Gleichstellung

Stadt Düsseldorf will Frauensport besser fördern

In Düsseldorf gibt es nur wenige reine Mädchenfußballmannschaften. TuSA 06 bildet da eine Ausnahme. Hier das U 11-Team des Vereins.

In Düsseldorf gibt es nur wenige reine Mädchenfußballmannschaften. TuSA 06 bildet da eine Ausnahme. Hier das U 11-Team des Vereins.

Foto: OH

Düsseldorf.  Der erste Düsseldorfer Gleichstellungsaktionsplan soll am Mittwoch im Sportausschuss und Gleichstellungsausschuss vorgestellt werden.

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Mehr Vorsitzende, mehr weibliche Coaches, mehr Mädchen- und Frauenmannschaften insbesondere im Fußball: Der erste Düsseldorfer Gleichstellungsaktionsplan will die Gleichberechtigung von Frauen und Männern vor allem im Sport voranbringen. Dabei geht es jenseits von Führungspositionen unter anderem um Hallenbelegungszeiten und um die Frage, wie genau der Frauen- und Mädchenfußball gefördert werden soll. Ein Thema, das für Zündstoff sorgen kann, wie die frühzeitig beendete Sitzung des Sportausschusses Mitte November belegt. Der neue Aktionsplan mit dem Schwerpunkt Sport wird am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung von Gleichstellungs- und Sportausschuss (Rathaus, Marktplatz 2, 15 Uhr) vorgestellt.

Für Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart ein Schwerpunkt-Thema

2016 unterzeichnete OB Thomas Geisel die „Europäische Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene“. „Damit haben wir uns verpflichtet, die Gleichstellung der Geschlechter auf lokaler Ebene gezielt zu fördern“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart. Kommunen, die der Charta beitreten, dürfen ein Schwerpunkt-Thema wählen. „Wir haben uns für den Sport entschieden, weil er in einer Metropole wie Düsseldorf eine große Rolle auf allen gesellschaftlichen Ebenen spielt.“

Frauen und Mädchen sind als Mitglieder in den Sportvereinen unterrepräsentiert. So waren 2016 in Deutschland lediglich 40 Prozent der Mitglieder weiblich, Düsseldorf lag im gleichen Jahr mit 41 Prozent nur knapp darüber. „Dabei sind Frauen annähernd so häufig sportlich aktiv wie Männer, nutzen dafür aber nicht in gleichem Umfang die Vereinsebene“, sagt Wilfart. Besonders deutlich sind die Unterschiede beim Fußball. So stellte die Erhebung „Sport und Bewegung in Düsseldorf“ vor drei Jahren fest: „Nach Angaben der Eltern spielen in Düsseldorf 52 Prozent der Jungen Fußball, bei den Mädchen sind es unter fünf Prozent.“ Deutlich unterrepräsentiert sind Düsseldorfer Frauen dagegen in den Führungsetagen. So hatten 2016 von den im Düsseldorfer Stadtsportbund organisierten Vereinen nur 14 Prozent eine Vorsitzende und nur 31 Prozent eine Geschäftsführerin.

Gerechte Verteilung der Hallenbelegung

Um eine (geschlechter-)gerechte Verteilung der Hallenbelegung zu ermöglichen, werden aktuell die Belegungszeiten systematisch erfasst. „Nach einem Vorlauf im vergangenen Winterhalbjahr beginnt bald der zweite Teil der Zählung“, sagt Wilfart. Ziel sei es, für eine geschlechtergerechte Verteilung der Nutzungszeiten zu sorgen, also beispielsweise Mädchen bestimmte, für sie förderliche Trainingszeiten zu ermöglichen. Genauer hinschauen soll die Politik auch bei der Verteilung von Haushaltsmitteln („Gender Budgeting“).

In Sachen Frauen- und Mädchenfußball hatte das Ampel-Bündnis aus SPD, FDP und Grünen vor zwei Jahren überlegt, den Zuschuss für das Nachwuchsleistungszentrum an eine Verpflichtung für die Fortuna zu knüpfen, eine Mädchenmannschaft aufzubauen. Über die verfügt der Erstliga-Verein nach wie vor nicht. Doch das Junktim wurde fallengelassen, weil der Verein darlegen konnte, dass sich der Verein auch ohne Frauen-Mannschaften für die Förderung weiblicher Kicker engagiert. Aktuell streitet die Ampel-Kooperation darüber, ob in den kommenden drei Jahren jeweils 100.000 Euro nur für die Förderung des Mädchenfußballs (das hätten die Grünen gerne) oder aber für sämtliche Mädchen-Mannschaftssportarten (FDP-Position) ausgegeben werden sollen. Die letzte Haushaltssitzung des Sportausschusses wurde deshalb abgebrochen.

Keine Paritäten herbei zwingen

Dezernent Burkhard Hintzsche betont indes, dass es bei dem Aktionsplan nicht darum geht, bei bestimmten Sportarten Paritäten zwischen Frauen und Männern herbei zu zwingen. „Kunstturnen wird wohl auch in Zukunft weiblich dominiert sein“, sagt er. Das sieht Sportpolitikerin Monika Lehmhaus (FDP) genauso. „Dennoch kann es wichtig sein, Mädchen besonders beliebte Hallenzeiten vorzugsweise einzuräumen“, sagt sie Stefan Wiedon (CDU) mahnt dagegen vor einer Bürokratisierung. „Sport muss ideologiefrei bleiben, dass gilt auch bei diesem sensiblen Thema.“

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