Inklusion

Stadt Düsseldorf bemüht sich um gendergerechte Sprache

 

 

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Düsseldorf.   Hannover und Dortmund machen vor, wie eine gendergerechte Sprache in Behörden gelingt – Politik fordert zudem mehr Rechte am Weltfrauentag.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“, befand schon der bedeutende Philosoph Ludwig Wittgenstein. Dass Sprache Bewusstsein erzeugt, spielt aber nicht nur in der Philosophie eine große Rolle. Kommunen wie Dortmund und Hannover denken derzeit aktiv darüber nach, wie sich eine geschlechtergerechte Sprache in der Verwaltung umsetzen lässt. Hannover etwa hat im Januar eine neue „Empfehlung für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“ herausgegeben, die für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung verbindlich ist. In Dortmund sollen alle Menschen im kommenden Jahr bei Behördentexten sprachlich miteinbezogen werden. Könnte Düsseldorf die nächste „gendergerechte Kommune“ werden?

Gleichstellungsbüro hat einen Leitfaden bereits erstellt

„Wir haben beim Gleichstellungsbüro schon vor Jahrzehnten einen Leitfaden dazu herausgegeben, der zeigt, wie einfach eine geschlechtseinbeziehende Sprache umzusetzen ist“, sagt Düsseldorfs Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart auf Anfrage unserer Redaktion. Denn Sprache erzeuge immer Bilder: „Wenn man Feuerwehrmann oder Arzt liest, dann ist eigentlich immer das Bild einer männlichen Person im Kopf“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte. In der städtischen Verwaltung werde eine inkludierende Sprache zwar weitestgehend berücksichtigt, „allerdings ist es kein absolutes Muss, wie es etwa die Verwaltung in Hannover umsetzt“, so Wilfart weiter. Die Stadt orientiere sich zu Teilen an den Vorgaben des Duden und der habe bisher in Sachen Gender keine entsprechende Empfehlung abgegeben, heißt es.

Standesamt berücksichtigt „drittes Geschlecht“

In Düsseldorf wird das Thema jedoch von einigen Ämtern verstärkt in den Fokus genommen. So gibt es beim Standesamt seit Einführung des „dritten Geschlechts“ – damit sind intergeschlechtliche Personen gemeint – die Option männlich, weiblich oder divers anzukreuzen. „Beim Gleichstellungsbüro legen wir natürlich Wert darauf, eine inkludierende Sprache zu benutzen“, sagt Wilfart. Demnach kann das generische Maskulinum, wie etwa das Wort „Student“, zu „Studierende“. Wenn es um Personen gehe, werde außerdem das so genannte Gendersternchen benutzt – aus Ansprechpartner werden so Ansprechpartner*in.

Um das „kleine Gendersternchen“ werde laut Wilfart sowieso ein „großer Trubel“ gemacht, da Kritiker der Genderdebatten das Thema immer wieder auf das Sternchen reduzierten. „Dabei machen wir in Sachen Gleichstellung deutlich mehr. Sprache ist ein wichtiger, aber eben nur kleiner Teil der Debatte“, so Wilfart.

Gewerkschaft fordert mehr Frauen in der Politik

Im Rahmen des Weltfrauentags meldeten sich auch Gewerkschaften und Politik zu Wort und fordern eine stärkere Einbeziehung von Frauen, nicht nur in sprachlicher Hinsicht, sondern auch in Verwaltung und Politik: „Im Landeskabinett sind nur vier der 13 Mitglieder Frauen, der Frauenanteil in unserem Landesparlament liegt bei nur 27 Prozent und unter den Bürgermeistern, Oberbürgermeistern und Landräten sind gerade einmal elf Prozent weiblich. Dabei sollte doch eigentlich klar sein: Die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich, deshalb gehört ihnen auch die Hälfte der Macht“, sagt Sigrid Wolf, Regionsgeschäftsführerin der DGB Region Düsseldorf Bergisch Land.

Doch nicht nur das Gesicht der Politik, auch die Gesetze müssten sich der Zeit anpassen: „Wir wollen Gesetze, die zeitgemäße Rollenbilder von Frauen und Männern unterstützen. Auch wenn schon viel getan wurde, laufen Frauen noch immer Gefahr, ihre Möglichkeiten nicht voll ausschöpfen zu können: Sie werden durchschnittlich schlechter bezahlt, steigen familienbedingt öfter und länger aus dem Job aus, steigen überwiegend in Teilzeit wieder in den Job ein, und das nicht selten unterhalb ihrer Qualifikation“, so Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus.

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