Bürgerbarometer

Warum Düsseldorf noch keine Fahrradstadt ist

Unfallsschwerpunkte für Radler in Düsseldorf. Im Bild die Duisburgerstraße in Pempelfort mit dem Engpaß für denRadler durch die Straßenbahn oder den in zweiter Reihe geparkten Wagen.

Unfallsschwerpunkte für Radler in Düsseldorf. Im Bild die Duisburgerstraße in Pempelfort mit dem Engpaß für denRadler durch die Straßenbahn oder den in zweiter Reihe geparkten Wagen.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.  Die Düsseldorfer bewerten die Attraktivität der Radwege als mittelmäßig. Verkehrsausschuss und ADFC fordern: Radler sollen auf Straßen fahren.

Düsseldorf hat sich vor mehreren Jahren den Titel „Fahrradfreundliche Stadt“ selbst verliehen. Die Rheinmetropole wollte den bekannten Fahrradstädten Münster oder Kleve anscheinend in nichts nachstehen.

Jetzt aber zeigt sich beim repräsentativen NRZ-Bürgerbarometer, dass die Befragten die Attraktivität der Radwege in Düsseldorf als durchwachsen bewerten. Knapp ein Drittel bewertet auf einer Skala von 1 (sehr attraktiv) bis 5 (sehr unattraktiv) die Düsseldorfer Radwege und die Attraktivität der Stadt für Radler als unattraktiv. Nur knapp ein Viertel bewertet die Radwege und die Fahrradfreundlichkeit als gut. Die Befragten aus dem Norden sind demzufolge am unzufriedensten mit dem Zustand der Radwege. Auch im regionalen Städtevergleich schneidet Düsseldorf nur mittelmäßig ab.

Auffällig: Seit dem Bürgerbarometer von 2006 haben die Düsseldorfer Radwege in den Augen der Befragten um etwa 0,7 Prozentpunkte an Attraktivität eingebüßt.

Modal-Split erhöhen

Gründe dafür gibt es genügend, findet der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Martin Volkenrath. „Das Radwegenetz muss verbessert werden, es müssen mehr verkehrsberuhigte Zonen und endlich auch ein Radschnellweg wie der von Hamm nach Duisburg ab 2020 her.“ Der Flingerner Verkehrs-Experte hat eine Vision: Er möchte einen Radschnellweg von Düsseldorf über Erkrath bis nach Bonn bauen lassen und ein dichteres Radhauptnetz, das die Düsseldorfer Stadtteile effizient verbindet. Laut Volkenrath könnten so weitere wichtige Anreize geschaffen werden, Menschen vermehrt aufs Rad zu bringen. Schließlich müsse der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr (Modal-Split) deutlich erhöht werden „Aktuell liegen wir bei 17 Prozent. Gut wären aber Werte über 20 Prozent“, erklärt Volkenrath. Zum Vergleich nennt er die Modal-Split-Werte Münsters. „Dort liegt der Anteil bei 35 Prozent. Wir haben also noch viel vor uns.“

Ähnlich sieht es auch der Düsseldorfer ADFC. „Unser Radnetz ist noch lange nicht gut. Wir fordern, dass Fahrradfahrer breite und übersichtliche Wege in Düsseldorf bekommen. Außerdem gehören Radfahrer auf die Straße.“ Das unterstützt auch Volkenrath ausdrücklich. „Wenn die Radler auf der Straße fahren, werden sie wenigstens von den anderen Verkehrsteilnehmern gesehen.“

Stadt hat Probleme erkannt

Die Stadt ist sich der Probleme bewusst und hat angekündigt mehr Fahrrad-Abstellanlagen und Radwege zu bauen sowie für eine verbesserte Fahrradnavigation zu sorgen. Das Hauptproblem ist aber nach wie vor, dass viele Autofahrer beim Abbiegen oder Wenden Radler übersehen im immer dichter werdenden Stadtverkehr. Die Stadt hat daher in der Vergangenheit kombinierte Rad- und Fußgängerwege geschaffen, die aber nicht den erhofften Effekt einbrachten. Auch dort kam es zu vielen Unfällen – und das nicht nur mit Fußgängern. Seit einiger Zeit setzt die Stadt daher auf separate und eindeutig ausgewiesene Radwege.

Das sei aber noch zu wenig laut ADFC. Denn: Immer noch ist die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Radfahrern in der Stadt hoch. 2015 gab es zwar 6,7 Prozent weniger Unfälle mit Radlern. Auch schwer verletzt wurden immer weniger Radler (minus 20,2 Prozent). Allerdings verstarben zwei Radfahrer bei Unfällen. Eine Realität ist auch, dass die Radfahrer zunehmend Verursacher von Unfällen sind. Im Drei-Jahres-Trend (2013-2015) nahmen die Unfälle, die von Radlern verursacht wurden, um satte 8,5 Prozent zu.

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