Kommunalwahl

OB-Wahl 2020: CDU Düsseldorf will bürgernahen Kandidaten

Hildegard Müller schien die perfekte OB-Kandidatin für die Düsseldorfer CDU gewesen zu sein. Auch wenn ihre Kandidatur nie offiziell war. Die Basis scheint aber eine konkrete Vorstellung davon zu haben, wie ihr Kandidat sein sollte, der Geisel im kommenden Jahr herausfordert.

Hildegard Müller schien die perfekte OB-Kandidatin für die Düsseldorfer CDU gewesen zu sein. Auch wenn ihre Kandidatur nie offiziell war. Die Basis scheint aber eine konkrete Vorstellung davon zu haben, wie ihr Kandidat sein sollte, der Geisel im kommenden Jahr herausfordert.

Foto: André Hirtz

Düsseldorf.  Am 13. September 2020 wählen die Düsseldorfer ihren OB und das Stadtparlament. Die CDU sucht noch einen passenden Kandidaten - den „Anti-Geisel“.

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Hildegard Müller schien die ideale Düsseldorfer OB-Kandidatin für die CDU gewesen zu sein. Doch nun orientiert sich die 52-Jährige in Richtung Lobby und wird Präsidentin des mächtigen Verbandes der Automobilindustrie (VDA) – bei einem Jahresgehalt von einer Million Euro. Gerade bei der CDU-Basis hätten sich viele vorstellen können, Müller im Amt zu sehen, auch wenn eine Kandidatur nie offiziell in Erwägung gezogen wurde. Weder von ihr selbst noch von der Parteispitze. Darüber, wie der ideale Kandidat sein sollte, hat man bei der Union scheinbar dennoch eine klare Vorstellung: das Gegenteil von Thomas Geisel.

„Ein Oberbürgermeister muss auch Manns genug sein, Entscheidungen zurück zu nehmen und Fehler einzugestehen“, betont Stefan Golißa, Bürgermeister im Bezirk 5. „Besonders wichtig sind aber auch Führungsqualitäten. Ein OB muss die Sorgen und Nöte der Bürger verstehen, damit sie ihm vertrauen können“, so Golißa weiter. „Jemand wie Hildegard Müller oder auch Handwerkskammerpräsident Andreas Ehlert wären gute Kandidaten gewesen.“

Keine Beratungsresistenz

Ratsherr Christian Rütz legt Wert auf die Teamfähigkeit eines Oberbürgermeisters. „Er sollte kein Einzelgänger sein und mutige Ideen haben, dabei aber auch nicht beratungsresistent sein“, erklärt Rütz. „Das scheint ja in vielen politischen Ämtern ein Problem zu sein – also nicht nur bei einem OB –, dass die Leute nach einiger Zeit so eine Beratungsresistenz entwickeln“, so Rütz. „Der OB sollte auch eine Lobby für junge Leute haben. Es kann auch gerne eine Frau sein, so als Gegenentwurf zu Geisel. Vor allem muss es aber jemand sein, der versucht, die Leute mitzunehmen, besonders in den Stadtteilen. Da vermisse ich das gerade“, so der Ratsherr. „Müller wäre sicherlich eine gute Kandidatin gewesen. Sie ist schließlich fachlich sehr kompetent.“

Düsseldorf verstehen und leben

Pragmatische Politik für die Bürger, wünscht sich derweil Karl-Heinz Graf, Bürgermeister im Bezirk 9. „Der OB sollte Fantasie und Mut zu Veränderungen mitbringen. Aber auch dazu, Fehlentscheidungen rückgängig zu machen. Und er sollte eine charismatische Persönlichkeit haben und nicht nur ein Parteiprogramm abarbeiten“, meint Graf. „Er braucht auch mehr Bezug zur Stadt. Eine weibliche Kandidatin wäre nicht schlecht. Hildegard Müller wäre so eine gewesen.“ Sie habe ihre Fähigkeiten bereits im Bundeskanzleramt unter Beweis gestellt, so Graf weiter.

„Ein OB braucht vor allem eine Verbindung zur Stadt und muss verstehen, wie sie funktioniert“, betont indes Giuseppe Saitta, Ratsmitglied und Mitglied im CDU-Fraktionsvorstand. „Vor allem wirtschaftlich. Er muss Düsseldorf verstehen und leben.“

Bürgernah und ein offenes Ohr

Hanno Bremer, stellvertretender Bürgermeister im Bezirk 7, legt Wert auf den Umgang mit der Verwaltung: „Ein guter OB muss die Verwaltung im Griff haben und mit den Menschen und der Politik umgehen können. Auch sollte er die anderen Parteien berücksichtigen können“, so Bremer. „Bürgernähe ist ganz wichtig. Der OB sollte ein offenes Ohr für die Bürger haben. Wie Erwin damals“, erinnert sich Bremer. „Den konnte man morgens um sieben Uhr anrufen. Dann hat er sich gekümmert und rief persönlich zurück.“

Ratsherr Stefan Wiedon hat derweil sehr konkrete Vorstellungen: „Ich würde mir eine Oberbürgermeisterin wünschen. Zwischen 40 und 50 Jahre mit Führungserfahrung“, meint Wiedon. „Sie sollte eine Affinität zu Düsseldorf haben und eine gewisse Zugehörigkeit zur Stadt fühlen. Oder zumindest zum Rheinland und die rheinische Mentalität verstehen. Der soziale Aspekt darf auch nicht zu kurz kommen“, so Wiedon. „Dass Hildegard Müller in Frage gekommen wäre, ist klar, aber da die Sache nun vom Tisch ist, muss man jetzt nicht mehr nachträglich über ungelegte Eier reden“, schließt Wiedon.

Kandidat wird alle Anforderungen erfüllen

„Ein OB muss eine Landeshauptstadt führen können und bürgernah sein“, sagt Rolf Tups, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Bürgermeister in Bezirk 4, und versichert: „Der Kandidat, den wir Ende Januar vorstellen, wird diese Anforderungen erfüllen.“

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