Verkehrswende

Diskussion um Umweltspur: Viel Zuspruch für Düsseldorfer OB

Umweltspur: Wer darf die Umweltspur in Düsseldorf nutzen?

Mit den Umweltspuren in Düsseldorf soll unter anderem ein Dieselfahrverbot verhindert werden. Die Nutzung ist nur einigen Fahrzeugen erlaubt.

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Düsseldorf.  Der Düsseldorfer Stadtrat hatte vergangene Woche entschieden, dass die Umweltspuren bleiben. Bürger unterstützen den Oberbürgermeister.

Knappe Entscheidung in der jüngsten Ratssitzung: Mit nur einer Stimme Mehrheit (39 gegen 40 Stimmen) wurde dort entschieden – die Umweltspur bleibt. Die FDP hatte beantragt, die umstrittene dritte Umweltspur sofort zu beenden, die CDU wetterte von Anfang an gegen den Versuch. Nun bleibt die Spur. Und es gibt nicht nur diejenigen, die dagegen stänkern. Oberbürgermeister Thomas Geisel erhält auch viel Zuspruch, dass er an der Sache festhält.

Bürger sagen: „Eingeschlagener Weg ist alternativlos“

So bekommt das Stadtoberhaupt auch viel positive Resonanz, etwa in E-Mails, die unserer Redaktion vorliegen. So schreibt ein Bürger, dass er sich mit dem OB bereits über die Umweltspur unterhalten und ihn Mut zugesprochen hat. Aus der Sicht des Bürgers sei der „eingeschlagene Weg alternativlos“, auch die Parkraumbewirtschaftung unterstütze er.

Gleichzeitig appelliert er an den OB, den weiteren Ausbau der Radwege nicht zu vergessen, etwa an der Karlstraße. Er weiß jedoch, dass dafür ein Umdenken in der Köpfen der Leute notwendig ist, aber „Sie unternehmen die ersten richtigen Schritte!“ heißt es in der Mail.

Ein anderer Bürger möchte sich für die „konsequente Umsetzung der Verbesserung der Luftqualität durch Einrichten einer Umweltspur“ bedanken. Nur durch „’schmerzhafte’ Erfahrung und Hervortreten aus der Komfortzone wird es gelingen, ernsthaft Bürger, Pendler und Touristen zum Umdenken zu bewegen“.

OB: Knappe Entscheidung sei nicht überraschend gewesen

In weiteren Kommentaren zur Düsseldorfer Umweltspur heißt es, dass es „vornehmlich um Bequemlichkeit und Routine vieler Pendler geht“. Der Unmut kann zwar nachvollzogen werden, heißt es, dennoch nötige der Schritt „OB Geisel, den ich nicht gewählt habe, Respekt ab. Im autoverrückten Deutschland und speziell in einer Stadt wie Düsseldorf, die jahrzehntelang den Individualverkehr favorisiert hat, ist dies ein innovativer und längst überfälliger Schritt“.

Der Oberbürgermeister selbst freut sich über den Zuspruch. Gerade nach der knappen Entscheidung im Rat sei dieser zugunsten der Umweltspur „gekippt“. „Ich habe mit jeder Menge Schmähmails gerechnet, stattdessen gab es viel Zuspruch. Viele fanden es toll, dass wir Rückgrat bewiesen haben.“ Dass die Entscheidung im Rat so knapp ausgefallen ist, sei hingegen nicht überraschend gewesen. „FDP und CDU waren dagegen, und dann ging es schon ums Stimmen sammeln.“

„Druck im System“

Beeindruckt habe ihn, dass etwa Angelika Kraft-Dlangamandla (Linke) und Bürgermeister Wolfgang Scheffler (Grüne) trotz Krankheit an der Sitzung teilgenommen haben. „Das zeigt, wie wichtig diese Sache ist“, so der OB. Dass es tatsächlich dann zu einer Entscheidung kam und das Thema Umweltspur damit erstmal vom Tisch ist, damit habe er „ehrlich gesagt nicht gerechnet“.

Zudem begrüßt Geisel, dass nun „Druck im System“ ist, schließlich gebe es noch viel anzupacken, wie etwa das Park+Ride-System und die Parkraumbewirtschaftung. „In den letzten zehn Jahren hat der motorisierte Individualverkehr immer mehr zugenommen. Wenn wir da nichts machen, endet das im Verkehrskollaps“, so der OB. Der Mensch sei aber ein Gewohnheitstier, deswegen falle es vielen schwer, sich andere Fortbewegungsmittel als das Auto vorzustellen. „Es braucht den Impuls, um etwas anders zu machen und den setzen wir.“ Und weiter sagt der OB: „Der erste Schritt stößt immer auf Widerstand, aber da muss man einfach den Arsch in der Hose haben. Wir haben ein Signal gesetzt, in welche Richtung es jetzt mit der Verkehrswende geht.“

Über 100.000 Fahrzeuge von einem Fahrverbot betroffen

Man dürfe jedoch auch nicht aus den Augen verlieren, warum es die Umweltspuren gebe, betont auch die Chefin des Amtes für Kommunikation der Stadt, Ingrid Herden. Und das sei nach wie vor, um ein Fahrverbot zu verhindern. Jüngste Zahlen hätten ergeben, dass rund 55.000 Dieselfahrzeuge der Klasse 4 und 5 in Düsseldorf zugelassen seien. „Wenn man die gleiche Anzahl bei den Pendlern veranschlagt, kommt man auf über 100.000 betroffene Fahrzeuge“, so Herden.

Kritik an den Umweltspuren und der angekündigten Erhöhung der Parkgebühren gibt es indes von den Düsseldorfer Gastronomen. So teilte der Deutsche Hoten- und Gaststättenverband (Dehoga) mit, dass die Auswirkungen „fatal“ seien. So führten die Umweltspuren zu kilometerlangen Staus, höhere Parkgebühren könnten Besucher den Spaß am Shoppen vermiesen.

Dem hält der ADFC entgegen, der in einer Mitteilung auf die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommune Bayern verweist; Diese geht davon aus, dass die Autofahrer unter Einkäufern zu hoch eingeschätzt werden (58 Prozent, real 32 Prozent) und Fußgänger und Radfahrer zu niedrig (geschätzt zusammen 30 Prozent, real 52 Prozent).

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