Bürgerbarometer

Warum immer Heinrich Heine?

Heinrich Heine (1797-1856) ist der bedeutendeste und beannteste Düsseldorfer laut Bürgerbarometer.

Heinrich Heine (1797-1856) ist der bedeutendeste und beannteste Düsseldorfer laut Bürgerbarometer.

Düsseldorf.  Der Düsseldorfer Dichter ist nach wie vor der bedeutendste Düsseldorfer, wie das NRZ-Bürgerbarometer wieder einmal deutlich aufzeigt.

Wer ist der bekannteste Düsseldorfer? Eine schwierige Frage könnte man meinen, denn die Landeshauptstadt hat eine Vielzahl bekannter und bedeutender Denker, Künstler, Sänger und Politiker herausgebracht.

Den Düsseldorfern, die für das NRZ-Bürgerbarometer befragt wurden, ist die Antwort aber anscheinend leicht gefallen. Das Resultat daher eindeutig: Wie bei den vergangenen Bürgerbarometern (2011, 2014) votierten mit 46 Prozent eine Mehrheit für den Lyriker Heinrich Heine, der vor mehr als 200 Jahren rund um die Bolkerstraße aufwuchs. Insbesondere für die Linksrheiner, die am häufigsten Heine nannten, scheint der Dichter einen bedeutenden Platz zu haben. Aber was macht auch heute noch die Popularität des letzten Dichters der Romantik, wie Heinrich Heine oft bezeichnet wird, aus?

Grundsätzlich gilt, dass Heine oft aufgegriffen, kritisiert und über ihn geschrieben wurde. So gibt es eine Vielzahl an Biografien über ihn. Autoren wagen sich selten an Unbekannte, sondern halten sich lieber an die üblichen Verdächtigen, meint Heine-Biograf Rolf Hosfeld, der selbst vor einigen Jahren eine neue Biografie über den „kritischen Geist Heine“ herausbrachte. So gesehen ist die öffentliche Wahrnehmung Heines groß. „Heine hat internationale Geltung erlangt, er steht zu Recht an der Spitze der Skala“, erklärt Hosfeld. Heinrich Heine, der selbst Jude war, hatte vielleicht deshalb auch einen starken Freiheitsimpuls, was viele an ihm bis heute schätzen. Sein Umgang mit Autoritäten – vielleicht passt das auch zu den Düsseldorfern und ihrem Selbstverständnis – entsprach eher der rheinischen Lebensart, war also persönlich und locker. Zudem soll Heine eine nie dagewesene Offenheit sowie eine sprachliche und intellektuelle Leichtigkeit, die er während seiner Zeit in Paris kultivierte, in die deutsche Kultur gebracht haben. „Das hat der deutschen Kultur und Literatur gut getan“, sagt Hosfeld. Dennoch war der Journalist, Essayist und Lyriker Heine auch nach seinem Tod umstritten.

Der Autor von „Deutschland ein Wintermärchen“ hatte immer ein zwiespältiges Verhältnis zu seiner Heimatstadt und den angespannten Verhältnissen unter der Fremdherschaft der Franzosen. Und trotzdem war er ihr innerlich enorm verbunden, sagt Hosfeld. Heine schrieb einmal über Düsseldorf: „Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zu Muthe.“

Ein Dichter, wie Heinrich Heine ihn gab, ist kritisch; meist richtete sich seine Kritik gegen die Umstände, die Kollegen, die Ignoranz in der Welt, nicht so gerne gegen sich selbst. Auch das gefällt vielen.

Campino, Beuys und Erwin dahinter

Hinter Heine kommt erst einmal lange Zeit nichts. Das gilt auch für das Bürgerbarometer. Mit 10 Prozent kommt „Toten Hosen“-Sänger Campino in der Promi-Hitparade auf Platz zwei. Gefolgt von Kunstprofessor und Querdenker Joseph Beuys sowie Alt-Oberbürgermeister Joachim Erwin mit jeweils sechs Prozent. Interessant auch: Die Plätze zwei und drei blieben seit sechs Jahren unverändert.

Campino bekam bei den Düsseldorfern, die jenseits der 30 Jahre sind, am meisten Stimmen. Das liegt vielleicht auch daran, dass diese Alters-Gruppe den Aufstieg der Toten Hosen miterlebte. Etwas überraschend, wegen seiner noch wenigen Jahre als oberster Bürger Düsseldorfs, kommt auf Platz vier bereits Thomas Geisel mit 2,5 Prozent der Stimmen. Der aktuelle OB liegt noch vor Größen wie Marius Müller-Westernhagen, Gustaf Gründgens und Heino. Wieder einmal schaffte es keine Frau in die Top-Fünf der Promi-Rangliste. Die Kunstmäzenin und Malerin Mutter Ey schaffte es mit einem Prozent immerhin ins Tableau der bekanntesten Düsseldorfer. Die jüngsten und ältesten Befragten nannten bei der Promi-Frage am häufigsten keinen Namen.

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