Musikwettbewerb

Mit Coolness und Perfektion zum Sieg

Musik im Blut: (v.L.) Philippe Schwarz, Jonathon Ramsay, Ross Knight, Lennard Czakaj

Musik im Blut: (v.L.) Philippe Schwarz, Jonathon Ramsay, Ross Knight, Lennard Czakaj

Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.  Beim Aeolus-Wettbwerb, einem internationalen Festival der Blechblas-Musik, haben Talente wieder Kostproben ihres großen Könnens abgegeben.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Locker, lässig, souverän. Und mit siegesbewusstem Lächeln: So betrat Jonathon Ramsay nicht nur das Podium in der gut besuchten Tonhalle Sonntagvormittag. Der 25-jährige Posaunist aus Australien spielte auch so das spätromantische Concerto für Posaune und Orchester von Launy Grondahl. Makellos und sensibel. Begleitet von den Symphonikern, die unter Jung-Maestro Hussein Pishkar einen geschmeidig glänzenden Sound an den Tag legten, gelangte der Australier zu einer lebendigen und CD reifen Perfektion. Dass Ramsay selbst die kniffligen Rhythmen in dem Werk des dänischen Komponisten fast wie ein alter Hase meisterte, mag den Ausschlag gegeben haben für seinen Sieg. Im Finale des 14. internationalen Aeolus-Wettbewerbs – mittlerweile in der Branche weltweit etabliert – setzte er sich an die Spitze und gewann 10.000 Euro.

Bereits in drei Vorrunden in der Schumann-Hochschule verblüffte der Musiker aus fernem Land – bereits mit 21 war er Erster Posaunist des Symphonie-Orchesters in Tasmanien – die hochkarätig besetzte Jury mit namhaften Hochschul-Professoren aus ganz Europa. Möglich gemacht durch Mäzen und Organisator Sieghardt Rometsch, der, mit seiner Privatstiftung, seit 2006 die Blechblas-Musik-Elite alljährlich an den Rhein Düsseldorf lockt und damit dem Düsseldorf-Wettbewerb eine internationale Note verleiht.

Seit den Aeolus-Anfängen kommt es im Finale zu Überraschungen. Im letzten Jahr war es der 17-jährige Hornist und Sieger Bora Demir aus Istanbul, den vorher niemand kannte und der seitdem in Berlin Karriere macht. Und jetzt: Jonathon Ramsay. Selbst Posaunen-Spezialisten unter den Juroren hatten ihn nicht auf dem Schirm, obwohl Ramsay seit 2018 zur Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker gehört. Seine Coolness und Sicherheit überzeugte sie – ebenso die Zuschauer. So heimste er ebenfalls den Publikumspreis ein (2 000 Euro).

Den zweiten Preis (7.000 Euro) erkämpfte sich – in dem Concertino für Tuba von Eugène Bozza - der 27-jährige Schotte Ross Knight. Dass man dem klobigen Instrument mit breitem Trichter auch tänzelnde Skalen und lyrisches Schweben entlocken kann, beweist Knight mühelos. Auch er ist in der Karajan-Akademie und gleichzeitig Solo-Tubist des Orchestre de la Suisse Romande. Auf Platz drei (6.000 Euro) landete der Trompeter Lennard Czakaj, mit 22 in diesem Jahr der jüngste Finalist. Im Trompeten-Konzert in f-Moll von Oskar Böhme glänzte der junge Pole als Virtuose in den Allegro-Sätzen und als Sänger an der Trompete in dem feierlich getragenen, melancholischen Adagio religioso.

Dass Neue Musik auf hohem Niveau unterhalten und amüsieren kann, demonstrierte zudem der Posaunist Philippe Schwarz als Performer: Mit seinem Instrument verübt er wahre Kunststücke und nimmt sich als Musiker, der mit ernster Miene die Brille aufsetzt, sogar a bissel auf die Schippe. Mit dem Solo (von Joachim Schneider) erhielt er den Preis für die beste zeitgenössische Interpretation (5.000 Euro).

Das Konzert ist per Livestream zu erleben (ab kommender Woche): www.aeoluswettbewerb.de. Zu hören: Deutschlandfunk, 13. Oktober, 21.05 Uhr.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben