Sicherheit

Klare Mehrheit für Altstadt-Videoüberwachung in Düsseldorf

Videoüberwachung in der Altstadt: An der Bolker Straße, einem Schwerpunkt der Kriminalität, wird

Videoüberwachung in der Altstadt: An der Bolker Straße, einem Schwerpunkt der Kriminalität, wird

Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Mehr als 80 Prozent der Düsseldorfer befürworten den verstärkten Kameraeinsatz. Vor allem ältere Menschen sind dafür.

Sie sind klein, unscheinbar, haben aber eine große Reichweite. Mittlerweile hängen sie in der gesamten Düsseldorfer Altstadt verteilt an wichtigen Plätzen, Ecken und Straßen. Die Rede ist von Videokameras. Jene Objekte, die für unseren Schutz und unsere Sicherheit sorgen sollen – und uns dabei auf Schritt und Tritt überwachen. Und das nicht nur beim Bierchen, beim Shoppen oder beim Flanieren in der Altstadt, sondern manchmal sogar in privaten oder zweifelhaften Momenten.

Wie das NRZ-Bürgerbarometer jetzt zeigt, sind 84 Prozent, also eine satte Mehrheit, der Düsseldorfer für die seit diesem Jahr verstärkte Videoüberwachung in der Altstadt. Nur vier Prozent halten Videoüberwachung für wenig sinnvoll. 11 Prozent sind bei dieser Frage geteilter Meinung. Das gestiegene Sicherheitsgefühl der Düsseldorfer nach den grausamen Terrorattacken von Paris und Nizza ist sicherlich eine Ursache für die verstärkte Videoüberwachung, die Polizeipräsident Norbert Wesseler 2016 höchst persönlich anordnete.

Linksrheinisch gibt es mehr Zweifel

Dass das Sicherheitsbedürfnis mit dem zunehmenden Alter steigt, ist längst bekannt. Insbesondere Ältere fühlen sich sicherer, wenn eine Kamera sie überwacht. Das belegen auch die Ergebnisse des Bürgerbarometers. Demnach ist die Zustimmung für die gestiegen Videoüberwachung in der Altstadt am höchsten unter den Menschen jenseits der 50 Jahre. Den höchsten Wert erreicht die Gruppe der Düsseldorfer, die älter als 70 Jahre alt sind. Mit mehr als 60 Prozent votierte diese Gruppe für den verstärkten Kameraeinsatz rund um die sogenannten Kriminalitätsschwerpunkte rund um den Bolkerstern, die Kurze Straße, die Mertensgasse, den Burgplatz und die Rheinpromenade. Allerdings sind nicht alle Kameras immer in Betrieb.

Es zeigen sich außerdem nur geringfügige Abweichungen zwischen den Befragten der beiden Geschlechter. Die Düsseldorfer, unterteilt nach Stadtteilen, bewerten das Thema mehrheitlich ähnlich positiv. Ob Norden, Osten, Süden, Westen oder Stadtmitte: Alle begrüßen mit mindestens 52 Prozent die Videoüberwachung rund um die längste Theke der Welt. Die befragten Düsseldorfer aus dem Norden sprechen sich mit mehr als 70 Prozent am stärksten für die Kameraüberwachung aus. Die Menschen von der linken Rheinseite haben noch die „meisten“ Zweifel an der gestiegenen Videoaufzeichnung. Mit mehr als zehn Prozent votierten immerhin ein Zehntel der Linksrheiner gegen die Kameras in der Altstadt.

Polizei setzt auf Prävention

Die Düsseldorfer Polizei betont, dass Videoüberwachung in heutiger Zeit Alltag sei. Sie diene der Prävention und sichere wichtige Beweise bei Ermittlungen und Strafverfolgung. Es ist richtig, dass viele Täter mit Hilfe von Videokameras ermittelt werden konnten – viel schneller als ohne Videoaufzeichnungen. Man denke nur an den brutalen U-Bahntreter aus Berlin-Neukölln vom Herbst vergangenen Jahres. Den jungen Mann hatte die Berliner Polizei europaweit zur Fahndung ausgeschrieben – in den Medien kursierte sein Foto. Dank guter Fotos aus den Videoaufzeichnungen konnte der Treter nur wenige Tage nach der Tat und trotz kurzzeitiger Flucht nach Marseille von Polizisten, die ihn erkannten, verhaften werden.

Grüne gegen Videoausweitung

Ob sich allerdings betrunkene oder unter Drogen stehende Altstadt-Schläger von Kameras, generell abhalten lassen, Straftaten zu begehen, bezweifeln nicht nur die jungen Düsseldorfer, die die fast flächendeckende Videoüberwachung mit Werten von deutlich weniger als 50 Prozent weniger sinnvoll finden. Aus der Politik regt sich auch Widerstand. Die Grünen meinen, dass an der Kurzen Straße die Überwachung tragbar sei, weil sie schnelles Eingreifen ermögliche. Am Burgplatz hingegen müsse der Platz genauer daraufhin untersucht werden, wo dort Kriminalitätsschwerpunkte sind. Die Aufenthaltsqualität würde durch festinstallierte Kameras leiden. Es fehle ein Gesamtkonzept, das auch auf die städtischen Maßnahmen abgestimmt sei, sagte der Sprecher der Grünen, Norbert Czerwinski.

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Videoüberwachung verhindert natürlich keine Straftaten. Diejenigen, die zuschlagen wollen, tun dies leider – auch, wenn Kameras sie im Blick haben. Da hilft nur mehr Personal und eine schnelle Verurteilung. Dennoch helfen Kameras bei der Aufklärung von Straftaten entscheidend mit. Täter können durch eine immer besser werdende Qualität der Kamerafotos besser öffentlichkeitswirksamer ermittelt werden. Gäbe es keine Kameras, würde der Strafverfolgungsprozess sich nur noch mehr in die Länge ziehen. Außerdem erhöhen Kameras das so wichtige subjektive Sicherheitsgefühl und den Glauben daran, dass Täter vielleicht nicht zu hauen, wenn sie gefilmt werden.

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