Die NRZ am Gleis

Im Düsseldorfer Hauptbahnhof gibt’s eine „geheime“ Kegelbahn

Fred Kurasch ist Geschäftsführer des ESV und würde sich mehr Kegelclubs im Hauptbahnhof wünschen.

Fred Kurasch ist Geschäftsführer des ESV und würde sich mehr Kegelclubs im Hauptbahnhof wünschen.

Foto: Pascal Conrads / NRZ

Düsseldorf.  Eine Kegelbahn im Hauptbahnhof haben wohl die Wenigsten bisher gesehen. Aber sie existiert und mit ihr zwei Tischtennisplatten – nur wo?

Ein richtiges Geheimnis soll es eigentlich nicht sein – ganz im Gegenteil: Neue Mitglieder wären sogar erwünscht und willkommen. Trotzdem weiß kaum ein Düsseldorfer, dass unterhalb des Hauptbahnhofs nicht nur U-Bahnen rollen, sondern auch öfters mal ne schnelle Kugel geschoben wird. Denn seit 1956 betreibt der Eisenbahner Sportverein Blau-Weiß Düsseldorf 1926 (ESV) eine Kegelbahn im Hauptbahnhof.

Die „Blaue Wolke“ oder die „Flotte Zwölf“

Noch nicht gesehen? Ganz sicher aber schon vorbei gelaufen; zugegeben, der Zugang wirkt unscheinbar. Seitlich zwischen dem Haupteingang am Konrad-Adenauer-Platz und dem Uhrenturm gibt es einen Treppenabstieg, der direkt unter den Hauptbahnhof führt. An den zwei Bahnen spielen auch heute noch regelmäßig die Clubs „Blaue Wolke“, „Der letzte Pinn“ oder die „Flotte Zwölf“.

Für Fred Kurasch, Geschäftsführer des Sportvereins, sind die Sporträume ein kleines Schätzchen. Er versucht immer wieder einige Leute dazu zu animieren, die Kegelbahn zu nutzen, „einfach so als geselliges Zusammensein, ein bisschen Spaß haben, ein bisschen Kegeln, ist doch optimal hier“, sagt er.

Alles aus den 50er Jahren – vermutlich

Die Einrichtung wurde vermutlich seit der Eröffnung in den 50er Jahren nicht mehr ausgetauscht und auch die Gardinen hängen seitdem am Fenster: Alles ist in einem Traum in Grün und aus Buche rustikal gehalten. Dennoch: Die Bahnen funktionieren einwandfrei, der Raum bietet Platz für größere Gesellschaften und Kühlschränke ermöglichen es,, eigene Getränke mitzubringen statt das Bier im Vereinsheim zahlen zu müssen.

Anfangs wurden in dem Sportverein nur Eisenbahner aufgenommen. Wer nicht nur Deutschen Bahn gehörte, musste schon Kontakte in den Verein haben, damit er mal ein paar Kegel umrollen durfte. „Aber das ist ja schon lange nicht mehr so“, erklärt Kurasch. Er selbst war auch nie Eisenbahner. Und heute kommt der Großteil der rund 320 Mitglieder nicht mehr von der Deutschen Bahn, höchstens 15 Prozent Eisenbahner hat der ESV noch.

Hauptleitung Gleise

Hinter einigen Türen verbergen sich dicke Rohre, die nach oben führen: „Hauptleitung Gleise“ steht zum Beispiel dran, mit zwei Schaltern zum Auf- und Zudrehen. „Ich kann der Bahn hier alles ausschalten“, erzählt Kurasch lachend. Würde er natürlich nie tun.

Die Räume sind von der Bahn gemietet. Sollte der Sportverein diese irgendwann nicht mehr brauchen, würden hier vermutlich einfach Regale mit Aktenordner reinkommen, meint der Geschäftsführer. Schade wäre das schon irgendwie, nicht nur für Kegler – im hinteren Bereich der Anlage befinden sich auch zwei komplette Tischtennis-Tische samt Netz, Schläger und Bälle. „Könnte man auch häufiger nutzen“, Kurasch hofft, dass mehr Leute auf den Verein aufmerksam werden und die „geheimen“ Clubräume im Bahnhof wiederbeleben. Freie Termine gibt es genug Bis dahin wird er jährlich ein geselliges Weihnachts-Kegeln anbieten und regelmäßig nach dem Rechten schauen.

Tischtennisspielen im Verein kostet 48 Euro im Jahr, Kegeln geht für 120 Euro im Jahr. Weitere Infos gibt es unter www.esv-bw.de.

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