 ist das Haus mit Kneipe im Erdgeschoss verkauft worden. Der neue Eigentümer sei von der Vorbesitzerin nicht darüber informiert worden, dass Moni eine vergünstigte Miete zahlt – anderslautend, als es im Mietvertrag steht, berichtet Cornelius Völker. Daraufhin gab es eine fristlose Kündigung, die dann später – auf Drängen von Anwälten – umgewandelt wurde in eine Kündigung zum Jahresende 2019. Moni hat dies so hinnehmen müssen. Zahlreiche Gäste und Anwohner haben daraufhin den neuen Investor angeschrieben und versucht zu erklären, wie einzigartig dieser Ort in Flingern ist.

Als der neue Inhaber nicht reagierte, starteten Völker, Eul und Kröner die Petition. „Es regt sich ja auch außerhalb der Petition viel“, weiß Völker. Bezirksbürgermeister Uwe Wagner ist einer der Unterzeichner, die Toten Hosen sind es auch, die international berühmte Künstlerin Katharina Fritsch ebenso. Die Grünen stellen vor diesem Hintergrund in der nächsten Ratssitzung eine Anfrage zur Zukunft der urbanen Nachtkultur. Tenor: Warum erfahren Gewerberäume in Düsseldorf eigentlich kein Milieuschutz? Denn rechtlich ist der Investor auf der sicheren Seite. „Wir hoffen, dass dieser öffentliche Druck den neuen Inhaber zum Einlenken bewegt“, sagt Künstler Völker.

Moni würde jedenfalls noch gern ein oder zwei Jahre bleiben, „um sich vernünftig von den Gästen zu verabschieden“, sagt sie. Ansonsten wird ihre private Silvesterparty die letzte sein im Fortuna-Eck.

Am vergangenen Donnerstag hat Cornelius Völker die 100-seitige Petition ausgedruckt und noch einmal an den Investor nach Frankfurt geschickt – zusammen mit einem ausführlichen Brief. Es ist das Flehen von Verwundeten.

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