Viel Leerstand

Friedrichstraße Düsseldorf: Niedergang einer Einkaufsmeile

Klaus Janssen, Enkel des Stern-Verlag-Gründers Ferdinand Studt, schloss das Bücherhaus 2016. Jetzt soll dort ein Hotel hinkommen.

Klaus Janssen, Enkel des Stern-Verlag-Gründers Ferdinand Studt, schloss das Bücherhaus 2016. Jetzt soll dort ein Hotel hinkommen.

Foto: Philipp Rose

Düsseldorf.  Einst war sie eine der wichtigsten Einkaufsstraßen in Düsseldorf – jetzt herrscht an der Friedrichstraße gähnende Leere. Wie soll es weitergehen?

Die Friedrichstraße zählte einst zu den umsatzstärksten Einkaufstraßen Düsseldorfs. Strauss, Stern-Verlag, West-LB und kleine Familienbetriebe hatten lange ihren Sitz an der ehemals beliebten Einkaufsmeile.

Mittlerweile reihen sich dort immer mehr leere Fensterläden nebeneinander. „Räumungsverkauf“ und „Geschäftsaufgabe“ heißt es häufig auf Schildern, die die leeren Räumlichkeiten schmücken. „Wie soll es mit der Friedrichstraße weitergehen?“, fragen sich nicht nur Anwohner, sondern auch Bezirksvertreter.

Friedrichstraße Düsseldorf – Mieten für viele Händler zu hoch

„Die Friedrichstraße ist von dem selben Problem betroffen wie viele Einkaufstraßen in anderen Stadtteilen auch: die Leute kaufen fast nur noch im Internet. Dagegen können sich kleine Einzelhändler nicht behaupten“, sagt Dietmar Wolf (Grüne), Ratsherr und stellvertretender Bürgermeister des Stadtbezirk 3. Mit Händlern der Friedrichstraße hat er eine Initiative gegründet, die mehr Leben auf die ehemalige Shoppingmeile holen soll.

„Die Friedrichs“ heißt die Initiative, die im vergangenen Jahr startete und durch gemeinsame Aktionen der Händler wieder mehr Kunden anlocken will: „Am 27. September haben wir einen Abend auf der Friedrichstraße geplant. Händler bieten dann spezielle Aktionen wie Lesungen und Verköstigungen an“, so Wolf. Doch ob Event-Shopping die Friedrichstraße wirklich wiederbelebt?

Großräumige Baustellen an der Friedrichstraße geplant

Geschäfte schließen dauerhaft, wenn die Kundschaft fehlt – logisch. Dass der Umsatz sich aber immer weniger lohnt, liegt aber auch an den „viel zu hohen Mieten, die sich viele Einzelhändler kaum noch leisten können“, wie Linke-Bezirksvertreterin Anja Vorspel bemerkt.

Viele der Gebäude seien in fester Hand von Investoren mit Sitz außerhalb Düsseldorfs oder außerhalb Deutschlands, die teils nur schwer zu erreichen seien, sagt auch Dietmar Wolf. Und: in den kommenden Jahren dürfte es die Friedrichstraße nicht leichter haben. So soll im kommenden Jahr der Asphalt großflächig aufgerissen werden, damit die Telekom Glasfaser und die Stadtwerke Fernwärme verlegen können – der durchgängige Baustellenlärm dürfte kaum für mehr Kunden sorgen.

Hotels und Regio-Halt in Bilk kommen

Nach den ganzen Umbauarbeiten, so ist sich Dietmar Wolf aber sicher, soll alles besser werden. Die Lage verbessern soll auch das geplante Motel One, ein Riesenhotel, welches auf der Fläche des ehemaligen Sternverlags neu gebaut werden soll. Der Regio-Halt, der 2020 an den Bilker Bahnhof kommt, soll laut dem Bezirksvertreter dann für noch weitere Kundschaft sorgen. Bis dahin „wird die Straße jedoch noch stark strapaziert werden“.

Anja Vorspel von der Linken ärgert sich über das geplante Hotel: „Davon gibt es in der Ecke dort ohnehin genug. Mag sein, dass dadurch mehr Kundschaft kommt, ein Mehrwert für die Anwohner entsteht durch das Hotel aber nicht“.

Ihrer Meinung nach könne die Friedrichstraße gegen die nebenan liegenden Bilker Arcaden nur ankommen, wenn sich die Aufenthaltsqualität verbessert: „Wir brauchen breitere Fußgängerwege und weniger Parkplätze. Nur wenige Kunden kommen dort mit dem Auto. Stattdessen braucht es mehr Gastronomie direkt an den Fußwegen und mehr Grün, damit die Leute kommen“.

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