Die NRZ am Gleis

Kölner wollen keine Jacques-Tilly-Blumen aus Düsseldorf

Der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist voller Geschäfte.

Der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist voller Geschäfte.

Foto: Daniel Helbig / FUNKE Foto Services

Die Hauptbahnhöfe in der Region sollen mit Blumen-Plastiken des Düsseldorfers Jacques Tilly dekoriert werden. Doch die Kölner lehnen das ab.

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Immer mehr Bahnhöfe sind keine bloßen Abreisehallen und Wartehäuschen mehr, sondern gleichen viel mehr riesigen Einkaufszentren. Auch der Düsseldorfer Hauptbahnhof ist ein Teil der Nahversorgung in der Stadt. Schließlich gibt es nicht nur zwei Hände voll Bäckereien, an denen die Reisenden zwischen zwei Zügen schnell einen Kaffee trinken oder ein Brötchen essen können.

Verweildauer soll erhöht werden

Vielmehr gleicht der Hauptbahnhof mit den zwei Filialen einer Buchhandelskette, diversen Schnellrestaurants mit Spezialitäten aus allen Ecken der Welt, einem Blumenladen, einem Schuhhändler, einer Apotheke, Parfümerie, Drogeriemarkt, Handyshop und einem Supermarkt den vielen Fußgängerzonen in den Stadtteilen, in denen es häufig ein ähnliches Angebot gibt.

Nicht ganz unschuldig daran ist die Werbegemeinschaft „Marketinggesellschaft der bundesweiten Einkaufsbahnhöfe“, die zur DB Station und Service AG gehört. „Wir wollen die Verweildauer in den Bahnhöfen erhöhen und die Bahnhöfe auch ein Stück weit schöner machen“, erklärt Ursula Sollors-Dettmer, Werbereferentin für die Region-West, die Idee dahinter.

Acht Hauptbahnhöfe – nur sieben mit Tilly-Blumen

Neben der Verschönerung des Hauptbahnhofs Düsseldorf, ist die Werbegemeinschaft auch noch für sieben weitere Hauptbahnhöfe verantwortlich: Köln, Duisburg, Bochum, Essen, Dortmund, Münster und neuerdings auch Wuppertal.

Einen Lieblingsbahnhof hat Sollors-Dettmer jetzt nicht direkt, aber „jeder Bahnhof ist auch anders.“ Und wie jede Werbegemeinschaft, ist die des Bahnhofs auch für die Dekoration zuständig. Die Weihnachtsbeleuchtung insbesondere ist immer auch ein Stück Weit die Arbeit von Ursula Sollors-Dettmer.

Blumen über der Anzeigetafel

Und in gewisser Weise pikant ist die Deko in Düsseldorf auch: Wer vom Konrad-Adenauer-Platz den Bahnhof betritt, kann über den Anzeigetafeln große, bunte aber unechte Blumen sehen – die Plastiken wurden von Jacques Tilly gestaltet und sollen jetzt absolut jeden großen Hauptbahnhof in der Region verschönern – mit einer Ausnahme: „Die Kölner würden die Blumen von Jacques Tilly nicht ohne weiteres akzeptieren“, erklärt die Werbefachfrau.

Also werden die Blumenplastiken von Tilly aus Düsseldorf die Region erobern und einen großen Bogen um die Domstadt machen. Wohl gemerkt: Ein besonderes Düsseldorfer Symbol ist auf den Blumen nicht zu erkennen. Den Kölnern reicht es allerdings schon, dass die Blumen überhaupt vom bekannten Karnevalskünstler aus Düsseldorf stammen und lehnen sie deshalb einfach ab.

Ausstellungen und Comedy

Doch nun gibt es die Möglichkeit, am Sonntag etwas ganz anderes aus Düsseldorf nach Köln zu schicken und zwar einen Slam Poeten. Die Werbegemeinschaft macht nicht nur mit Deko den Bahnhof schöner, sondern auch durch Veranstaltungen; dafür gibt es Richtung Konrad-Adenauer-Platz eine Veranstaltungsfläche von drei mal acht Metern, die die Werbegemeinschaft, mal mit einer Tanzgruppe oder auch mit Musikern und Theatergruppen bespielen darf.

Anfang September gab es sogar einen Tourauftritt der „NightWash“-Gruppe. Alles kostenlos natürlich. Der Poetry Slam findet nacheinander an jedem Hauptbahnhof in der Region statt, jeweils mit anderen Künstlern. Der Künstler, der gewinnt, wird zum Finale am 10. Oktober nach Köln geschickt und kann dort den Titel „Bahnhofspoet NRW 2019“ holen. Der Poetry Slam beginnt morgen um 17 Uhr.

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