Freizeit

Nicht nur was für Muggel: Der Harry-Potter-Sport Quidditch

“Auf die Besen, fertig, los!“ heißt es zum Beispiel bei den Düsseldorf Dementors.

“Auf die Besen, fertig, los!“ heißt es zum Beispiel bei den Düsseldorf Dementors.

Foto: Olaf Fuhrmann

Düsseldorf.   Leser der Harry-Potter-Romane kennen es – und manche von ihnen spielen es sogar in ihrer Freizeit: Quidditch wird auch in der Region angeboten.

Die tief stehende Sonne taucht die Natur am Rande von Düsseldorf in goldenes Licht, der Wind lässt die Blätter rascheln – plötzlich zerreißt ein lauter Pfiff die idyllische Ruhe. „Brooms up (Besen hoch)!“, schallt es im nächsten Moment quer über den Rasen. Die Besen steigen auf, allerdings nicht wie von Zauberhand. Denn hier trainieren Muggel (Nicht-Zauberer) den Sport, den Harry Potter in der gleichnamigen Bücher- und Filmreihe spielt.

Viele kommen natürlich über Harry Potter zum Quidditch“, sagt Maja Korkow. „Aber man bleibt für den Sport und die Gemeinschaft.“ Die 28-Jährige ist selbst vor zweieinhalb Jahren als Fantasy-Fan zum Team „Düsseldorf Dementors“ gestoßen. Harry-Potter-Fans wissen: Dementoren, das sind doch die seelenlosen Wesen aus der magischen Welt.

Weder der Name noch der Sport selbst haben Maja Korkow jedoch abgeschreckt. Ganz im Gegenteil, schnell hat sie das Quidditch-Fieber gepackt. „Dabei habe ich vorher nie Sport gemacht“, gibt sie lachend zu. Doch die Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby habe es ihr schnell angetan. Denn, das betont sie: „Man kann ja alles lernen.“

Regelkunde gehört beim Quidditch dazu

Damit die rund 25 Spieler der „Düsseldorf Dementors“ auch in der offiziellen NRW-Liga bestehen können, trainieren sie zwei Mal die Woche. Nach einigen Aufwärmübungen geht’s vor allem um verschiedene Wurfeinheiten. „Fangen und Werfen gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten“, sagt Maja. „Außerdem sollte man nicht kontaktscheu sein und die Regeln kennen.“ Wie wichtig die beiden letzteren Punkte tatsächlich für Quidditch sind, offenbart sich bereits in den ersten Minuten des heutigen Testspiels.

Nach dem Anpfiff steigen die jeweils sechs Spieler der gemischtgeschlechtlichen Teams auf ihre Besen und ... heben nicht ab, sondern sausen mit dem Plastikstab zwischen den Beinen im rasanten Tempo über den Platz. Die 21-jährige Linda Klinger ist eine von drei Jägern und kämpft verbissen um einen „Quaffel“-Ball, um ein Tor zu werfen. Endlich hält sie ihn in der Hand, stürmt mit ihm vorbei am gegnerischen Hüter und schmettert ihn in einen der drei Ringe. Bedeutet: zehn Punkte.

Bloß nicht vom Klatscher getroffen werden

Beim Folgeangriff aber wirft ein Gegner, ein sogenannter „Treiber“, sie mit einem „Klatscher“-Ball ab. Diese bringen wie beim Brennball zusätzlich Spannung ins Spiel. Sie fällt vom Besen und muss zurück zu den eigenen Ringen laufen. Erst dort darf sie wieder auf ihren Besen und weiter am Spiel teilnehmen.

Nach zwanzig Minuten endet schließlich das Testspiel und die Düsseldorfer Dementoren steigen erschöpft von ihren Besen ab. Der Schweiß läuft über ihre Gesichter, doch auf allen ist ein breites Lächeln zu sehen. Quidditch macht eben auch in der Muggelwelt ziemlich viel Spaß.

Auf die Besen, fertig, los!
Auf die Besen, fertig, los!

Schon gewusst?

Schnatz. Beim Quidditch der Zauberer im „Harry Potter“-Buch fliegt ein goldener Ball, der sogenannte Schnatz, durch die Luft. In der Muggelwelt kommt dagegen nach 17 Minuten ein unparteiischer Schnatzläufer ins Spiel, der hinten an seiner Hose eine Socke mit einem Ball befestigt hat. Jeweils ein Teammitglied (der Sucher) versucht im weiteren Verlauf des Spiels die Schnatzsocke zu fangen, um damit 30 Punkte zu erzielen und das Spiel zu beenden.

Teams. Quidditch heißt Spielerinnen und Spieler jedes Geschlechts willkommen. So dürfen sich von den sieben Aktiven auf dem Feld maximal vier als Männer oder als Frauen identifizieren.

Liga. Die Deutsche Quidditch-Liga besteht aus sechs Regionalligen, zu der auch die NRW-Liga mit insgesamt acht Teams zählt. Die „Düsseldorf Dementors“ haben in der vergangenen Saison den vierten Platz gemacht und sich so für das Ligafinale qualifiziert, bei dem die 20 besten Teams aus Deutschland gegeneinander antreten.

Hier gibt’s Quidditch-Angebote in der Region:

Düsseldorf Dementors: Mo+Do 18.30-20.30, Aderdamm 29, Info: www.facebook.com/DuesseldorfDementors

Ruhr Phoenix Bochum: Die Ruhr Phoenixe haben in diesem Jahr die NRW-Liga gewonnen. Wer also von den Besten lernen möchte, kann bei ihnen mittrainieren. Training: Freitag, 17- 18.30 Uhr, So 13.30-15 Uhr, Universitätsstraße 150, Bochum. Kosten: 18 Euro. Anmeldung: ab 2. Oktober über www.hochschulsport-bochum.de.

Münster Marauders: Training: Freitag, 15.15-16.45 Uhr, Horstmarer Landweg 62, Münster. Kosten: 42,50 Euro. Anmeldung: ab 10. Oktober über www.uni-muenster.de/hochschulsport.

Cologne Cannons: Training: Di+Do 19-21 Uhr, Wiese des Uni-Sports, So 17-19 Uhr, obere Uni-Wiese, Köln. Kostenlos. Anmeldung über www.facebook.com/quidditchkoeln.

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